Berliner Sex-Tagebücher : Liebes Tagebuch

Das Hauptstadtmagazin Zitty hat acht Berliner gebeten, eine Woche Sex-Tagebuch zu schreiben und ihnen absolute Anonymität versprochen. Das Ergebnis ist amüsant, krass, lustig und oft einfach unglaublich. Aber es ist ehrlich und echt. Und erzählt mehr als jede Studie.

Berliner Sextagebücher
Foto: Peter Langer

 

Die Sehnsüchtige

Der Nachdenkliche

Die Online-Swingerin

Der Sammler

Die Polygame

Der frustrierte Vater

Die Jägerin

Der schwule Romeo

 

 

 

 

 

Die Sehnsüchtige

Frau, 34, Geschäftsführerin, Mitte, feste Beziehung, hetero

 

 

Tag 1

10.00 BSR-Annahmestelle, meine beste Freundin U. und ich laden ihre letzten Möbel ab. Das ist der Rest, die Wohnung ist leer, sie wird in ein paar Tagen nach Schweden fliegen. Dort wohnt ihr Freund, da will sie mit ihm leben.

22.00 Gehe noch mit zwei Freundinnen Bier trinken. Die eine will mit ihrer drei Wochen alten Liebschaft zusammenziehen. Er setzt sie unter Druck mit Argumenten wie: Wenn du nicht mit mir zusammen wohnen willst, dann liebst du mich nicht. Was soll man dazu sagen?

1.20 Meine Freundin U. ist zu Gast in meinem Bett. Ich hab Lust auf Sex, auf meinen Freund, A., der schon seit zwei Wochen weg ist, und habe Angst, U. im Schlaf zu verwechseln und über sie herzufallen.

 

Tag 2

9.00 Ich warte auf meinen Kommilitonen G. aus meinem Nebenherstudium. Wir wollen an die Ostsee. Bin mir gar nicht so sicher, ob das eine gute Idee ist. Wir haben die letzten Wochen eifrig miteinander geflirtet, aber mehr will ich nicht. Glaub ich.

Zeitgefühl verloren. Halt am See, beim Klettern über einen kaputten Steg fassen wir uns an, ziehen uns über die morschen Bretter, ich finde das schon etwas prickelnd, pubertär erotisch halt.

Später: Höre meine Mailbox ab. Oh nein, mein Freund ist in Polen beklaut worden, ich soll sein Handy und seine EC-Karte sperren. Scheiße, es ist Sonntagnachmittag, sitze mit einem fremden Mann in der Uckermark und kann nichts machen. Ich kann ihn nicht erreichen, hab ein schlechtes Gewissen und kriege miserable Laune.

Noch später: Wir entschließen uns, nicht mehr die Ostsee anzusteuern, sondern nach Berlin zurückzufahren und einen Film zu gucken. Zu Hause liegt noch „Rote Sonne“ mit Uschi Obermayer.

0.30 Zurück in Berlin, kein Film mehr. Herzzerreißende Emails von A., er fragt, wo ich bin, vermisst mich und will, dass ich bei ihm bin. Oh Mann, ich will ihn auch! Jetzt!

 

Tag 3

10.00 Das Telefon klingelt.

10.10 Das war mein Freund, es ist alles geregelt in Polen. Trotzdem hat ihn verstört, dass ich nicht zu erreichen war. Und jetzt ist er auch noch eifersüchtig. Er klang so traurig, ich bin auch traurig. Ich schicke ihm noch eine Email hinterher.

13.20 Ich brauche einen Mittagsschlaf, nehme meinen Vibrator mit ins Bett. Stimmen aus dem Hinterhof, hoffentlich hört man den Motor nicht.

20.30 Dann guck ich jetzt allein die „Rote Sonne“.

20.31 SMS von G.: Er fands schön gestern.

20.39 „fand den tag auch schön, entschuldige meine schlechte Laune, ich seh mir jetzt uschi obermayer an...“

20.45 Er ruft mich an, hat die drei Punkte am Ende meiner SMS als Aufforderung gelesen, zu kommen. Aha?

21.05 Wir gucken den Film, reden ein wenig, nicht über uns oder gestern, gibt auch nichts zu sagen. Irgendwann geht er.

 

Tag 4

10.55 Mache mir klar, dass ich meine Hausarbeit für die Uni nicht mehr fertig kriege, bis morgen mein Freund und außerdem angekündigter Besuch vor der Tür stehen. Ich geh ins Schwimmbad.

16.00 Scheiße, ich menstruiere, dabei wollte ich doch zum Waxen heute.

 

Tag 5

9.16 Es klingelt an der Tür. J., ein Freund, er bleibt übers Wochenende.

9.40 J. erzählt mir, dass er sich von seiner Frau trennt, die beiden sind seit über zehn Jahren ein Paar.

17.30 Jippieh! Mein Freund kommt zurück. Der VW-Bus hält vor der Tür, sechs dreckige Jungs steigen aus, einer ist meiner. Umarmen, küssen, ach, ist er schön, iiih, er stinkt.

17.45 Ach ja, die anderen sind ja auch da, die Musiker, die übers Wochenende meine Wohnung einnehmen werden.

20.00 Nach dem Ausladen und einer Dusche für jeden verschwinden die anderen. A. und ich bleiben alleine, schneller Sex auf dem Flur, duschen, noch mehr Sex, diesmal länger.

0.45 Wir verschwinden in unsere Unterkunft für diese Nacht. Noch mehr Sex, ausgiebig.

 

Tag 6

9.00 Ich werde mit Küssen und Streicheln geweckt, nach dem Sex nehmen wir ein Bad.

17.30 Sind auf dem Weg zum Soundcheck. Stoße im Tourbus auf italienisches Sex-Heftchen namens Superjoint: ziemlich unschön, sehe nur mit Sperma bespritzte Frauen mit dicken Titten.

20.30 Ich rufe zwei Freundinnen zur Unterstützung an.

21.00 Wir sitzen wie Groupies im Backstage-Raum, meine Freundinnen sind entzückt von den süßen Musikern, die eine würde den Drummer wollen, oje, die andere auch.

 

Tag 7

12.00 Sex nach dem Aufwachen.

22.00 Na toll, ich warte auf meinen Freund und die anderen, wir waren um neun zum Essen verabredet. Ich wähle seine Nummer, das Handy klingelt auf unserem Küchentisch. Ich bin genervt.

23.30 Mein Freund kommt zurück, entschuldigt sich. Bin trotzdem noch genervt.

0.00 Beim Wodka wälzen wir Beziehungsprobleme zu dritt: der geschiedene J., mein Freund und ich. Treue und Fremdgehen oder so...

Spät, es wird langsam hell. J. setzt sich an den Computer, chatten. Mein Freund und ich gehen ins Bett und versuchen, ganz leise zu sein beim Sex.

 

Total: 1 Mal Händchenhalten und Nacktbaden, 1 Mal Vibrator, 5 Mal Sex

 

 

 

 

 

Der Nachdenkliche

Mann, 40, Arbeitsloser, Prenzlauer Berg, offene Beziehung, zwei Kinder, geschieden, hetero

 

Tag 1

10.00 Stehe spät auf, da ich vom Sport noch kaputt bin. Hätte ich ohne Auftrag für das Sextagebuch schon an Sex gedacht? Bestimmt nur, wenn die Morgenlatte mich genötigt hätte, bei Muskelkater denk ich an Regeneration, also vielleicht doch? Erstmal lieber Kaffee. Denk mir, dass kaum so viel gelogen wird wie beim Thema Sex.

12.00 Telefoniere mit meinen Eltern. Frage mich, wie das Sexualleben 70-Jähriger aussieht.

23.00 Gehe alleine ins Bett und sehe mir hübsche Frauen im Netz an, hole mir einen runter und schlafe schnell ein.

 

Tag 2

19.00 Treffe mich mit einer Ex, denke nicht an unser früheres Sexleben, ist ja eigentlich auch normal, bin ja über sie hinweg. Gucken uns im Eiszeit „Last King of Scotland“ an, ist auch nicht für ein romantisches Tête-à-tête geeignet.

 

Tag 3

18.00 Treffe meine Freundin, nach gutem Essen plus Wein schmusen wir im Bett, Zärtlichkeiten nehmen zu, Sex in unterschiedlichen Stellungen.

 

Tag 4

18.00 Plattenladen in der Oderberger Straße, treffe Freunde. P. erzählt mir zum wiederholten Mal von seinen Affären mit den unterschiedlichsten, meist dunkelhäutigen Frauen. Reagiere immer ein wenig pikiert, denke er ist beziehungsunfähig, merke aber, dass mir das eigentlich auch gefallen würde. Warum wünscht der Mensch sich immer genau das, was er selber nicht hat? Ziehen weiter um die Ecke, gehe spät ins Bett und bin blau, einen runterholen nicht mehr möglich.

 

Tag 5

12.00 Fahre zu meiner Freundin nach Kreuzberg, sie hat wenig Zeit, da Produktion, ein Quickie ist trotzdem drin.

 

Tag 6

20.00 Party bei D., Er ist so alt wie ich und hatte ein spätes Coming Out. Seine Geschichten über Sex sind viel aufregender als meine, auch einer der wenigen, die ihre Praktiken detailliert zum Besten geben, Hardcore und SM-Spielchen. Er lebt seine freie Beziehung echt aus. Kann ich von mir nicht gerade behaupten. Rede später viel mit Kati, nette Frau mit 2 Kindern, solo aber auf der Suche nach einem Freund. Angst vor komischen Verwicklungen lassen mich nicht weiter flirten, beende die Nacht volltrunken in meinem Bett neben meiner Freundin, die die Party toll fand und nüchtern blieb.

 

Tag 7

12.00 Kuschel mich an meine Freundin, bekomme eine Latte, dringe in sie ein und schlafe nach meinem Orgasmus auch sofort weiter. Hat nicht nur mir gefallen.

22.00 Bin heute Matsch, gucke fern und hole mir einen runter, meine Freundin ist auch schon seit acht Uhr wieder in Kreuzberg, sie muss morgen arbeiten.

 

Total: 2 mal Masturbieren, 3 mal Sex

 

 

Die Online-Swingerin

Frau, 26, Call-Center Agentin, Friedrichshain, Single, hetero

 

Tag 1

11.00 Bin krankgeschrieben, Nasennebenhöhlenentzündung, checke meine Mails bei Myspace, Finya.de (Onlinedating) und Joyclub (Swinger-Seite). Antworte.

13.00 Mein Telefonsexfreund C. aus Hamburg ruft an, ist geil. Habe ihn bei Finya kennengelernt, sieht sehr gut aus und sucht nichts Festes. Ich erzähle ihm, wie ich es ihm mache, er holt sich einen runter.

23.00 Letzte E-Mail.

 

Tag 2

12.00 Maile mit K., dem Spießer. Lese Mails von dem Typ der mich zur Sklavin erziehen will. Nehme das nicht ernst.

16.00 C. ruft zum dritten Mal an heute, Telefonsex: Er stellt sich vor, wie ich es ihm besorge, seine Stimme macht mich richtig an.

 

Tag 3

10.00 Chatte.

12.00 Schreibe einen Business-Plan für meine Modefirma, komme nicht weiter.

13.00 C. ruft an, er hat Glück diese Woche, weil ich nicht arbeite.

15.00 Räume auf, später kommt mein Date von Myspace, wollen uns schon seit Wochen treffen, heute endlich „Wein trinken und quatschen“.

20.00 Wir sind auch live auf einer Wellenlänge, trinken Wein. Fangen an rumzumachen, er küsst gut. Ich blase ihn, schöner Schwanz. Sex auf dem Boden, mein Bett quietscht zu sehr. Er kommt spät, spritzt Kissen und Wand voll. Noch mal im Bett. Er leckt mich, nimmt meinen Vibrator.

1.00 Er schläft hier, kuschelt sich an mich.

 

Tag 4

9.00 Er geht arbeiten, ich schlafe, muss mich erholen.

12.00 Frühstück, meine Mitbewohnerin J. fragt, wie es war und ob wir uns wiedersehen werden.

23.00 Ich bin immer noch total überreizt.

 

Tag 5

11.00 Checke meine Mails, gehe nicht ran, als C. anruft.

21.00 Mein Date von Joyclub kommt vorbei, er sucht eine Geliebte, hat schon eine Freundin. Das wird ein Egofick, er sieht sehr gut aus, groß, schöner Körper, gutes Styling.

21.05 Er küsst mich schon an der Tür, komisch feucht. Wir reden, er streichelt meine Oberschenkel und meinen Schritt. Ziehen uns aus, er fingert mich kurz und kommt nach zwei Minuten in mir. Lasse es mir von ihm mit vier Fingern mache, ich will anal, er traut sich nicht, noch mal Missionarsstellung, dann muss er los. Seine Freundin will noch anrufen.

23.00 Erzähle Mitbewohnerin C. wie es war: nicht großartig, aber ausbaufähig.

 

Tag 6

6.30 Schichtdienst, gehe arbeiten.

 

Tag 7

17.00 M. von Tag 5 ruft an, sagt es war schön, will mich wiedersehen, ich ihn auch, mag ihn als Menschen. Bin nicht verliebt.

19.00 Telefoniere mit J. von Finya. Er hat niedliche Fotos auf seiner Seite. Aber er lacht wie ein Mädchen, will mich sofort treffen. Passt mir nicht, ich reagiere nicht auf seine Mails danach.

 

Total: 5 mal Telefonsex, 2 Dates: 1 mal Fellatio, 1 mal Cunnilingus, 4 mal Sex, 2 mal Finger und Vibrator

 

 

Der Sammler

Mann, 31, Architekturstudent, Mitte, Single, hetero

 

Tag 1

9.00 Aufstehen, Duschen, Kaffee im Galao. Dort aber auch keine interessanteren Gesichter als in meiner Küche.

Mittag Mensa. Setze mich an einen Tisch zu drei attraktiven Erstsemesterinnen, mit denen ich schnell ins Gespräch komme. Sind

aus Ingolstadt zugezogen, gerade gemeinsam das Abi gemacht und auf in die Hauptstadt. Suche mir für den Nachtisch neuen Sitzplatz.

18.00 SMS von Johann, verabreden uns für später im Schönwetter. Sehe auf der Straße von weitem gut aussehende blonde Frau und schalte auf Sendemodus, merke aber von nahem, dass wir uns bereits kennen gelernt hatten. Erinnere mich dunkel, dass ich bei der Zigarette danach schon an der Bushaltestelle stand. Kann keine Zimmer in Terrakotta-Schwammoptik mehr ertragen, und über dem Ganzen hing ein Hauch von indischen Rauchstäbchen.

22.00 Hänge mit Johann im Schönwetter ab, er hat eine hübsche Arbeitskollegin im Schlepptau, ist aber bereits selbst dran. Wir warten auf ihre Freundinnen, sie telefonieren andauernd.

22.45 Freundinnen kommen nicht mehr vorbei. Haue ab und setze mich noch an den Rechner. Aktualisiere mein Friendscout-Profil, ergänze „bitte keine Eso-Tussis“. Danach kurz auf Stammpornoseite, damit ich besser einschlafe.

 

Tag 2

9.30 Kaffee im Il Syndicato, ist mir von einer Bekannten als totaler Frauenladen empfohlen worden.

10.15 Hat sich was mit Frauen! Schlafen wohl alle noch.

Mittag Sonne scheint, genug Uni für heute, lege mich mit einer Bekannten in den Weinbergspark. Bei dem Wetter sehen fast alle Frauen toll aus. Eine Kommilitonin meiner Bekannten setzt sich zu uns: Schlank, lange dunkle Haare, gepflegte Zähne und freundliche Augen. Und: Single, wie ich schnell herausfinde. Verabreden uns für den Abend, Vernissage. Die Bekannte guckt ein bisschen angepisst, aber sie hatte ihre Chance.

18.30 Marlene ist vor mir angekommen, sehe sie zuerst von hinten, hat sich offenbar Mühe gegeben – Kleid, kleine Absätze. Flirten den ganzen Abend zunehmend intim. Sie weiß leider mehr über Kunst als ich. Daher Strategiewechsel: aufmerksamer Zuhörer.

3.00 Strategie kam gut an. Kann nicht meckern. Und kein Terrakotta weit und breit. Sie muss früh raus, gehe danach also

nach Hause, im eigenen Bett schläft es sich am besten.

 

Tag 3

11.00 Wache auf, schon zwei SMS von Marlene. Leichter Dämpfer. Hoffe, sie klammert nicht. Telefon klingelt, sie will wissen, ob ich gut geschlafen hätte und ob wir uns nach ihrem Job im Café treffen wollen. Fühle mich überrumpelt und schinde erst mal Zeit. Hatte eigentlich schon Pläne mit einer alten Bekannten aus der Bar 25, die neuerdings Single ist. Kann ich das koordinieren? 11.12LDas lässt sich hinkriegen. Verabrede mich also mit Marlene für den frühen Abend, sie kocht mir was Schönes und muss Sonntag leider wieder arbeiten, komme also früh wieder weg. Danach laufe ich dann einfach in der Bar 25 auf.

19.00 Käsefondue. Uff. Bei dem Wetter. Hänge schlaff auf dem Sofa. Sie gibt sich redliche Mühe, ich komme aber nicht so recht in Fahrt.

19.30 Sie bläst mir einen.

23.00 Shit. Müssen eingeschlafen sein. Marlene will, dass ich bleibe. Ich gehe, mit einem schlechten Gefühl. Früher war Sex irgendwie aufregender. Kann aber nicht mal sagen, was ich genau vermisse.

24.00 Bar 25, meine Verabredung hatte offenbar einen Plan B. Knutscht jetzt jedenfalls bereits mit einem anderen. Lasse mich nicht entmutigen und nutze seine kurze Klopause, um vorstellig zu werden. Sie ist offenbar schon gut angetrunken, scheint erleichtert, dass ich doch aufgetaucht bin. Der Typ ist nicht doof und verdrückt sich. Wir gehen zu mir, bin jetzt deutlich agiler. Ist ja auch das erste Mal mit ihr. Wieder oral, allerdings benutzt sie die Zähne. Muss wohl in Frauenzeitschrift als Trick empfohlen worden sein. Aua. Der Rest ist aber wirklich gut.

 

Tag 4

12.00 Wache allein auf, sie ist noch in der Nacht abgehauen. Hm. Beschließe, heute mal ruhig zu machen, hole mir Brötchen, Zeitung, und einen runter, aber nicht gleichzeitig. Bleibe den ganzen Tag zuhause, Telefon aus, keine Lust auf SMS oder ähnliches.

22.00 Bin auf „Tatort“ hängen geblieben. Gehe schlafen.

 

Tag 5

8.00 Stehe zügig auf, will was schaffen diese Woche. Erst mal joggen im Mauerpark, viele Frauen unterwegs, aber es ergibt sich nichts. Verabrede mich mit Marlene zum Mittag und setze mich dann mit Laptop ins Oberholz. Komme mit Nachbarlaptop ins Gespräch, 29 und erst seit einem halben Jahr in Berlin. Verabreden uns fürs Kino am nächsten Tag.

13.00 Mittag mit Marlene, ungutes Gefühl, das wird nix mit uns. Bin mir nicht sicher, woran es liegt, sie sieht gut aus, ist zudem schlau und steht auch noch auf mich. Vielleicht zu sehr, das geht mir alles zu schnell. Erzähle ihr was von offener Beziehung und so weiter.

21.00 Trinke mit Johann ein Bier, frage ihn, ob ich schwierig bin. Er sagt ja. Wir lachen, noch zwei Becks.

 

Tag 6

9.00 Marlene kam in meinem Traum vor. Frage mich, ob das was zu bedeuten hat.

20.00 Kino, allein. Das Nachbarlaptop hat mich sitzen lassen. Na toll. Greife später auf Stammporno zurück.

 

Tag 7

9.00 Frage mich, ob ich mich bei Marlene melden sollte. Melde mich nicht. Kaffee wieder im Galao, die Kellnerin lächelt nicht zurück.

14.00 Schreibe unverbindliche SMS an Marlene, schicke sie aber nicht ab. Beschließe, mich mehr auf die Uni zu konzentrieren.

20.00 Denke über die letzte Woche und die Frauen nach. Frage mich, ob ich an den falschen Orten suche. Mir fallen bloß keine besseren ein.

 

Total: 2 mal Masturbieren, 2 mal Fellatio, 2 mal Sex

 

 

 

Die Polygame

Frau, 28, Journalistin, Kreuzberg, lesbisch

 

Tag 1

15.00 Checke meinen Lesarion-Account, habe gestern Nacht ein Blind-Date vereinbart. Sie kommt!

21.35 Date sitzt schon da, sieht sexy aus.

24.00 Wir quatschen und quatschen. Ich weiß, dass wir beide Sex wollen und bin entspannt.

2.15 Nehme Date mit nach Hause. Besser spät als nie.

 

Tag 2

11.00 Date ist schon weg. Sex war gut, klitoraler und vaginaler Orgasmus – kann mich nicht beschweren. Erzähle meiner Mitbewohnerin von letzter Nacht. Meine Sorge: „Meinst du ich bin zu schnell eingeschlafen?“ Mitbewohnerin ist überfragt.

23.00 Habe Lust auf Sex, soll ich es mir selber machen? Zu müde, schlafe gleich ein.

 

Tag 3

17.00 SMS an One Night Stand, ehemals Blind Date. Frage, ob sie Lust hat mit mir ins Ficken 3000 zu gehen, da ist heute Lesbenabend. Stelle mir vor, dass die Kneipe mit Darkroom im Keller genau der richtige Ort für ein Wiedersehen ist.

17.15 Sie hat „große Lust“.

21.00 One Night Stand schreibt, sie kommt mit ihrem Besuch aus New York und nur für eine Stunde vorbei. Klingt nicht nach Darkroom. Flirte derweil mit einer Frau neben dem DJ-Pult.

23.00 Rede mit einer alten Bekannten über die Pornos, die im Hintergrund laufen und über die Lage im Darkroom: „Warst du schon unten“– „Nee, aber ist eh nix los, einmal schwules Sexleben genießen“, schwärmt sie. „Ja stimmt, aber manchmal geht’s da unten auch bei den Frauen richtig rund“, sage ich und denke an meine vergangenen Abenteuer im Keller.

23.30 Eine meiner Affären kommt kurz vorbei und neckt mich, dass ich mit One Night Stand verabredet bin – niemand ist eifersüchtig, alles ist super, alle haben Spaß.

2.00 Gehe betrunken und zufrieden nach Hause – alleine.

 

Tag 4

20.00 Todmüde in der Olfe. Treffe eine Freundin, wir reden über ihre Beziehung. Sie haben keinen Sex mehr, aber sie meint „alles läuft gut, sie ist eine tolle Freundin, ich will sie nicht verlieren“.

22.00 Freundin will keine schlauen Ratschläge mehr von mir, fragt mich über mein Liebesleben aus. Erkläre ihr zum x-ten Mal, warum ich Monogamie für eine Lüge halte, und dass ich in mehrere Frauen verliebt sein kann.

1.00 Vorm Schlafen noch Lesarion-Post gecheckt. One Night Stand hat mal wieder geschrieben. Freue mich, obwohl ich sie lieber in meinem Bett wüsste, anstatt vorm Rechner zu sitzen.

 

Tag 5

15.20 SMS von meiner Fernaffäre, die im Sommer auf Lesbos arbeitet: „Ich denke an dich. Genieße Sonne, Meer und die Frauen“. Schicke ihr einen Kuss durch die Leitung und wünsche ihr noch viel Spaß.

16.00 Fühle mich überarbeitet, würde jetzt lieber mit Fernaffäre am Strand liegen und knutschen.

19.30 Mit Berliner Affäre im Görlitzer Park. „Ich muss mit dir reden“: Sie erklärt mir, dass sie eigentlich immer eine Beziehung mit mir wollte und sich das selbst nicht eingestanden hat.

22.00 Verhältnis analysiert. Ich habe erklärt, dass meine Gefühle nicht weniger sind, „nur“ weil ich eine Affäre und keine Beziehung mit jemanden habe. Gehe nach Hause, bin traurig, fühle mich von der ganzen Welt unverstanden und habe das Gefühl alles falsch gemacht zuhaben.

 

Tag 6

10.00 gutes Gespräch mit meinem Chef. Erfolgserlebnisse bei der Arbeit sind vielleicht noch besser als Sex.

24.00 One Night Stand hat gemailt. Sehe in ihrem Lesarion-Profil, dass sie noch online ist. Wir schicken E-Mails hin und her. Ich mache nebenbei den Abwasch.

0.30 Lese ihre Aufforderung: „Komm und hol mich ab, dann fahren wir durch die Nacht“ – zu spät, sie ist bereits ausgeloggt.

1.00 Wäre eh zu müde gewesen, masturbiere noch schnell und gehe schlafen.

 

Tag 7

11.00 Erzähle meiner Mitbewohnerin vom E-Mail-Verkehr mit One-Night-Stand: „Ich habe Angst, dass sie denkt, dass ich denke, dass das jetzt mehr werden muss.“ Ihre Antwort: Entspann dich einfach!

15.00 Kaffee trinken mit einer Bekannten. Eine von den wenigen, die auch nicht monogam lebt. Ein Freund ist gestorben. „Ich will das Leben genießen, es kann doch jeden Moment vorbei sein. Ich nehme jetzt alle, die mich wollen.“

19.00 Lese Kontaktanzeigen auf her2her.com. Die Beziehungsseiten sind voll, Sex suchen die wenigsten.

 

Total: 1 mal Sex, mehrmals masturbiert, ein Flirt, viel E-Mail-Verkehr, 1 SMS-Kuss

 

 

Der frustrierte Vater

Mann, 41 Jahre, Tischler, Potsdam, verheiratet, drei Kinder

 

Tag 1

6.00 Gemeinsam frühstücken, die Große besteht darauf. Ich frage mich jeden Morgen, wie es kommt, dass die Kinder mit guter Laune am Tisch sitzen, während A. mit großer Akribie schlechte Stimmung verbreitet. Vielleicht war es doch ein Fehler nach Potsdam-Rehbrücke rauszuziehen, denn so schön Haus und Garten doch sind, ich habe oft das Gefühl, A. fehlen die sozialen Kontakte, die sie in Berlin hatte. Fahre heute über die Avus in die Stadt, rechne nicht mit dem Rückstau am Funkturm und komme glatt 20 Minuten zu spät in den Betrieb.

18.00 Einem ganz normalen, langweiligen Arbeitstag folgt ein ganz normaler langweiliger Fernsehabend. Gegen 23.30 Uhr sagt mir A. „Gute Nacht“, ich zappe mich noch eine Stunde lang durch die Programme. Lust auf Sex hätte ich, aber mir auf die Nackttanztussen im Sportkanal einen runter zu holen, finde ich unwürdig.

 

Tag 2

8.30 Heute fängt die neue Praktikantin im Betrieb an. Die ist 16 und trägt eine Jeans, bei der man ihr Tattoo an der Hüfte genauso gut sehen kann, wie Farbe und Form ihres Schlüpfers. Schon scharf, aber 16?

20.00 A., die Kinder und ich sind zum Grillen bei einem Nachbarn eingeladen. Irgendwie hatte ich die ganze Zeit über Fantasien von Schlüsselpartys, wie in dem Film „Der Eissturm“. Da werfen die Ehemäner ihre Autoschlüssel in eine Schale und jede Frau zieht blind einen raus.

 

Tag 3

18.00 Ereignisloser Tag. Den Abend verbringe ich mit dem Sinnieren darüber, warum A. seit der Geburt von L. keine Lust auf Sex mehr hat. Liegt es wirklich daran? Hat A. vielleicht Angst, noch einmal schwanger zu werden? Das könnte sie doch sagen, eine sichere Methode zur Verhütung würde uns schon einfallen. Es ist ja nicht so, dass ich sie von der Arbeit nach Hause kommend jeden Tag bespringen will. Aber ab und zu mal etwas Intimität und Nähe wäre einfach schön. D., mein ältester und bester Freund, hat mir mal erzählt, dass seine Frau und er noch nie ein gemeinsames Schlafzimmer hatten und ihr Sexleben deshalb so befriedigend sei. Kann das echt eine Lösung sein?

 

Tag 4

So langsam versinke ich in tiefe Depressionen. Sollte ich mir wirklich eine Geliebte zulegen? Das ist so ein blödes Klischee. In einen Puff gehen? Das ist erstens teuer und zweitens habe ich Angst, mir was wegzuholen. Oder gesehen zu werden.

 

Tag 5

8.00 Auf dem Weg in die Stadt fahre ich in Dahlem bei B. vorbei. Mit der hatte ich vor drei Jahren eine kurze, aber heftige Affäre. Dann war das auch wieder vorbei. Jetzt sitze ich wie ein Schuljunge vor ihrem Wohnhaus, beobachte die Fenster im dritten Stock und rauche.

13.30 Mit der Praktikantin Mittagessen. Und sie trägt ganz deutlich zu sehen wieder einen Schlüpfer in der Form von Arsch-frisst-Hose. Die ist 16!

22.00 Der Versuch, A. mal wieder ein bisschen zum Kuscheln zu verführen, ist glorios gescheitert. Ich hol mir auf dem Klo einen runter, sozusagen als psychosexuelle Hygienemaßnahme.

 

Tag 6

Mit A. und den Kindern einen Ausflug an die Mecklenburgische Seenplatte gemacht. Ich glaube, es liegt an der Sonne, dass ich ständig an Sex denken muss.

 

Tag 7

A.s Laune den ganzen Sonntag über war nicht so, dass ich am Abend noch einen Versuch machen würde, sie zu verführen. Wenn sie doch wenigstens mit mir reden würde. Aber diese Missachtung durch Schweigen, die macht mich echt fertig.

 

Total: 1 mal auf dem Klo onaniert, viele Sexträume

 

 

Die Jägerin

Frau, 36, Umweltplanerin, Friedrichshain, Single, hetero

 

Tag 1

7.11 Im Zug sitzt das Milchgesicht, das mich gestern aus der Ferne durch die Sitzreihen beäugt hat, diesmal genau vor mir. Tiefenpsychologisch zu interpretierende Räkelbewegungen verraten seinen Wunsch nach Nähe.

7.29 Milchgesicht weckt mich mit der Information, dass wir in Berlin-Schönefeld sind. Aha. Wünsche ihm guten Flug und klappe meine Schlafbrille wieder runter (muss noch 30 Minuten weiterfahren mit dem Zug).

8.15 Der fröhliche Hausmeister macht ein Kompliment über meinen Rock. Nehme dies dankend an. Tag gerettet.

12.30 SMS an Freundin M., ob wir heute Abend zum Resteficken in die Ankerklause gehen.

13.13 Positive Antwort.

0.50 Stelle mit Entsetzen fest, dass One-night-stand von vor 2 Jahren (noch?) da ist. Blicke konsequent an ihm vorbei.

3:20 Inzwischen sind M. und ich von hässlichen, uninteressanten Männern eingekreist. Wundert uns nicht weiter. Befreiung aus der Umzingelung und Entschluss, unverrichteter Dinge zu gehen.

4.15 Versuch, mir einen runterzuholen scheitert, ich schlafe ein.

 

Tag 2

13.00 Schwimmen im Prinzessinnenbad mit schwulem Freund C. Außer den ältlichen Bademeistern scheint keiner meinen schicken gelben Bikini zu bemerken.

15.15 Frühstück in der Morena-Bar mit C. Vegetarisches Frühstück besteht aus 4 großen Tofuscheiben. Längere Blickwechsel mit tuschelndem Männertisch als C. auf dem Klo ist.

21.00 Schreibe meinem rumänischen Urlaubsflirt eine Mail und speise sie in das englisch-rumänische Online-Übersetzungsprogramm.

22.50 Besuche Freundin U., Tresenschlampe im Salon S. Ziemlich langweilige Gäste; auch die Franzosen – sonst eine beliebte Beute – bleiben diesmal fern.

2.30 SMS von Gelegenheitsfick T.: „Na Stinker. Watt machste?“. Nenne T. meinen Aufenthaltsort.

3.40 T. kommt in Salon S., kippt sich ein paar Wodka hinter die Binde, erzählt Zoten und dass er im Februar Papa wird.

4.25 T. und ich gehen zu mir.

6.00 Nachdem es 2:1 für ihn steht, fährt T. zu seiner Freundin nach Hause.

 

Tag 3

14.30 Spaziergang durch Friedrichshain mit U. Komme mir ziemlich sexy vor mit meinem Outfit. Finden die Schluckspechte vorm „Aber Hallo“ anscheinend auch. Na bravo. Wende bei 2, 3 spanischen Touristen meinen Knippauge-Trick an. Klappt auch ganz gut (erfreute Irritation auf spanischer Seite).

20.30 Rumänien-Urlaub-Revival-Essen bei B. mit 50% Schwulen, 50% Gabi’s (= beste Freundinnen der Schwulen). Krautwickel, Polenta, Auberginen-Salat und literweise moldavischer Sekt.

0.45 Entschluss, O. im San Remo zu besuchen. Lauter aufgedrehte Mittzwanziger, die ins Weekend oder 103 wollen. Ein paar Franzosen sind schnell ausfindig gemacht, doch leider alle hässlich wie die Nacht.

3.45 Abgang.

 

Tag 4

15.30 Treffen mit C. in Simon-Dach-Straße in einem Café zum Französisch-Lernen.

18.00 C. und ich treffen uns mit meinen Mitbewohnern auf der „längsten Biermeile Europas“. Wieder Knippaugen in die Gegend geworfen und Freude und Charme zurückbekommen. Bin von dieser Masche begeistert.

19.30 Besoffener aber zuckersüßer Este schmeißt sich an mich ran. Kann seinen Drang kaum zurückhalten. Mache mit beim Fummeln und Knutschen auf Bierbank, Mitbewohner schießt Fotoserie davon.

20.00 Beschließe, ohne zuckersüßen Esten nach Hause zu gehen. Reste der rumänischen Krautwickel in Tupperdose und Tatort warten auf mich. Absolutes Unverständnis auf Seiten der Schwulen (und deren Abgang zum Cruisen in den Friedrichshain).

23.00 SMS von rumänischem Urlaubsflirt, wünscht eine geruhsame Nacht.

 

Tag 5

07.11 Schneller Abcheck-Blick verrät mir, dass Milchgesicht seine Mission in Berlin anscheinend beendet hat; nur die üblichen Verdächtigen im Zug.

19.45 Feststellung, dass mein Fitness-Studio das vermutlich prolligste ganz Berlins ist. Werde bei meinem Armmuskel-Rundkurs vom einzigen zartbesaiteten, aber nicht schlecht aussehenden Typ (auf Stepper!) beobachtet. Vielleicht ist ihm aber auch nur langweilig.

20.30 Als ich auf dem Laufband bin, drehen 3 Muscle-Mary’s den tonlosen Fernseher mit der Schwarzenegger-Doku weg. Bin entrüstet, sage aber nichts. Der Zartbesaitete klettert von seinem Treppensteig-Gerät und dreht ihn mir wieder hin. Hätte dies gerne mit einem ultra-charmanten Lächeln gewürdigt, doch er guckt mich – vermutlich aus Verlegenheit – nicht noch mal an. Nehme mir vor, ihn das nächste mal freundlich zu grüßen.

21.40 Lese Mail meines rumänischen Urlaubsflirts. Er versichert, dass er keine feste Freundin mehr haben wird, bis wir uns wiedersehen. Schmelze dahin.

 

Tag 6

10.00 Termin mit neuem Auftraggeber. Meine Hoffnung, dass die erregende Stimme vom Telefon von einem ebenso erregenden Äußeren begleitet werden, entpuppt sich wie immer als falsch.

17.00 Der Stepper-Gerät-Mensch ist nicht im Fitness-Studio. Um diese Zeit sind ohnehin nur Mädels da.

23.45 Schlafe wieder ein, bevor ich mich zum Höhepunkt bringen kann.

 

Tag 7

16.00 Mail von L., dass am Freitag der Auftakt eines Tanzfestivals gefeiert wird, angeblich fast alle hetero.

18.30 Treffe F. (schwul) zufällig im Supermarkt, der mir von seinem Wochenende auf dem Land mit einem attraktiven, jungen Mann erzählt. Neid.

20.00 Koche heute mal das Essen. Mitbewohner erzählen von ihren Wochenenden in den Darkrooms Berlins.

22.15 Wünsche den Mitbewohnern noch einen guten Stich, bevor sie zum Cruisen in den Park gehen.

23.00 Da ich diesmal zeitig im Bett bin, klappt es auch mit der Onanie.

 

Total: 2 mal beim Masturbieren eingeschlafen, 1 mal erfolgreich Masturbieren, 1 mal Knutschen und Fummeln, 2 mal Sex

 

 

 

 

 

Der schwule Romeo

Mann, 32, Werbetexter, Prenzlauer Berg, Single, schwul

 

Tag 1

8.00 Montagmorgen fühle ich mich so unsexy wie die ganze Woche nicht mehr. Leichter Kater, jedes Glas Bier vom Wochenende spüre ich in den über Nacht größer gewordenen Bauchfalten.

12.00 In der „Uomo Vogue“ die Dolce & Gabbana Kampagne gesehen. Hetero-Fußballer, fast nackt in der Umkleide. Mein Sex-Radar meldet sich.

18.00 Freund T. ruft an. Erzählt von der Party im GMF gestern abend. T. hat einen Kerl mit Wodka-Red Bull abgefüllt, war am Ende aber selbst zu betrunken, um zu ficken. Habe nichts verpasst.

20.30 Kontrolliere meine Nachrichten auf Gayromeo, ein Internet-Forum für Schwule. Keine Nachrichten.

 

Tag 2

8.30 Wache mit einer Morgenlatte auf. Mache den Computer an, logge mich bei Gayromeo ein und sehe mir Bilder von Halbnackten an. Das hilft.

20.00 Anstrengender Tag mit vielen Meetings. Will nur entspannen. Gehe ins Fitness-Studio. Sehe Männer mit besseren Körpern, die mich nicht angucken. Deprimiert lese ich die „FAZ“ auf dem Laufband.

22.00 Schaue einige Folgen von „Will and Grace“ auf DVD. Bekomme beim Zuschauen zwar keine Lust auf Sex, aber auf Gin Tonic.

23.30 Rituelles Kontrollieren der Gayromeo-Briefkastens. Aha, eine Nachricht. „Hätte Lust“. Ich antworte noch nicht.

 

Tag 3

11.30 Gehe im Büro heimlich auf die blauen Seiten. Der Schreiber von gestern: 23 Jahre, blond, schlank, passiv. Antworte mit Zusage.

15.45 Habe plötzlich keine Lust mehr. Rufe T. an. Er guckt heute abend mit einem Freund „300“ und schwärmt schon von den schwitzenden Muskelmännern. Habe plötzlich wieder Lust auf ein Date.

21.00 Katastrophe! Der Junge hat kaum Erfahrung. Wenn er bläst, spüre ich seine Zähne. Es tut weh. Ich gebe vor, zu müde zum Ficken zu sein. Er kommt. Danach kontrolliere ich im Bad, ob ich Hautabschürfungen habe.

23.00 Habe eine Nachricht meines Dates auf Gayromeo: „Geile Nummer, gerne wieder“. Ich antworte nicht. Da ich schon mal hier bin, klicke ich mich durch Profile und entdecke einen 35-jährigen Sexgott in Zürich. Auf den Fotos trägt er eine dunkle Speedo-Badehose, er hat die O-Beine eines Fußballers und grinst. Für mich klar eine Aufforderung zu wichsen.

 

Tag 4

10.00 Schaue mich im Büro um. Habe den Verdacht, meine Kollegen haben besseren Sex als ich. Rufe T. an. Wir verabreden uns für das Möbel Olfe heute Abend.

18.30 Gehe nach der Arbeit zu American Apparel. Kaufe mir eine neue Unterhose. Summe Justin Timberlake mit: „I’m bringing sexy back.“ Der Verkäufer lächelt. Leider nicht mein Typ.

22.00 Im Möbel Olfe quetschen wir uns an den Tresen. Ein Südländer fixiert mich. Ich drehe mich um wie ein schüchternes Mädchen.

23.00 Der Südländer und ich sind tief in ein Gespräch vertieft. Er ist einfach auf mich zugekommen, als T. auf Toilette war. Warum machen das deutsche Männer nie? Der Typ kommt aus Südamerika, hat kurze schwarze Haare und ein Killer-Lächeln.

23.30 T. redet mit Bekannten. Ich sage Killer-Lächeln, dass ich gehen muss. Er fragt, ob er mitkommen soll. Natürlich sage ich ja.

24.00 Der Unterschied zum gestrigen Date ist unglaublich. Der Typ ist eine Granate im Bett. Er stöhnt laut. Ich schaue kurz zum Fenster. Es ist zum Glück geschlossen.

 

Tag 5

8.30 Ich erwache groggy, aber zufrieden. Killer-Lächeln bläst mich zum Abschied.

10.15 Im Büro fragt mich ein Kollege, ob wir nach der Arbeit zusammen ins Fitness-Studio gehen wollen. Ist das eine Anmache?

18.30 Wir strampeln uns auf dem Laufband ab. Mein Kollege erzählt die ganze Zeit von seiner Freundin. Dann will er wissen, warum Sex unter Schwulen so einfach sei. Was für ein Klischee! – trotzdem erzähle ich ihm von meinen Dates.

23.00 T. und ich gehen aus, erst in den Hafen, dann ins Connection. Im Darkroom-Labyrinth verschwindet T. schnell. Ich schaue zwei kleinen Männern zu, die Oberarme wie Traktorreifen haben und sich versuchen gegenseitig zu umarmen. Die Szene hat etwas ungewollt Komisches. Um 3 Uhr gehe ich nach Hause. Ohne Sex.

 

Tag 6

11.00 Ein Frühstück ohne Zeitdruck – besser als Sex.

15.00 Treffe mich mit Freunden im Park am Weinbergsweg. Ein Bekannter, Italiener, sagt, dass in Berlin alle Schwulen wie Heteros aussehen und alle Heteros wie Schwule.

22.00 Denke an den Südamerikaner. Habe Pornoszenen im Kopf.

0.30 Gehe ins Kino International. Halte Ausschau nach dem Killer-Lächeln. Trinke zu viel Wodka-Cola. Um vier Uhr spreche ich endlich einen Typen an. Nach einer Stunde erzählt er mir beiläufig, dass er hetero ist und zwei Freundinnen begleitet, die unten abtanzen. Er hofft, dass mich das nicht stört. Ich sage nein, gehe aufs Klo und fahre sofort mit dem Taxi nach Hause.  

 

Tag 7

12.00 Mein Kopf tut weh. Bin froh, alleine zu sein. Denke, Sex wird überschätzt.

16.00 Im Tiergarten widerrufe ich meine Behauptung. Begeistert schaue ich Hetero-Männern ohne T-Shirt bei Ballsportarten zu.

18.00 Auf der Kastanienallee kommt mir ein attraktiver Südländer mit einem Typen entgegen, den ich aus der Szene kenne. Schamlos wie ich bin, versuche ich, ihn mit meinen Blicken anzugraben. Er sieht mich, taxiert mich und geht mit dem Deutschen weiter.

23.30 Zwei Tage ohne Gayromeo. Das ist fast Rekord. Meine Nachrichtenausbeute: null. Eigentlich bin ich ganz froh. Zwei Mal Sex die Woche reicht vielleicht. Werde wohl älter.

 

Total: 1 mal Masturbieren, 2 mal Fellatio, 2 mal Sex

 

 

Erschienen in "Zitty Berlin", Ausgabe 18/2007, S.14ff.,

www.zitty.de

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