Berliner Spitzenforschung : Licht ins Gehirn bringen

Von Algen und Augen: Der Berliner Wissenschaftspreis 2015 geht an den Biophysiker Peter Hegemann.

Adelheid Müller-Lissner
Licht und Leben. Der Berliner Physiker am Schreibtisch seines Büros in der Humboldt-Universität. Er erforscht, wie Bakterien sich anhand von Licht orientieren.
Licht und Leben. Der Berliner Physiker Peter Hegemann erforscht, wie Bakterien sich mit einfachen Mitteln orientieren.Foto: Bernd Prusowski/Humboldt-Universität

„Wenn Sie in diese Lichtschranke kommen, bleibt der Aufzug stehen“, warnt Peter Hegemann auf der Fahrt zu seinem Arbeitsplatz im vierten Stock des Plattenbaus, der zum Institut der Humboldt-Universität in der Invalidenstraße gehört. Das Stichwort Licht passt hervorragend zur Forschung des Chemikers. Gestern hat er im Roten Rathaus aus den Händen des Regierenden dafür den Berliner Wissenschaftspreis 2015 in Empfang genommen: 40 000 Euro für die von ihm geleitete Abteilung für Experimentelle Biophysik. Lesen Sie hier ein ausführliches Porträt von Peter Hegemann.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres, die sich im Anschluss an den Festakt sein Labor zeigen ließ,  lobte ihn als „Begründer der Optogenetik“. Hegemann interessiert sich zum Beispiel für Eiweißmoleküle, die in der Hülle von Zellen sitzen und augenlosen Lebewesen wie der einzelligen Alge Chlamydomas helfen, Licht wahrzunehmen und sich daran angepasst im Wasser zu positionieren. 

Das Phänomen beschäftigt Biologen schon seit mehr als 100 Jahren. Erst Hegemann und seiner Arbeitsgruppe gelang es jedoch, es auf der molekularen Ebene zu entschlüsseln. Heute können sie gezielt bestimmte Erbinformationen in Modellorganismen spritzen und Zellen dazu bringen, auf verschiedenfarbiges Licht zu reagieren. Zum Beispiel Nervenzellen des Gehirns. Ganz fern am Horizont gibt es die Hoffnung, dass die Optogenetik bei der Behandlung von Blindheit oder Bewegungsstörungen helfen kann. Schon jetzt hilft sie, Licht in neuronale Schaltkreise im Gehirn zu bringen. „Im Grunde ist es dort dunkel“, sagt Preisträger Hegemann.

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