Berliner Universitäten : "Die Grenzen der Leistungssteigerung sind erreicht"

Exzellent, aber arm: Die Berliner Universitäten klagen über eine zu geringe Grundfinanzierung durch das Land. Der Senat spricht immerhin, Vorhaben aus der Exzellenzinitiative auch nach 2017 weiter zu fördern.

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Prachtstück in Leichtbauweise. Die Philologische Bibliothek der Freien Universität.
Prachtstück in Leichtbauweise. Die Philologische Bibliothek der Freien Universität.Foto: dpa

Die Berliner Universitäten haben in den vergangenen Jahren Spitzenleistungen erbracht. Die Freie Universität hat in der Exzellenzinitiative den Eliterang erreicht, die Humboldt-Universität hat gute Chancen, in der neuen Runde erfolgreicher als bisher abzuschneiden. Die Technische Universität hat gerade einen Rekord bei der Einwerbung von Drittmitteln in Höhe von 155 Millionen Euro erzielt.

Diese Aufwärtsentwicklung könne nicht unbegrenzt weiterlaufen, sagte der Präsident der Freien Universität, Peter André Alt, am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion in der FU. „Wir haben die Grenzen der Steigerung erreicht.“ Ähnlich äußerte sich der künftige Vizepräsident der TU für die Lehre, Hans-Ulrich Heiß. Die TU könne eine weitere Steigerung wegen der Defizite in der Grundausstattung nicht mehr verkraften. Die Grundfinanzierung der Hochschulen müsse deutlich erhöht werden, forderte denn auch Karin Donhauser von der HU. Bund und Länder sollten den Unis jährlich eine fünfprozentige Etatsteigerung zubilligen, wie es für die außeruniversitären Organisationen bereits üblich ist. Das Kooperationsverbot für den Bund im Bildungsbereich müsse abgeschafft werden, damit der Bund wieder direkt in die Hochschulen investieren kann.

Staatssekretär Knut Nevermann.
Staatssekretär Knut Nevermann.Foto: Promo

Auch Staatssekretär Knut Nevermann plädierte für die Aufhebung des Kooperationsverbots. Er warnte aber vor Illusionen: Wenn danach mehr Bundesgeld in die Bildung fließe, könnte das vorwiegend den Schulen zugute kommen – und nicht den Hochschulen. Nevermann versuchte, die besorgten Berliner Unimanager zu beruhigen. Für den neuen Berliner Senat habe Bildung einschließlich der Hochschulen Priorität. Die Hochschulverträge sollten fortgeschrieben werden, um Unis und FHs weiterhin Planungssicherheit zu geben. Nach 2017, wenn der Exzellenzwettbewerb ausläuft, wolle der Senat zudem einen Großteil der Exzellenzprojekte weiterfinanzieren. Mit dieser Aufgabe werde die Einsteinstiftung betraut. Um die Vorhaben in der Medizin nach 2017 weiterzuführen, solle die geplante stärkere Kooperation zwischen der Charité und dem Max-Delbrück-Centrum der Helmholtz-Gemeinschaft vorangetrieben werden.

Als unbefriedigend sehen alle Beteiligten die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses an. Nevermann kritisierte die vielen prekären Stellen, die aus Drittmitteln finanziert werden und bei deren Auslaufen wegfallen. Wenn 70 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter weniger als zwei Jahre beschäftigt würden, „dann ist das eine Sauerei“. FU-Präsident Alt hält eine Vertragslaufzeit von unter drei Jahren für unzumutbar. Angesichts der Haushaltssituation sei es jedoch sehr schwer, Juniorprofessoren eine Perspektive auf eine Dauerstelle zu garantieren.

TU-Vize Heiß erläuterte die Zwangslage, in der sich seine Universität sieht: Man müsse sich überlegen, ob eine Dauerprofessur für 30 Jahre oder für dasselbe Geld sechs Fünf-Jahres-Stellen geschaffen werden.

Am Ende gab es ein Versprechen: Nach besseren Chancen für den Nachwuchs wolle man nun gemeinsam weiter nachdenken.

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