Berliner Wissenschaft : „Die Größe der Charité erhalten“

Charité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl will das Universitätsklinikum trotz der derzeitigen finanziellen Schwierigkeiten in seinem heutigen Umfang erhalten – und auf lange Sicht womöglich sogar expandieren. Ein neuer Computer-Tomograph wurde jetzt in Buch eingeweiht.

Tilmann Warnecke,Kai Kupferschmidt

Charité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl will das Universitätsklinikum trotz der derzeitigen finanziellen Schwierigkeiten in seinem heutigen Umfang erhalten – und auf lange Sicht womöglich sogar expandieren. „Die Größe der Charité muss erhalten bleiben“, sagte Einhäupl am Montagabend auf dem Neujahrsempfang des Klinikums vor mehreren hundert Gästen. Nur so könne die Unimedizin von Freier und Humboldt-Universität international sichtbar bleiben und im Wettbewerb mit ausländischen Unikliniken um Spitzenforscher bestehen. Für diese Strategie habe sich der Vorstand nach langen Diskussionen entschieden. Es habe die Alternative gegeben, dass die Charité „kleiner wird und sich auf bestimmte Bereiche konzentriert.“ Dieses Szenario habe man verworfen. Die Charité ist schon heute das größte Uniklinikum Europas.

Einhäupl bekannte sich zu den Campi des Klinikums. Es sei ein Vorteil für die Charité, mehrere große Standorte zu haben. Nur so könne die „kritische Masse selbst in Subbereichen“ erreicht werden, die für den internationalen Wettbewerb notwendig sei. Die Zahl der Studierenden solle gehalten oder sogar gesteigert werden. Als größtes Problem für die Charité bezeichnete Einhäupl die „veraltete Infrastruktur“. Anders als oft behauptet verursache nicht die Krankenversorgung, sondern kostspielige alte Bauten den größten Teil des Defizits. 2008 soll das Minus etwa 57 Millionen Euro betragen, hieß es zuletzt. Einhäupl warnte gleichwohl davor, „leichtfertig möglichst schnell Flächen zu reduzieren“. Mittelfristig werde man dann nicht expandieren können.

Beim Senat wolle er darum kämpfen, dass Berlin die Zuschüsse für die Charité erhöht. Es sei erwiesen, dass medizinische Fakultäten umso erfolgreicher Drittmittel einwerben, je höher die Landeszuschüsse sind. Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner deutete an, er könne sich unter bestimmten Umständen vorstellen, mehr Landesmittel für die Charité auszugeben. Voraussetzung sei eine „effektive Krankenversorgung“. Er teile die Auffassung des Vorstandes über die strategische Ausrichtung: „Die Größe der Charité ist keine Belastung, sondern eine Chance.“ Einen Campus zu streichen, wäre schon politisch nicht durchzusetzen. Mehrere Standorte machten aber nur Sinn, wenn unter ihnen die Aufgaben aufgeteilt würden. Zusätzliche Kooperationen – etwa mit dem Klinikkonzern Vivantes – dürften für die Charité „nicht des Teufels sein.“

Zu Beginn des Empfangs hatte Zöllner den im Sommer abgelösten Ex-Vorstandsvorsitzenden Detlev Ganten sehr herzlich umarmt – doch in seiner Rede kritisierte der Senator Ganten. Der alte Vorstand habe zwar erfolgreich agiert, aber der Erfolg sei „noch nicht nachhaltig genug“ gewesen. Visionen allein reichten nicht. Vielmehr müsse man sie „im Detail“ umsetzen. Der neue Vorstand um Einhäupl sei jetzt „personell optimal aufgestellt“.

Wie geht es derweil weiter mit dem Campus Buch, wo die Charité die enge Kooperation mit dem Klinikkonzern Helios aufgelöst hat? Einhäupl sagte, Buch solle als Forschungsstandort „ausgebaut“ werden. Die Zusammenarbeit mit dem Max-Delbrück-Centrum (MDC) solle „viel intensiver“ als bisher sein. Als erstes Zeichen wurde dort am Dienstag ein neues Forschungsgebäude eingeweiht, in dem Forscher von Charité und MDC in Zukunft an zwei Hightech-Tomographen hoch aufgelöste Bilder aus dem Körperinneren erstellen wollen. Die Anlage ist Teil des Experimental and Clinical Research Center (ECRC), das MDC und die Charité gemeinsam errichten.

Der neue Tomograph erzeugt ein magnetisches Feld von 7 Tesla. In Kliniken werden Geräte mit 1,5 oder 3 Tesla verwendet. Die höhere Feldstärke soll nun noch bessere Bilder aus dem Körperinneren ermöglichen. Die Forscher hoffen, so früher Diagnosen erstellen zu können.

Bisher werden 7-Tesla-Geräte fast ausschließlich für neurologische Forschung verwendet. Am MDC soll ausdrücklich auch versucht werden, das Verfahren auf das Herz auszuweiten. „Da gibt es bisher nur ganz rudimentäre Vorbilder“, sagt Kardiologin Jeanette Schulz-Menger. Klares Ziel sei es, krankhafte Prozesse am Herzen schon viel früher zu erkennen und so neue Therapien zu ermöglichen.

Weltweit sind bisher nur drei Geräte im Betrieb, die technisch auf demselben Stand sind wie die neuen Tomographen in Buch. Zur Eröffnung des Baus, der die Geräte berherbergt, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan, die Magneten sollten auch als Magnet auf Spitzenwissenschaftler wirken.

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