Berliner Wissenschaft : Nachhilfe für Professoren

Berliner Zentrum für Hochschullehre eröffnet

Amory Burchard

Chaotische Seminare, Vorlesungen vom Blatt, Präsentationen im Schnelldurchlauf – die Lehre an den Hochschulen liegt im Argen. In Berlin soll die Situation jetzt besser werden: Ein neugegründetes Zentrum für Hochschullehre macht Dozenten ab Februar maßgeschneiderte Weiterbildungsangebote. Geplant seien unter anderem Kurse zur Seminarvorbereitung, zur Vorbereitung von Prüfungen oder etwa ein Motivationstraining, sagte Geschäftsführerin Sabine Brendel am Donnerstag bei der Vorstellung des Zentrums. Es ist an der Technischen Universität angesiedelt und für alle vier Berliner Unis, sieben Fachhochschulen und drei künstlerischen Hochschulen zuständig. Die Kurse werden zentral an der TU und dezentral an den Hochschulen angeboten.

Verpflichtend sind die hochschuldidaktischen Module bislang allerdings nur für neuberufene Professoren an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW). Die Universitäten wollten auf Freiwilligkeit setzen, sagte Wissenschaftsstaatssekretär Hans-Gerhard Husung. Eine Verpflichtung zur Weiterbildung in der Lehre hätte aus Sicht der Unis einen Imageschaden verursacht. Husung erwartet jedoch, dass vor allem Juniorprofessoren sehr interessiert sein werden, sich in der Lehre zu qualifizieren. Denn dies sei ein wichtiger Baustein für ihre künftige Karriere. Die neuen W2-Professoren mit Schwerpunkt Lehre, die die Berliner Unis jetzt beantragen können, sollten eine Selbstverpflichtung zum Didaktiktraining eingehen.

Ein Pilotprojekt der FHTW zeigt, dass systematische Weiterbildung Schule machen kann: Alle 16 in den vergangenen zehn Monaten berufenen Professoren, die zumeist direkt aus der Praxis an die FH kommen, sind seit Semesterbeginn verpflichtet, ein Jahr lang sechs Stunden pro Woche an Didaktikkursen teilzunehmen. Statt 18 Wochenstunden müssen sie während dieser Zeit nur zwölf Stunden unterrichten. Schon jetzt drängten auch erfahrene Professoren in die Kurse – freiwillig, sagte FHTW-Präsident Michael Heine.

Finanziert wird das Zentrum für Hochschullehre aus dem Berliner Masterplan „Wissen schafft Berlins Zukunft“. Es erhält zunächst bis 2011 jährlich 500 000 Euro, die Vertretungsstunden für die FH-Professoren werden zusätzlich aus der mit insgesamt 58 Millionen Euro ausgestatteten „Ausbildungsoffensive“ des Masterplans bezahlt.

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