Beruf : Kontakt zum Team halten

Auch Chef sein kann man lernen. In Krisenzeiten sollten Führungskräfte das Gespräch suchen – und zuhören.

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Rede mit uns! Aber bitte nicht von oben herab. Gerade in schlechten Zeiten wünschen sich Mitarbeiter einen Vorgesetzten, der sie...Foto: moodboard/vario images

Seit die Folgen der Finanzkrise in Deutschland spürbar sind, geizen viele Vorgesetzte nicht nur mit finanziellen Ausgaben. Sondern auch mit Worten. „Mein Chef beschränkt sich bei der Konversation nur noch auf das Notwendigste“, sagt zum Beispiel der Mitarbeiter eines kleinen Berliner Unternehmens.

Dabei wünschten er und seine Kollegen sich vor allem eines: Informationen darüber, wie es weitergeht und wie die Firma mit der neuen Situation umgehen möchte. Dass Vorgesetzte den Kopf in den Sand stecken und lieber überhaupt nicht mehr kommunizieren als über die unsichere Situation ihres Unternehmens, ist eine schlechte Strategie.

Denn Chefs auf Tauchstation verlieren nach und nach den Draht zu ihren Mitarbeitern. Die Finanzkrise macht so auch Defizite sichtbar, die der Soziologieprofessor Holger Rust von der Universität Hannover schon seit Jahren beobachtet: Für eine Untersuchung hat Rust 1300 Berufsanfänger und Studenten befragt, die eine Führungsposition anstreben. Die Befragten stellten wiederum ihren Vorgesetzten ein schlechtes Zeugnis aus – weil diese zu wenig kooperativ seien, zu wenig Mut machten und selten dazu bereit seien, ihren Mitarbeitern zuzuhören. Aber genau das macht einen vorbildlichen Chef aus, in guten wie in Krisenzeiten.

Experten vergleichen den richtigen Umgang zwischen Chef und Mitarbeitern gerne mit Fußballmannschaften, deren Trainer entlassen wird, wenn seine Jungs schlecht spielen. Deshalb muss er den Kontakt zum Team halten, die Spieler motivieren und ihnen eine Antwort geben auf die Frage, wie es weitergeht. Auch, wenn der Abstieg bevorsteht. Für Motivation am Arbeitsplatz können regelmäßige Mitarbeitergespräche sorgen – in denen Vorgesetzte auch mit unangenehmen Zukunftsfragen souverän umgehen sollten. „Grundsätzlich kann eine reifere Führungskraft, die selbst schon private Krisen durchlebt hat, besser mit einer beruflichen Krisensituation umgehen“, sagt Klemens Lange, der seit sechs Jahren als Coach in Berlin arbeitet. Eine reife Persönlichkeit wisse einfach besser, was sie noch aufrecht halte, wenn alles andere wegbricht.

Vorgesetzte sollten sich auf jeden Fall darüber klar sein, wie sie in Krisensituationen reagieren und wie sie grundsätzlich mit Situationen umgehen, die sich unerwartet und überraschend einstellen. „Man sollte wissen, wie man funktioniert, damit man handlungsfähig bleibt“, sagt Lange. Ein Chef müsse sagen, wie es um das Unternehmen steht. „Das ist eine Zumutung für alle, aber diese Spannung sollte ein Vorgesetzter aushalten können“, sagt der Coach.

Grundsätzlich sollte ein guter Chef zwei Dinge können: Orientierung geben und selbst Orientierung finden. Dazu sei es wichtig, sich mit den Mitarbeitern auszutauschen und auch von deren häufig langjährigen Erfahrungen zu lernen. „Das Dilemma vieler Führungskräfte ist ja, dass sie von Anfang an alles können sollen“, sagt Coach Klemens Lange. Während jedem gewöhnlichen Mitarbeiter eine Einarbeitungszeit zugestanden werde.

In den vergangenen Jahren hätten einige Mentoring-Programme aber auch versucht, jungen Führungskräften eine Lehrzeit zuzugestehen. In jedem Fall sei es wichtig, dass die Vorgesetzten sich der Stärken ihrer Mitarbeiter bewusst sind. „Ein Chef kann mit seinen Mitarbeitern nicht mehr umgehen wie vor hundert Jahren“, sagt Lange. Denn das Team sei meist intelligent und hervorragend ausgebildet und sollte in die vertrauensvolle Kommunikation mit eingebunden werden. Also auch in jene Prozesse, bei denen es nicht optimal läuft.

Im Umgang mit den Mitarbeitern müsse der Chef einen Balanceakt hinbekommen – sich nicht klein machen, aber aufmerksam sein und die Erfahrungen der Mitarbeiter nutzen. Vielleicht auch Erfahrungen mit einer ausgemachten Krise. Den Kopf aus dem Sand ziehen sollten Chefs aber nicht nur, wenn es um die interne Kommunikation geht, sondern auch in der Außendarstellung des Unternehmens. Kommunikationsprofis empfehlen auch hier, die Lage offen und ehrlich beim Namen zu nennen.

Wer auf dem Weg dorthin Unterstützung sucht, kann sich zum Beispiel an einen Coach wenden und zusammen mit ihm eine Strategie zum „besseren Führen“ erarbeiten. Adressen von qualifizierten Trainern findet man unter anderem in den Datenbanken großer Berufsverbände, wie dem Deutschen Bundesverband Coaching (DBVC, www.dbvc.de) oder dem Deutschen Coaching Verband (DCV, www.coachingverband.org).

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