• Beschwerde von Doktorandinnen der TU Berlin: Unzumutbare Zustände bei Exkursion in Südamerika?

Beschwerde von Doktorandinnen der TU Berlin : Unzumutbare Zustände bei Exkursion in Südamerika?

Streit um eine Exkursion nach Südamerika: Doktorandinnen der TU Berlin beklagen Hygienemängel, Druck bei der Feldforschung und Mobbing - und fordern Schmerzensgeld.

Veronika Völlinger
Eine Frau mit Bauhelm auf dem Kopf sitzt am Rand eines Waldes und macht Notizen in einem Heft.
Die Doktorandinnen fühlten sich unzumutbaren Arbeitsbedingen ausgesetzt. Das Bild zeigt eine der Betroffenen bei der Feldforschung...Foto: privat

Es klingt wie ein ideales Projekt für Nachwuchsforscher: Ein internationales Team junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin erkundet, wie sich die Ökosysteme in landwirtschaftlich stark genutzten Grasländern in Uruguay verändern. Dafür haben sie zwei Millionen Euro Fördermittel vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Verfügung – unter anderem für aufwendige Exkursionen.

Doch seit mehreren Monaten steht in dem TU-Projekt nicht mehr nur die Forschung im Vordergrund. Drei Doktorandinnen erheben schwere Vorwürfe. Sie beklagen schlechte Arbeitsbedingungen bei der Feldforschung sowie Ausgrenzung und Mobbing durch ihre Projektleiterin in Berlin.

Sie klagen auch auf Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz

Ihre Beschwerden seien von Anfang an zurückgewiesen und dann gegen sie gewendet worden, sagt die ecuadorianische Biologin Maria Tobar. Nun verklagen die Nachwuchswissenschaftlerinnen die TU auf insgesamt 10 000 Euro Schmerzensgeld und die Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz. Die TU und die Projektleiterin wollen sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern.

Kaputte Betten, verdreckte Matratzen und Bäder beklagt

Tobar ist seit Februar 2015 in Berlin. Sie und zwei andere südamerikanische Nachwuchsforscherinnen hatten sich erfolgreich auf eine Promotionsstelle im Projekt beworben. Im Dezember vergangenen Jahres reisten die drei Wissenschaftlerinnen für die erste Feldforschung nach Uruguay. Dort hätten sich schnell die Probleme gehäuft, sagt Tobar. Schon die Unterbringung des Teams sei unzumutbar gewesen: kaputte Betten, mit unappetitlichen Flecken übersäte Matratzen, verdreckte Toiletten, ebenfalls kaum benutzbare Duschen.

E-Mails, in denen die Doktorandinnen um Hilfe baten, habe die in Berlin gebliebene Projektleiterin nicht beantwortet. Stattdessen habe ein von ihr beauftragter Mitarbeiter, der mit dem Team vor Ort war, begonnen, sie zu kontrollieren. „Er machte Druck, dass wir die Zeitpläne einhalten und die wissenschaftliche Arbeit abkürzen“, sagt Tobar. Der Mitarbeiter habe bestimmt, wie lange sie an einem Ort blieben. Teilweise hätten sie zehn Stunden pro Tag arbeiten müssen. Wenn sie die Vorgaben nicht einhielten, könnten sie ihren Job verlieren, habe er gedroht.

Normale Bedingungen bei Exkursionen? Nein, sagen die Betroffenen

Sind das womöglich weitgehend normale Bedingungen der Feldforschung in einem Schwellenland? Andere aus dem Team haben schließlich durchgehalten und arbeiten bis heute weiter. Nach Angaben der TU sind derzeit noch drei Teams mit insgesamt 15 Wissenschaftlern im Feld, gemischte Gruppen mit Forschern aus Uruguay und aus Berlin. Tobar und ihre beiden Kolleginnen aber betonen, die Unterbringung sei mit ihren bisherigen Erfahrungen auf Exkursionen nicht vergleichbar gewesen. „Natürlich hat man keine luxuriösen Unterkünfte bei der Feldforschung, aber ich war auch schon einen Monat im Dschungel in Ecuador im Einsatz und dort war es besser“, sagt Tobar.

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