Bienensterben : Ein gestörtes Eiweiß schwächt die Bienen

Wissenschaftler kommen der Ursache für das Bienensterben auf die Spur: Ein gestörtes Eiweiß macht die Insekten anfällig für Krankheiten und Umwelteinflüsse

Dagny Lüdemann

Die Bienen sterben! Diese alarmierende Nachricht ist seit knapp zehn Jahren immer wieder zu lesen – meist kommen die Meldungen vom mysteriösen Massentod der Insekten aus den USA. Auch in Europa gab es in einigen der vergangenen Jahre deutlich weniger Honigbienen – mit Folgen für die Umwelt, aber auch für die Agrarwirtschaft. In diesem Sommer haben Wissenschaftler in Deutschland allerdings keinen dramatischen Rückgang beobachtet.

Gründe für das Bienensterben – in den USA als "Colony Collapse Disorder", kurz CCD bekannt – wurden schon viele diskutiert. Fest stand bisher nur, dass keine Ursache allein als Erklärung für das Massensterben herhalten kann. Einige Imker glaubten, bestimmte Pestizide würden die Nutztiere vergiften. Auch unterschiedliche Viren, Pilze und Bakterien gerieten unter Verdacht. Zuletzt galt die Varroa-Milbe – ein Parasit, der auch in Europa regelmäßig Bienenvölker befällt – als Bienenmeuchler.

Jetzt haben US-Genetiker eine Erklärung gefunden, die mehrere der bisherigen Theorien vereint. Das Team um May Berenbaum und Reed M. Johnson von der Universität Illinois in Urbana und Champaign untersuchte die Genexpression im Darm vom Honigbienen, also die Art und Weise, wie das auf den Genen gespeicherte Erbmaterial abgelesen und daraus Eiweiße gebildet werden.

Vor allem im Verdauungstrakt der Insekten spielen sich die Prozesse ab, die für die Immunabwehr oder die Widerstandsfähigkeit gegen Pestizide entscheidend sind. Dabei fanden sie heraus: Eine Störung während dieser Proteinbiosynthese macht die Bienen offenbar anfällig für Krankheiten und Umwelteinflüsse.

Die US-Forscher verglichen nun gesunde mit kranken Bienen und fanden im Verdauungstrakt der Tiere aus den geschädigten Kolonien besonders viele Bruchstücke ribosomaler RNS (Ribonukleinsäure). Diese Bausteine sind entscheidend für die Umsetzung der genetischen Information in Eiweiße.

Wie die Wissenschaftler im Fachblatt PNAS der US-Akademie der Wissenschaften berichten, zeugen diese RNS-Schnipsel von einer Virusinfektion. Denn die Erreger greifen zuallererst das Immunsystem ihrer Opfer an, um dieses zu ihren Gunsten zu nutzen. Sie schalten sich in die körpereigene Eiweißproduktion der Biene ein und programmieren diese so, dass sich weitere Erreger bilden können.

Einen direkten Zusammenhang zwischen der gestörten Eiweiß-Synthese und dem Tod der Insekten konnten allerdings auch die Forscher aus Illinois nicht erbringen. Das Rätsel um das Bienensterben ist also mitnichten vollständig gelöst.

Quelle: ZEIT ONLINE

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