Bildung : Akademie für Lehre vor dem Aus

Eine "Akademie für Lehre" hatte Bundesbildungsministerin Schavan Studierenden nach dem Bildungsstreik im vergangenen Jahr versprochen. Jetzt steht das Projekt vor dem Aus, selbst ein sehr viel kleiner dimensioniertes "Forum für Lehre" stellt der Bund infrage.

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Die Akademie solle eine Art Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Lehre werden, hatte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bei der „nationalen Bolognakonferenz“ im Mai 2010 erklärt. Professoren könnten Maßnahmen zur Verbesserung der Lehre beantragen, auch für Personal und didaktische Weiterbildung gebe es Geld. Verteilen sollte die Akademie bis 2020 jährlich 200 Millionen Euro aus dem „Qualitätspakt für Lehre“. Davon ist nicht mehr die Rede, aus der Akademie-Idee sind bisher nicht realisierte Pläne für ein „Forum für Lehre“ geworden: Auf Zeit freigestellte Professoren sollen Forschung zur Verbesserung der Lehre betreiben – nicht in einem eigenen Akademiegebäude, sondern in einem losen Verbund. Als Organisatorin steht die Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) bereit.

Das Geld aus dem Qualitätspakt wird jedoch längst über das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt als Projektträger des Bundesbildungsministeriums (BMBF) verteilt. Bis zum Antragsschluss Anfang März hatten sich 194 Hochschulen mit 204 Projekten beworben.

Jetzt stellt das BMBF die Gründung des Forums für Lehre infrage: Viele der im Wettbewerb beantragten Vorhaben seien den Aufgaben des Forums sehr ähnlich, heißt es auf Anfrage aus dem BMBF. Zudem wolle auch der Stifterverband Lehrforschung fördern. Doppelstrukturen sollten vermieden werden, dies werde jetzt im BMBF geprüft. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern habe deshalb Anfang der Woche eine Entscheidung über das Forum verschoben.

Sollte die Akademie nicht eingerichtet werden, vernichte Schavan „das letzte konkrete Ergebnis“ der Bolognakonferenz, erklärte Jakob Lohmann vom Vorstand der Juso-Hochschulgruppen am Donnerstag. An den Unis herrschten noch immer veraltete Lehr- und Lernkonzepte vor, gebraucht werde mehr hochschuldidaktische Forschung und Weiterbildung mit einer entsprechenden Finanzierung auch aus Bundesmitteln.

HRK-Generalsekretär Thomas Kathöfer zeigte sich überrascht von den Überlegungen im BMBF: „Wir gehen weiterhin davon aus, dass das Forum eingerichtet wird.“ Kai Gehring, Hochschulexperte der Grünen, kritisiert das Konzept des Forums: „Bei der Schrumpfkur zum Fellowship-Programm ist Schavan der ursprüngliche Sinn des Programms völlig aus dem Blick geraten.“

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