Wissen : Bildung – der Austausch von Ideen Hochschulkongress der Berliner Grünen

Sebastian Litta

Vor mehr als 40 Jahren fegte eine Bildungsrevolution den Muff aus den deutschen Universitäten. Wie aber könnte eine neue Bildungsrevolution aussehen? Mit diesem Thema beschäftigte sich der Kongress „Talk about Revolution: Hochschule neu denken“, zu dem die Berliner Grünen am Wochenende ins Abgeordnetenhaus geladen.

Anja Schillhaneck, wissenschaftspolitische Sprecherin der Berliner Bündnis 90/Die Grünen-Fraktion, sagte zu Beginn, dass die Grünen von den angereisten Experten lernen möchten. Sie fügte hinzu: „Wer konkret wird, macht sich angreifbar, aber das wollen wir!“

Beim Auftaktpanel ging es um die Aufgaben der Hochschule der Zukunft. Erster Punkt der Hochschulforscherin Aylâ Neusel war dabei eine weitere Öffnung der Hochschulen, ihr letzter die Forderung nach mehr Transkulturalität. Ulrich Teichler, Grandseigneur der deutschen Hochschulforscher, plädierte für eine horizontale Vielfalt der Hochschulen und für ein breites Bildungsverständnis: Ziel des Studiums sei es nicht, „Expertokraten und Besserwisser“ zu schaffen. Neusel nannte an dieser Stelle Lüneburg als Beispiel für eine erfolgreiche Profilbildung. Anja Schillhaneck regte eine Neudefinition von Internationalisierung an. Statt diese nur im Anteil ausländischer Passinhaber unter den Studierenden oder in der Anzahl zurückgelegter Mobilitätsmeilen zu messen, sollte der Austausch von Ideen im Mittelpunkt stehen.

Es wird nicht einfach für die Grünen sein, aus der Menge der diskutierten Detailfragen ein politisches Programm zu destillieren. Nicht zuletzt deshalb, weil sich viele Teilnehmer heftig widersprachen und wichtige Grundfragen nicht geklärt sind. So forderte Jaqueline Klimesch von Campusgrün, dass sich die Wirtschaft endlich an der Finanzierung von Masterprogrammen beteiligen solle. Erik Marquardt vom AStA der TU Berlin plädierte dagegen für eine ausschließlich öffentliche Finanzierung. Auch bei Lehrprofessuren, Bundesfinanzierung und Nachwuchsförderung herrschte wenig Einigkeit bei der konkreten Ausgestaltung. Es wurde viel gefordert, vor allem mehr Geld. Schillhaneck beschloss die kurze Revolution daher mit den Worten, dass aus Ideen nun umsetzbare Vorschläge werden müssen. Sebastian Litta

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