Bildung : Europas Uni schrumpft

Das EIT wird kleiner als ursprünglich geplant. Und doch soll es die Antwort auf das renommierte amerikanische MIT (Massachusetts Institute of Technology) werden.

Adelheid Müller-Lissner

Bei der Sitzung des Wettbewerbsrats der EU in Luxemburg soll heute die Entscheidung für das konkrete Konzept des European Institute of Technology (EIT) fallen. „Es ist der Wunsch der Kanzlerin Angela Merkel, dass das European Institute of Technology während der deutschen Ratspräsidentschaft einen deutlichen Schritt nach vorne macht“, sagte am Freitag Frieder Meyer-Kramer, Staatssekretär im Forschungsministerium.

Vorbild des EIT, das von Anfang an als eine der Lieblingsideen José Manuel Barrosos galt, ist das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA. Mit ihrem Institut will die EU nach den Worten Meyer-Kramers dem „europäischen Paradoxon“ im Technologiebereich zu Leibe rücken: „Eigentlich sind wir auf diesem Feld sehr produktiv, aber im wirtschaftlichen Geschehen kommt das nicht ausreichend an.“ Das EIT, in dem innovative Anwendungen neuer Technologien nicht nachrangig behandelt, sondern in einem „Wissensdreieck“ gleichzeitig mit Ausbildung und Forschung vorangetrieben werden sollen, soll das ändern.

Die europäische Antwort auf das MIT

Doch gegenüber den ursprünglichen Plänen gibt es inzwischen deutliche Änderungen. Wie Meyer-Kramer berichtete, sind als Gesamtbudget jetzt nur noch bis zu 308 Milionen Euro vorgesehen. Zu Beginn waren es 2,4 Milliarden. „Es wird eine kleinere, schlankere Struktur geben.“ Baulich neu entstehen wird dafür allenfalls das Hauptquartier, dessen Standort innerhalb des nächsten Jahres noch gefunden werden muss. Ansonsten wird das Dach des Instituts virtuell sein, der eigentliche „Bau“ besteht aus „Knowledge Communities“, zu denen sich EU-weit jeweils Universitäten, Forschungsinstitute und Unternehmen zusammenschließen. Für eine wirklich gute Community brauche man in der Wissenschaft heute keine räumliche Nähe mehr, sondern flexible Strukturen, erläuterte Meyer-Kramer. „Der ursprüngliche Plan, auf der grünen Wiese eine EU-Universität zu gründen, war verwegen und passt nicht in die Forschungslandschaft des 21. Jahrhunderts.“ Auch akademische Grade werden nicht vom EIT, sondern von den einzelnen Unis vergeben werden. Insgesamt wolle man das amerikanische MIT nicht imitieren. „Indem es die besten Kräfte bündelt, soll das EIT jedoch die europäische Antwort darauf werden.“

Kritik an den EIT-Plänen kommt von den Grünen. „Statt kurzfristig und überhastet Mittel in ein vermeintlich prestigeträchtiges – aber wenig durchdachtes – Großprojekt mit zweifelhaftem Nutzen zu investieren“, so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christa Sager, solle man die vorhandenen Instrumente nutzen, etwa den Europäischen Forschungsrat und die Möglichkeit zur Förderung gemeinsamer Technologieplattformen.

Merkel favorisiert Themen wie Klima und Energie

Neu am EIT sei die Förderung langfristiger Projekte, die dennoch nach etwa 15 Jahren beendet werden könnten, sagt dagegen Meyer-Kramer. Ein Verwaltungsrat, für den eine Findungskommission bald Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft vorschlagen soll, soll darüber entscheiden, mit welchen Themen sich die ersten Knowledge Communities beschäftigen werden. Zunächst ist daran gedacht, zwei bis drei solcher Zusammenschlüsse zu bilden.

Auch in diesem Punkt ist der Wunsch der Kanzlerin ein offenes Geheimnis: Während einige Mitgliedstaaten zunächst gern Knowledge Communities zu Medizin- und Kommunikationstechnologien bilden wollen, favorisiert sie wie Barroso die Themen Klima und Energie.

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