Bildung : Mit Stipendien junge Migranten anspornen

Das „Start“-Programm hilft Schülern, Vorbilder zu werden – manchmal verändert das das Leben

Dorothee Nolte

Thai und Ümmühan gehen auf jeden Fall ihren Weg. Der Sohn vietnamesischer Einwanderer hat bereits mehrere schulische Wissenschaftswettbewerbe gewonnen, und die junge Deutschtürkin sprüht vor Unternehmergeist: Sie hat es geschafft, neben der Schule einen Businessplan zu entwickeln und eine Simit-Snackbar in Kassel zu eröffnen. Dort verkauft die 18-Jährige Sesamkringel und hat nebenbei auch noch ihren vorher arbeitslosen Vater in Lohn und Brot gebracht.

Vielleicht brauchen Thai und Ümmühan gar keine besondere Hilfe, um in Deutschland erfolgreich zu sein – aber wenn sie Unterstützung und Anerkennung bekommen, beflügelt es sie und hilft ihnen, zu Vorbildern auch für andere junge Migranten zu werden. Die beiden sind zwei von bundesweit 570 Schüler-Stipendiaten der Start-Stiftung: Sie erhalten 100 Euro monatlich für Lernmaterialien, Kurse und Kulturausgaben, sie haben eine komplette PC-Ausstattung mit Internet-Anschluss bekommen und können bei Bedarf weitere Summen für Studienfahrten, Praktika und Ähnliches beantragen. Hinzu kommt eine ideelle Förderung: Sie werden von einem Betreuer individuell unterstützt und regelmäßig zu Seminaren eingeladen.

Dort treffen Thai und Ümmühan auf andere Stipendiaten, deren Weg nicht so glatt verlaufen ist: Auf Joas zum Beispiel, der als Kind von seiner Mutter in Brasilien zurückgelassen wurde und dann, als sie ihn nach Berlin geholt hatte, vor dem gewalttätigen Klima in der Familie in Drogen und ins Jugendheim flüchtete. Heute hat er sich gefangen, möchte Touristik studieren und betreut nebenbei autistische Kinder.

Die Journalistin Ruth-Esther Geiger hat in einem Buch „Ihr seid Deutschland, wir auch“ (Suhrkamp Verlag, 8,50 Euro) 15 Start-Stipendiaten porträtiert: junge Menschen, deren Engagement und Begabung dringend gebraucht werden.

Voraussetzung dafür, ein Start-Stipendium zu erhalten, sind nicht nur gute Noten, sondern auch gesellschaftliches Engagement. Auch Real-, Haupt- und Berufsschüler können sich bewerben, allerdings sollten sie das Abitur anstreben. Schüler ab der 8. bis zur 11. Klasse können sich bewerben und werden maximal fünf Jahre lang gefördert – danach können sie über das Alumni-Programm Kontakt halten.

Angefangen hat das Start-Projekt 2002 in Frankfurt. In Berlin werden 16 Mädchen und 12 Jungen gefördert. Rund 100 „Partner“ beteiligen sich daran, indem sie die Stipendien entweder finanziell fördern oder aber den Stipendiaten Bildungsangebote machen. In Berlin sind das die „Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft“ , die Goldman Sachs Foundation und der Rotary Club Gendarmenmarkt – weitere Partner werden gesucht.

Die erstaunliche Jungunternehmerin Ümmühan jedenfalls sagt, das Stipendium habe ihr Leben völlig verändert. „Ich wurde dadurch mit einem ganz anderen Deutsch konfrontiert, schriftlich und mündlich“, erzählt sie. „Ich bin dadurch in ein ganz anderes Umfeld gekommen.“

Berliner Schüler mit Migrationshintergrund können sich vom 1. März bis zum 30. April 2009 für eine Förderung ab dem nächsten Schuljahr bewerben. Mehr im Internet unter www.start-stiftung.de

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