Bildung : OECD-Bericht bemängelt deutsches Bildungssystem

Die OECD kommt in ihrem heute vorgestellten Bildungs-Bericht zu einem klaren Ergebnis: In Deutschland mangelt es an Hochqualifizierten und die Bildungsausgaben sind zu gering.

Trotz voller Hörsäle: Deutschland hat im internationalen Vergleich zu wenige Hochschulabsolventen.
Trotz voller Hörsäle: Deutschland hat im internationalen Vergleich zu wenige Hochschulabsolventen.Foto: dpa

Das deutsche Bildungssystem hinkt im internationalen Vergleich an einigen Stellen hinterher. Bei den Bildungsausgaben schwächelt Deutschland ebenso wie bei der Zahl der Hochqualifizierten. Dabei zahlen sich Investitionen in die Bildung hierzulande mehr aus als anderswo. Zu diesen Ergebnissen kommt ein Bericht der OECD, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Das Bundesbildungsministerium sieht Deutschland trotzdem auf einem guten Weg, Gewerkschafter und Oppositionspolitiker beklagen dagegen beschämende Zustände. Die OECD gibt jährlich den Bericht „Bildung auf einen Blick“ heraus, der verschiedene Aspekte des Bildungssystems international vergleicht. Deutschland schneidet dabei an verschiedenen Punkten schlecht ab.

Mit seinem Anteil an Hochqualifizierten etwa ist Deutschland auf einen der untersten Plätze abgerutscht. Bei den Bildungsausgaben liegt Deutschland ebenso hinten: Private und öffentliche Stellen gaben 2008 nur noch 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildungseinrichtungen aus (nach 5,1 Prozent im Jahr 1995). Nur Tschechien und die Slowakei investieren weniger. Betrachtet man allein die öffentlichen Ausgaben, steht Deutschland allerdings besser da: Diese sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Die privaten Ausgaben sind dagegen niedriger - schon allein, weil keine Schulgebühren und kaum Studiengebühren anfallen.

Der OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher bemängelte, gerade die Investitionen in die Grundschule seien zu gering. Dabei sei die Förderung dort besonders wichtig. Auch bei der frühkindlichen Bildung hinke Deutschland hinterher. Bei der Zahl der Menschen mit Abitur oder Berufsausbildung liegt Deutschland etwa im OECD-Mittel, bei der Zahl der Hochschulabsolventen dagegen auf einem der hintersten Plätze. Dabei bringt ein Abschluss der höheren Ausbildung - wie Uni-Abschluss oder Meisterbrief - laut OECD-Bericht viele Vorteile: Hochqualifizierte verdienen deutlich mehr, sind weniger von Arbeitslosigkeit bedroht, zufriedener und engagieren sich öfter ehrenamtlich. In Deutschland kommt ein besonderer wirtschaftlicher Nutzen für den Staat hinzu: Neben den USA gebe es kein anderes Land, in dem die öffentliche Hand so sehr von den eigenen Bildungsausgaben profitiere, sagte Schleicher. Je mehr Hochqualifizierte, desto höher die Steuereinnahmen und geringer die sozialen Transferleistungen.

Bildungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen wertete den Bericht trotz der Beanstandungen als positives Signal. „Deutschland kommt voran auf dem Weg in die Bildungsrepublik“, sagte sie. Der Staat stecke viel Geld in die Bildung. Der Bericht basiere aber im Wesentlichen auf Daten von 2008 und 2009. Die jüngsten Anstrengungen schlügen sich darin deshalb noch nicht nieder. „Wir sind noch nicht am Ziel“, sagte Quennet-Thielen, „aber wir sind auf dem richtigen Weg.“ Auch Koalitionspolitiker sahen sich in ihrem Kurs bestätigt.

Gewerkschaften und Opposition reagierten dagegen mit großer Enttäuschung auf die OECD-Ergebnisse. Die stellvertretende DBG-Vorsitzende Ingrid Sehbrock bezeichnete die geringen Bildungsausgaben als beschämend.
„Deutschland ist weit von einer Bildungsrepublik entfernt“, sagte sie. Die Lehrergewerkschaften GEW und VBE beklagten eine Unterfinanzierung des Bildungssystems und werteten die Resultate als „Armutszeugnis“.

Der SPD-Bildungspolitiker Ernst Dieter Rossmann verlangte eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund und Ländern, um die Bildungsausgaben zu steigern. Grünen-Chef Cem Özdemir beanstandete, während andere Länder konsequent in die Bildung investierten, mangele es „ausgerechnet im Land der Dichter und Denker an Akademikern und qualifizierten Fachkräften“. Die Linke-Bildungspolitikerin Rosemarie Hein nannte es einen „Skandal, dass eines der reichsten Länder dieser Erde ausgerechnet bei der Bildung knausert“. (dapd)

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