Bildung : Weiter Weg zum Zentralabitur

Bildungsministerin Annette Schavan will vor der Einführung eines Zentralabiturs eine Vergleichsstudie. Darin soll geklärt werden, wie groß die Unterschiede zwischen den Abiturprüfungen in den 16 Ländern wirklich sind.

„Ich habe den Ländern angeboten, dass der Bund eine Vergleichsstudie im Fach Deutsch in Auftrag gibt“, sagte Schavan dem Tagesspiegel am Rande einer Tagung der CDU-Kultusminister in Magdeburg. „Wir wollen wissen, welche Unterschiede beim Abitur wirklich bestehen.“ Falls die Länder es wünschten, könne die Studie auch auf die Mathematik ausgeweitet werden.

Kritik an der Studie kommt aus der eigenen Partei. Katherina Reiche, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hält sie für überflüssig. Um die Mobilität der Schüler von Land zu Land und die Akzeptanz des Föderalismus zu verbessern, müssten vielmehr Bildungsstandards auch für die Oberstufe schnell eingeführt werden und in ein bundesweites Zentralabitur münden.

Über das Zentralabitur berieten in Magdeburg Schavan und die Kultusminister der unionsgeführten Länder. „Ich glaube, dass es dazu kommt“, sagte Schavan. Wie genau ein Zentralabitur aussehen könnte – ob bundesweit einheitliche Abiturfragen gestellt werden oder die Länder bei den Fragen aus einem Aufgabenpool wählen können – müsse noch konkretisiert werden. Tatsächlich konnten sich die CDU-Minister nicht auf ein Zentralabitur einigen. In einem gemeinsamen Papier heißt es lediglich, sie wollten sich für gemeinsame Bildungsstandards beim Abitur einsetzen. Diese sollten vom Berliner Institut für die Qualitätssicherung im Bildungswesen nach dem Vorbild der Standards für die vierte, neunte und zehnte Klasse in den Fächern Deutsch und Mathematik sowie für die Fremdsprachen bis zum Schuljahr 2010/2011 erarbeitet werden. Die Minister streben an, in der Oberstufe „länderübergreifende Vergleichsarbeiten“ schreiben zu lassen. Die CDU-Länder wollen den Vorschlag der Kultusministerkonferenz unterbreiten.

Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz sagte, er setze sich weiterhin für ein „länderübergreifendes Abitur“ ein, bei dem die Länder für die Prüfungen aus einem Aufgabenpool schöpfen könnten. Man müsse aber über „mehr als nur über einheitliche Aufgaben“ reden. So sollten etwa auch die Lehrpläne und die Stundenzahlen auf dem Weg zum Abitur angeglichen werden. Vom Tisch sind zunächst die Pläne des sächsischen Kultusministers Steffen Flath. Laut „Süddeutscher Zeitung“ schlug er vor, dass Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern ab 2010/2011 einenTestlauf für ein Zentralabitur starten. Ab 2012/2013 könnten Schüler bundesweit einheitliche Abiturprüfungen ablegen. Das stieß in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern auf wenig Gegenliebe. „Wir sind gegen ein Zentralabitur, bei dem an einem Tag bundesweit einheitliche Aufgaben gestellt werden“, hieß es aus dem bayerischen Kultusministerium. tiw/-ry

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