Bildungsforschung : Nationales Bildungspanel nimmt 100 000 Lebensläufe unter die Lupe

Der Wissenschaftsrat empfiehlt Förderung des Langzeit-Vorhabens auf Dauer als Leibniz-Institut mit Sitz in Bamberg.

Bildungsbiografien von der Geburt bis zum hohen Lebensalter erforschen: Das ist Ziel des „Nationalen Bildungspanels“. Seit 2009 sammeln Wissenschaftler Informationen zu Lebensläufen von über 100 000 Menschen. Jetzt soll das Vorhaben als Institut der Leibniz-Gemeinschaft in die dauerhafte Förderung von Bund und Ländern übernommen werden. Das empfiehlt der Wissenschaftsrat. Das Langzeit-Vorhaben sei „weltweit einzigartig“ und habe sich seit seinem Start „überzeugend“ entwickelt, sagte Wolfgang Marquardt, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, am Montag in Berlin. Für sechs Kohorten – erfasst sind Säuglinge, Kita- und Schulkinder, Studierende und Erwachsene – wird untersucht, wann Kompetenzen erworben werden und welche Einflüsse dabei eine Rolle spielen.

Das Institut soll seinen Sitz in Bamberg erhalten, heißt es. Von der Universität Bamberg sind allein elf Lehrstühle beteiligt, die mit 19 weiteren Unis und Instituten zusammenarbeiten. Veranschlagt sind 20 Millionen Euro pro Jahr. Bisher wurde das Nationale Bildungspanel vom Bund finanziert, die erste Förderperiode läuft Ende 2013 aus. Die Leibniz-Institute werden je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert.

Der Wissenschaftsrat hat zudem die Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel positiv evaluiert. Die Bibliothek solle sich künftig aber stärker auf ihre bibliothekarischen Kernaufgaben wie die Digitalisierung ihrer Bestände konzentrieren. Sie brauche mehr Geld und mehr Personal, der Bund solle über eine Mitfinanzierung nachdenken.

Um das wissenschaftliche Potenzial großer, internationaler Forschungsinfrastrukturvorhaben zu bewerten, hat der Wissenschaftsrat ein Verfahren in der Art wissenschaftlicher Ratings entwickelt. Eine Rolle spielt dabei, wie realistisch die technische Umsetzung und die Bedeutung für den Wissenschaftsstandort Deutschland sind. Die Ergebnisse sollen in die Entscheidung des Bundes einfließen, welches Großvorhaben Deutschland finanziell unterstützt. Von den zunächst neun untersuchten Projekten in den Technik-, Umwelt und Biowissenschaften schnitt nur eines zur Erforschung von Magnetfeldern vergleichsweise schwach ab. (Tsp)

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