Biologie : Bakterien aus der Zeit der Dinosaurier entdeckt

Rund dreißig Meter unter dem Pazifikboden leben Bakterien, die bereits vor 86 Millionen Jahren dort eingesperrt wurden.

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Als Wissenschaftler Proben vom Untergrund des Pazifik holten, entdeckten sie dort extrem langsames Leben. Foto: Rishi Ram Adhikari/Universität Potsdam
Als Wissenschaftler Proben vom Untergrund des Pazifik holten, entdeckten sie dort extrem langsames Leben.Foto: Rishi Ram Adhikari/Universität Potsdam

Von diesem verblüffenden Fund berichten Hans Røy von der Universität im dänischen Aarhus, Jens Kallmeyer von der Universität Potsdam und ihre amerikanischen Kollegen vom Ozeanografischen Institut in Woods Hole (WHOI) in der Fachzeitschrift „Science“. Die Bakterien leben einige tausend Mal gemächlicher als die langsamsten Bakterien, die am Rande ihres Existenzminimums in Labors von Forschern wachsen und verbrauchen extrem wenig Sauerstoff. „Es dauert ein paar hundert bis zu einige tausend Jahre, bis so ein Bakterium seine Biomasse einmal erneuert hat!“, rechnete Røy aus.

Die Sensation bahnte sich bei einer Expedition mit einem WHOI-Forschungsschiff Anfang 2009 zwischen Costa Rica, den Galapagos-Inseln und Hawaii an. An Bord war ein neues Gerät, das tausende Meter unter Wasser bis zu 46 Meter in den Meeresgrund stechen und den Sedimentkern nach oben holen kann. Auf einer Strecke von 4700 Kilometern holten die Forscher sechs Proben aus dem Pazifik. Røy bohrte Mikroelektroden hinein und maß den Sauerstoffgehalt im Inneren – denn im Meeresgrund leben Mikroorganismen, die herabgefallenes organisches Material langsam verzehren und dabei Sauerstoff verbrauchen. Da von oben kein Sauerstoff nachkommt, brauchen sie das Gas mit der Zeit auf. Und zwar umso schneller, je mehr organisches Material von oben nachgeliefert wird.

Als das Schiff auf die Hawaii-Inseln zuhielt, durchkreuzte es sehr nährstoffarmes Pazifikwasser; dort rieselt nur wenig organisches Material in die Tiefe. 5000 bis 6000 Meter unter dem Meeresspiegel sammelt sich mancherorts in 5000 Jahren nur eine millimeterstarke neue Sedimentschicht. Viel zu fressen haben die Mikroorganismen also nicht – und so fand Røy in zwei Bohrkernen selbst 30 Meter tief unter dem Pazifikboden noch etwas Sauerstoff. „Wir verstehen nicht, wie das Leben dort abläuft“, sagt Kallmeyer. Sicher ist nur, dass die Bakterien unvorstellbar langsam sind.

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