Biologie : In den Bäumen zu Hause

02.01.2013 00:00 Uhr
Kletterkünstler. Die Twa in Uganda sammeln auf Bäumen Honig. Foto: Nathaniel Dominy
Kletterkünstler. Die Twa in Uganda sammeln auf Bäumen Honig. - Foto: Nathaniel Dominy

Bis heute ist unklar, wann unsere Vorfahren von den Bäumen auf den Boden kamen. Neue Untersuchungen zeigen: Auch moderne Menschen können noch gut klettern.

Kletterst Du noch oder läufst Du schon? Wann genau der Mensch von den Bäumen stieg, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Vorfahren des modernen Menschen lebten überwiegend in den Ästen und Wipfeln. Vor rund 3,5 Millionen Jahren trat mit Australopithecus afarensis dann ein regelrechter Zweibeiner auf den Plan mit „Lucy“ als wohl bekanntestem fossilen Vertreter. Lucy beherrschte den aufrechten Gang, soweit sind Anthropologen sich immerhin einig. Doch inwieweit war sie trotzdem noch in der Lage, sich auch auf den Bäumen zu bewegen?

Dem sind amerikanische Anthropologen nun auf den Grund gegangen, indem sie Angehörige von Jäger-und-Sammler-Völkern mit benachbarten Bauerngesellschaften verglichen.

Ihr Fazit: Selbst der moderne Mensch kann immer noch ein effektiver Kletterer sein. Die entscheidenden anatomischen Strukturen liegen weniger im knöchernen Aufbau von Fuß und Fußgelenk als vielmehr in der Beschaffenheit der Wadenmuskulatur.

„Australopithecus afarensis besaß ein wenig flexibles Fußgelenk und einen gewölbten, nicht zum Greifen geeigneten Fuß“, schreiben Nathaniel Dominy und Kollegen im Fachblatt „PNAS“ . „Diese Eigenschaften werden weitgehend so interpretiert, dass sie nicht vereinbar mit Klettern sind und somit ein definitives Anzeichen von einem Leben am Boden.“ So einfach ist es aber doch nicht, zeigen die neuen Studien. Die Forscher verglichen zwei Gesellschaften von Jägern und Sammlern in Uganda und auf den Philippinen – die Twa und die Agta – mit deren benachbarten Ackerbauern – den Bakiga und den Manobo.

Die Twa und Agta klettern auf der Suche nach Honig regelmäßig auf Bäume. Dabei laufen sie sozusagen an den Stämmen dünner Bäume nach oben, indem sie mit den Händen den Stamm umfassen und die Fußsohlen an den Baum stemmen. Dabei wird der Fuß stark nach oben gebogen. Die extreme Beugung gehe aber nicht etwa auf besondere Knochen zurück, schreiben die Forscher. Stattdessen fanden sie bei den Twa und Agta längere Muskelfasern als bei den untersuchten Ackerbauern. Eine an den aufrechten Gang angepasste Skelettstruktur von Fußgelenk und Fuß bedeutet demnach nicht zwingend, dass sicheres und regelmäßiges Klettern in den Bäumen ausgeschlossen ist. wsa

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