Biologie : Kleine Fische - gemeinsam stark

Wer bei Stichlingen vorausschwimmt, entscheidet die Mehrheit. Dabei fällt den Fischen die Entscheidung leichter, je größer die Gruppe ist, in der sie unterwegs sind.

Dagny Lüdemann
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Dreistachlige Stichlinge werden bis zu elf Zentimeter groß und sind in Europa wie Nordamerika und Asien weit verbreitet....

Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Current Biology“ (Band 18, Seite 1). Um das Verhalten zu untersuchen, präsentierten die Wissenschaftler einem Schwarm von Dreistachligen Stichlingen (Gasterosteus aculeatus) je zwei Attrappen von Artgenossen und beobachteten, welchem sie folgten. „Einige preschten gleich gezielt auf einen der beiden los“, berichtet David Sumpter von der Universität Uppsala. Andere Fische waren sich nicht so sicher und schwammen zunächst in die andere Richtung. Doch sobald sich eine Mehrheit hinter einem der Anführerfische gebildet hatte, folgten die Zweifler dieser Entscheidung.

Nun ließen die Forscher erst zwei, dann vier und schließlich eine Gruppe von acht Stichlingen ihre Wahl treffen. Dabei zeigte sich: Je größer der Schwarm, desto schneller und klarer fiel die Entscheidung. Allerdings war dabei auch wichtig, wie die Fischattrappen aussahen. Dicke, dünne, gepunktete und schlichte – die Wissenschaftler hatten ganz unterschiedliche Plastikfische gebastelt. „Dafür haben wir Abdrücke von toten Stichlingen gemacht und sie angemalt“, sagt Jens Krause. Der Berliner ist Biologieprofessor an der Universität Leeds. Als er und sein Team die falschen Fische – angetrieben von einem Elektromotor – durch das Aquarium schwimmen ließen, stellte sich heraus: Stichlinge vertrauen eher größeren Artgenossen, bevorzugen dicke gegenüber dünnen und folgen lieber denjenigen, die nicht so stark gepunktet sind. Diese Eigenschaften sagen etwas über die Überlebensfähigkeit aus, vermuten die Forscher. Während ein Fisch mit dickem Bauch offensichtlich Erfolg bei der Nahrungssuche hat, sind zu viele Flecken auf den Schuppen ein Anzeichen für Parasitenbefall. Und ein kranker Fisch irrt sich vielleicht.

Stichlinge haben normalerweise keinen Boss. Solange nichts Besonderes passiert, schwimmen alle gleichberechtigt nebeneinanderher. „Doch wenn einer plötzlich einen Feind entdeckt und in eine andere Richtung schwimmt, ist das ein Signal für die Fische“, erklärt Jens Krause. „Wenn dann noch ein zweiter Abweichler dazukommt, folgt der Schwarm ganz schnell.“ Dieses Verhalten ist überlebenswichtig: So können Gruppen in kurzer Zeit Entscheidungen treffen, ohne dass jeder Einzelne lange abwägen muss.

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