Biologie : Kraken lieben gefährlich

US-Forscher haben erstmals das komplexe Paarungsverhalten der Tintenfische beobachtet. Es ist ein aufwändiger Akt.

Dagny Lüdemann

Das Liebesleben der Kraken ist alles andere als romantisch. Denn Oktopusse klammern sich eifersüchtig an ihre Partnerinnen, täuschen Rivalen und schrecken selbst vor Gewalt nicht zurück.

Das jedenfalls behaupten Meeresbiologen, die beim Schnorcheln vor der indonesischen Insel Sulawesi Oktopusse der Art Abdopus aculeatus beobachtet haben. Anders als Riesenkraken werden diese Tiere nicht größer als eine Orange. Christine Huffard vom Monterey-Bay-Aquarium und Roy Caldwell von der Uni Kalifornien in Berkeley waren überrascht vom komplexen Paarungsverhalten dieser Kraken, das sie im Fachmagazin „Marine Biology“ beschreiben. Tintenfischmännchen paaren sich nämlich nicht mit dem erstbesten Weibchen, das ihnen über den Weg kriecht. Die Tiere bevorzugten große Partnerinnen, „denn die können mehr Eier produzieren“, erklärt Caldwell. Hatten die Kraken ein Weibchen erobert, bewachten sie es über mehrere Tage. Diese als „Mate Guarding“ bezeichnete Strategie ist im Tierreich verbreitet. Männchen verhindern so, dass Rivalen sich nach ihnen mit dem Weibchen paaren, bevor der Nachwuchs gezeugt ist. So stellen sie sicher, dass nur ihr Erbgut an die folgende Generation weitergegeben wird.

Machten Oktopusse anderen Männchen ihre Eroberung streitig, wurden sie mit den langen Tentakeln auf Abstand gehalten – in einigen Fällen sogar erwürgt.

Auch ihre Fähigkeit, wie ein Chamäleon die Farbe zu wechseln, nutzen die Männchen aus. Einige legten sich als Weibchen getarnt auf die Lauer und schwammen mit gespielt femininer Eleganz durchs Wasser. So täuschten sie ihre Rivalen und konnten den Zweikampf häufiger für sich entscheiden. Dass die Männchen bei der Partnersuche keinen Spaß verstehen, könnte daran liegen, dass sie nur einmal im Leben zum Zuge kommen. „Kurz nach der Paarung sterben Oktopusse“, erläuterte Caldwell. Die Weibchen legen zehntausende Eier, die sie in einer Höhle am Meeresgrund hegen. Da sie in dieser Zeit nicht auf Nahrungssuche gehen können, verenden auch sie, kurz nachdem der Nachwuchs geschlüpft ist.

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