Biologie : Was die Pappel zum Blühen bringt

Er ist der mit Abstand am meisten zitierte deutsche Pflanzenforscher: Bayer-Preis für den Biologen Detlef Weigel.

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Detlef Weigel, Pflanzenforscher -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wogende Weizenfelder, eine friedlich weidende Kuh auf einer sattgrünen Wiese, daneben ein Wäldchen mit Teich. An so etwas denken vermutlich viele Mitteleuropäer, wenn sie sich „Natur“ vorstellen. Nicht so Detlef Weigel. Für den Biologen ist diese Idylle nur Fassade, das „mystische Naturverständnis“ Selbstbetrug. „Natur“ ist für Weigel gleichbedeutend mit Veränderung, Konkurrenz, Auseinandersetzung. Weigel, 48, muss es wissen. Nach einer Analyse des „Laborjournals“ ist er der mit Abstand am meisten zitierte deutsche Pflanzenforscher. Am gestrigen Donnerstag wurde der Direktor am Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Berlin mit dem Otto-Bayer-Preis der Bayer-Wissenschaftsstiftung ausgezeichnet. Die Ehrung ist mit 75 000 Euro dotiert.

Ein Pflanzenleben ist Stress pur. Pflanzen können nicht „weglaufen“, sie müssen sich an Ort und Stelle mit Parasiten und Fressfeinden, Kälte, Hitze oder Trockenheit auseinandersetzen. Es ist diese Anpassungsleistung, die Weigel an den Pflanzen fasziniert und die der Schwerpunkt seiner Forschung ist.

Weigel konzentriert sich auf die genetischen Grundlagen, die hauptsächlich an der Ackerschmalwand Arabidopsis thaliana studiert werden. So konnte er Erbanlagen ausfindig machen, die die Pflanzen zum Erblühen bringen und die sich artübergreifend „konserviert“ haben. Ein Arabidopsis-Gen namens „Leafy“ bringt, wenn man es in die Zitterpappel überträgt, diese bereits nach wenigen Monaten zum ersten Mal zum Blühen. Sonst lässt sich die Pappel dazu mehr als zehn Jahre Zeit.

Der rasante technische Fortschritt macht es heute möglich, das Erbgut von Pflanzen wie der Ackerschmalwand rasch, billig und mit höchster Detailgenauigkeit zu studieren. 80 komplette Genome unterschiedlicher Arabidopsis-Pflanzen haben Weigel und sein Team bereits entziffert. Das Arabidopsis-Genom sieht er als „Blaupause“, die auch für das Verstehen und die Züchten von Kulturpflanzen wichtig ist.

Weigel ist Grundlagenforscher, er stellt keine Produkte her. Aber er hat Sympathien für die Pflanzenbiotechnik, die er für ein wichtiges Instrument der Pflanzenzüchtung hält. Trotz des schlechten Images der „grünen Gentechnik“ in Deutschland habe er die „Hoffnung noch nicht aufgegeben“. Weil die Deutschen „relativ fortschrittlich“ seien, werde sich das ändern, ist er überzeugt.

Nach Studium und Promotion ging Weigel für 13 Jahre in die USA und war zuletzt am Salk-Institut in La Jolla. 2002 kehrte er nach Deutschland zurück und ist bis heute begeistert von den Bedingungen. „Als Fördereinrichtungen sind die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft einzigartig“, sagt er. „Deutschland steht in der Grundlagenforschung sehr gut da.“ Nur einen Wunsch hat er: Alle Max-Planck-Institute sollten nach Berlin oder München verlegt werden: „Dann wäre man von superschlauen Leuten umzingelt.“ wez

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