Biotechnik : Gute und schlechte Gene

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften legt ihren zweiten Bericht zur Biotechnik vor. Die Forschung entwickelt sich rasch weiter. Was fehlt, ist die Umsetzung.

Hartmut Wewetzer

Strenge Gesetze und die Skepsis in der Bevölkerung machen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland nahezu unmöglich. Dieses aus Sicht der Pflanzenforschung ernüchternde Fazit ziehen die Autoren des zweiten Gentechnologieberichts der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Trotzdem entwickle sich die Forschung zur grünen Gentechnik rasch weiter und sei in Deutschland noch immer gut vertreten. „Was fehlt, ist die Umsetzung“, beklagte Bernd Müller-Röber von der Universität Potsdam bei der Vorstellung des Berichts am gestrigen Dienstag in der Akademie.

Der Gentechnologie-Bericht kritisiert die uneinheitliche Politik der Bundesregierung zur Pflanzen-Biotechnik. Während das Forschungsministerium technische Entwicklungen und die Sicherheitsforschung fördere, bremse das Landwirtschaftsministerium die konkrete Anwendung von Ergebnissen. Erschwerend hinzu kommt die Verwüstung von Freilandversuchen durch Gentechnikgegner.

Auf die Frage, ob der Bericht der Akademie nicht von Lobbyismus geprägt sei, antwortete Müller-Röber, dass die Wissenschaft auf Fördermittel angewiesen sei. „Der Großteil der Mittel kommt aber von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und nicht aus der Industrie“, sagte Müller-Röber. „Uns geht es darum, das System Pflanze zu verstehen und nicht darum, ein Produkt auf den Markt zu bringen.“

Die anderen Gebiete, die der Gentechnik-Bericht behandelt, sind mittlerweile weniger umstritten. Zum Beispiel die Stammzellforschung. Nachdem es gelungen ist, ganz normale Körperzellen in stammzellähnliche Zellen umzuprogrammieren, hat die Forschung eine neue, ethisch unproblematische Richtung genommen. Trotzdem seien die einst umkämpften embryonalen Stammzellen immer noch der „Goldstandard“ der Forschung, sagte Ferdinand Hucho von der Freien Universität Berlin.

Bei der Suche nach den genetischen Wurzeln von Krankheiten gibt es große Fortschritte, was vor allem mit der Entwicklung von Genchips und von neuen Sequenzierautomaten für Erbinformation zusammenhängt. Immer mehr genetische Information wird immer schneller lesbar – nur mit der Deutung hapert es noch. Für Karl Sperling (Charité), der das Thema Gendiagnostik bearbeitet hat, bricht mit dem 1000-Dollar-Genom, der Erbgutanalyse für jedermann, eine neue Ära der persönlichen Medizin an. „Es gibt keine Krankheiten, nur kranke Menschen“, lautete seine Schlussfolgerung. Mit den Konsequenzen wird sich ja vielleicht der nächste Gentechnik-Bericht beschäftigen. 

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