Warum Münkler seine Vorlesung nicht ändern will

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Blogger gegen Professor der HU Berlin : Jeden Dienstag kommt „Münkler-Watch“
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Nun gehören Proteste gegen Professoren zur Geschichte der Universitäten. Einen Höhepunkt bildete im Zuge der 68er Revolte das berühmte „Busen-Attentat“ gegen den Philosophen Theodor Adorno, dessen Vorlesung in Frankfurt von drei entblößten Studentinnen gestört wurde. Das hält Münkler aber für nicht vergleichbar. „Die Studierenden damals haben mit Frivolität gespielt, um Adornos Verklemmtheit sichtbar zu machen. Das hatte auch eine ironische Dimension – was den Vorwürfen jetzt leider völlig abgeht.“ Die Aktivisten haben auch nicht vor, Münklers Vorlesung zu unterbrechen, wie sie auf Nachfrage erklären: „Wir wollen unsere Mitstudierenden nicht vom Lernen abhalten. Deshalb werden wir die Vorlesung nicht sprengen oder so. Wir haben nicht 1968.“

Münkler: "Ich werde mich nicht unterwerfen"

Münkler spricht gleichwohl von einem „Kampf, den ich jeden Dienstag mit mir ausfechte“. Denn natürlich denke er darüber nach, wie er sich bei seinem Vortrag unangreifbar machen könne. Allerdings sollten die Teilnehmer der Vorlesung nicht unter dem Konflikt leiden, etwa indem er die Vorlesung bewusst trocken gestalte, auf Ironie oder auf anschauliche Beispiele verzichte. Er habe daher nicht vor, irgendetwas zu ändern: „Ich werde mich nicht vorauseilend unterwerfen.“

In den Kommentaren zu Münkler-Watch ist die Stimmung geteilt. So bedankt sich eine Claudia Volmerhaus für den Blog: „Ich habe schon ca. 2004 eine Münkler-Vorlesung nach 4 Sitzungen verlassen, weil ich seinen Sexismus und sein Menschenbild nicht ertragen habe.“ Ein Arnold Koettler beschimpft die Blogger hingegen als „feigen Haufen von Nerds der Angst hat für sein großes Maul Farbe zu bekennen“. Überhaupt wird oft kein Verständnis dafür geäußert, dass die Kritiker anonym bleiben. „Münkler-Watch“ erklärt dazu auf Anfrage: „Keiner von uns hat Lust, eine eventuelle Arbeitsmarktperspektive wegen postadoleszenter Revoluzzerei zu riskieren“. Hinzu würden die „geschätzten eine Million informellen Mechanismen“ kommen, „mit denen Profs Studis bei Bedarf das Leben schwer machen können“.

HU-Wissenschaftler werden nicht zum ersten Mal angegriffen

Es ist nicht das erste Mal, dass Wissenschaftler der HU aus dem linken Spektrum angegriffen werden. So wurde dem Soziologen Michael Makropoulos, damals Vertretungsprofessor an der HU, im Februar in einem anonymen offenen Brief vorgeworfen, seine Vorlesung „Soziologische Theorie“ sei „eurozentristisch“ und blende Genderaspekte aus.

Proteste gegen den Historiker Jörg Baberowski

Im vergangenen Jahr hatte eine trotzkistische Studierendenorganisation gegen den HU-Historiker Baberowski protestiert. In einem Schreiben an den HU-Präsidenten warf sie Baberowski vor, eine offene Debatte über den von ihm eingeladenen umstrittenen Trotzki-Biografen Robert Service unterdrückt zu haben. Außerdem verbreite Baberowski „die berüchtigten reaktionären Thesen von Ernst Nolte“ aus dem Historikerstreit, erklärten sie mit Blick auf einen Essay von Dirk Kurbjuweit im „Spiegel“ vom Februar 2014. Dieser zitiert Baberowski mit den Worten: „Nolte wurde Unrecht getan. Er hatte historisch recht.“ Außerdem hat Baberowski demnach gesagt: „Hitler war kein Psychopath, er war nicht grausam.“

Schon im vergangenen Jahr war Münkler kritisiert worden

Münkler selbst war schon im vergangenen Juli von der Fachschaft Sozialwissenschaften der HU wegen vermeintlich „rassistischer und kriegstreiberischer Argumentation“ auf Facebook kritisiert worden. So habe Münkler in einem Text für die Publikation „Review 2014“ des Auswärtigen Amtes dafür plädiert, die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands selbstbewusst zu kommunizieren. Dort habe Münkler auch vor den Folgen „gewaltiger Flüchtlingsströme“ gewarnt: Europa sei „infolge seiner Wertbindungen nicht in der Lage, diese Flüchtlingsströme an seinen Grenzen zu stoppen und zurückzuweisen, wie man dies bei einem militärischen Angriff versuchen würde“, zitiert ihn die Fachschaft. Damit gieße er „Öl in das Feuer eines rassistischen Diskurses“.

Am heutigen Dienstag geht Münklers Vorlesung mit dem Thema „Souveränität und Infrastruktur der Macht“ weiter. „Das ist hartes Brot“, sagt er. „Aber ich werde versuchen, es mit ein bisschen Butter schmackhafter zu machen.“

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