Bologna-Tagung : "Beim Bachelor ans Soziale denken"

Im Vorfeld der Bologna-Tagung kritisierten Verbände, die Minister würden wichtige Themen vernachlässigen. Der Präsident des deutschen Studentenwerks, Rolf Dobischat, sagte, die „soziale Dimension“ werde auch in Budapest und Wien nicht mit der Dringlichkeit behandelt, die sie verdient hätte.

„Bologna Burns“ (Bologna brennt): Unter diesem Motto gingen am Donnerstagnachmittag 2000 Studierende in Wien auf die Straße. Sie protestierten gegen die Bologna-Reform und die damit verbundene Umstellung auf Bachelor und Master – und gegen eine Konferenz der europäischen Wissenschaftsminister. Diese berieten gestern in Budapest, wie die Bologna-Reform  zehn Jahre nach der Vereinbarung über einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum bisher umgesetzt wurde. Zum Auftakt nahm die Konferenz Kasachstan als 47. Mitglied der Unterzeichnerstaaten der Bologna-Erklärung in ihre Reihen auf. Am heutigen Freitag wollen die Minister in Wien weitertagen.

Im Vorfeld kritisierten Verbände, die Minister würden wichtige Themen vernachlässigen. Der Präsident des deutschen Studentenwerks, Rolf Dobischat, sagte, die „soziale Dimension“ werde auch in Budapest und Wien nicht mit der Dringlichkeit behandelt, die sie verdient hätte. Themen wie Studienfinanzierung, studienbegleitende Beratung, Kinderbetreuung gehörten mit auf die Agenda. „Die Studierenden brauchen nicht nur gute Lehre, sie brauchen auch eine gute soziale Infrastruktur“, sagte Dobischat.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte, die Umsetzung des Bologna-Prozesses sei mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden. Für die Hochschulbeschäftigten in Forschung, Lehre und Verwaltung sei der Prozess „mit zusätzlichen Belastungen“ verbunden, die Arbeitsbedingungen an den Unis verschlechterten sich.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) plädierte unterdessen für ein breiteres Themenspektrum im Studium. 15 Prozent der Inhalte sollten als „Studium generale“ angelegt sein, sagte Schavan im Deutschlandradio Kultur. Dies sei bei der Bologna-Reform vorgesehen, in vielen Hochschulen aber noch nicht verwirklicht. Die Kritik an den Arbeitsbedingungen der neuen Bachelorstudiengänge bezeichnete Schavan dagegen als „überspitzt“. Viele Studierende seien zeitlich nicht überlastet, auch seien die Betreuungsverhältnisse besser als früher. Drei Viertel der Studenten hielten die neue Studienstruktur für gut. „Die Masse hat studiert, während die Proteste stattgefunden haben“, sagte Schavan.

Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz, der als Vertreter der Kultusminister zur Tagung reiste, kündigte an, die Bundesländer wollten die Unis unterstützen, vereinbarte Verbesserungen zügig umzusetzen. tiw/ddp

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