BSE : Gefühlte Gefahr

Fünf Jahre Bundesinstitut für Risikobewertung: Die Gründung des Instituts war eine Folge des BSE-Skandals in Deutschland.

Adelheid Müller-Lissner

Man möchte meinen, die Aufregung über die Rinderseuche BSE sei schon ewig her. Tatsächlich verging seither nur etwas mehr als ein halbes Jahrzehnt. Eine der Folgen des BSE-Skandals war die Errichtung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), das gestern in Berlin sein fünfjähriges Bestehen feierte.

Das BfR bewertet nach wissenschaftlichen Kriterien gesundheitliche Gefahren, die von Lebensmitteln, Kosmetika, Baumaterialien und anderen Gebrauchsgütern ausgehen können. Dabei kommt es vor, dass die 100 Toxikologen Bedenken gegenüber vermeintlich harmlosen Dingen wie zu viel Cumarin in Zimtsternen äußern. Oft sehen sie aber auch keine oder kaum eine Gefahr, wo viele Bürger sie wittern, etwa bei Erdstrahlen, die nach den Worten des BfR-Präsidenten Andreas Hensel „physikalisch nicht zu messen, aber in der Erlebniswelt wichtig“ sind.

„Gefühlte Risiken“ waren denn auch das Thema des Jubiläumssymposiums. BSE kann dafür nach Ansicht der Experten als Lehrbeispiel gelten. Dass bei der Rinderseuche eine so deutliche Diskrepanz zwischen realer Gefahr und gefühltem Risiko bestand, führt Bernhard Kühnle, Abteilungsleiter am Bundesverbraucherschutzministerium, darauf zurück, dass Deutschland damals „erkenntniswidrig zum BSE-freien Land erklärt wurde“. Es reiche eben nicht, „in einen Hamburger zu beißen und British Beef als sicher zu erklären“. Stattdessen brauche der Staat Institutionen mit wissenschaftlichem Anspruch, die die Erkenntnislage reflektieren und dann einheitliche, transparente Empfehlungen abgeben. „Dabei haben wir auch den Anspruch, Unsicherheit zu kommunizieren“, sagte Kühnle.

Gerd Gigerenzer, Psychologe vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, wünscht sich mündige Bürger, die mit diesen ehrlichen Mitteilungen leben können, weil sie über das statistische und psychologische Rüstzeug zum Umgang mit Risiken verfügen. Dem stehe heute allerdings eine „kollektive Zahlenblindheit“ entgegen. „Wie man mit Risiken und Unsicherheiten richtig umgeht, sollte eines der wichtigsten Bildungselemente sein.“ Eine risikofreie Gesellschaft könne es nicht geben – eine panikfreie sei jedoch wünschenswert. Dass kaum jemand das BfR kennt, spricht dafür, dass es bereits auf einem guten Weg ist. „Je besser wir arbeiten, desto weniger werden wir wahrgenommen“, sagt jedenfalls der Präsident. Adelheid Müller-Lissner

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