Wissen : „Buhnen schaden nicht“

Ein TU-Forscher setzt sich für regulierende Steinwälle in der Elbe ein. Aber nach dem Hochwasser wurde der Ausbau gestoppt

Catarina Pietschmann

Die Bilder der Jahrhundertflut sind noch präsent. Reißende Fluten tosen durch Grimma. Dresdens Altstadt meldet „Land unter“. Wasserläufe, wo sonst Straßen sind. Um gegen Katastrophen wie diese künftig besser gewappnet zu sein, beschloss die Bundesregierung auf der „Flusskonferenz“ im September 2002 ein Fünf-Punkte-Programm zum Hochwasserschutz.

Sinnvoll, aber nicht in allen Punkten durchdacht. Professor Timm Stückrath vom Fachgebiet Konstruktiver Wasserbau verzweifelt, wenn er an „Punkt 4“ denkt. Da nämlich heißt es sinngemäß: Alle Ausbaumaßnahmen der Flüsse seien zu überprüfen. Die bereits vorgesehenen Maßnahmen ruhten in dieser Zeit. „Und das betrifft unsinnigerweise auch Buhnen, die für die Schifffahrt bei Niedrigwasser wichtig sind. Nicht mal die Reparatur bereits bestehender ist erlaubt“, klagt Stückrath.

Hochwasser hat es immer gegeben. Auch vor der Eindeichung. Das Kardinalproblem ist historisch und nicht zu beheben: Viele Siedlungen wurden zu dicht an den Flüssen gebaut. Damit kein Missverständnis aufkommt: Stückrath ist sehr wohl für Hochwasserschutz. Er ist dafür, alles zu entfernen, was den Abfluss des Wassers behindert: vor allem Querdeiche und Auenwälder. „An bestimmten Stellen ist auch ein Ausbau bis hin zur Begradigung notwendig. Denn dadurch erhöht sich die Fließgeschwindigkeit und das Hochwasser fließt schneller ab“, erklärt der Wissenschaftler.

Die umstrittenen Buhnen sind stromaufwärts gerichtete, 20 Meter lange, niedrige Steinwälle, die vom Ufer aus wie Fischgräten in den Fluss ragen. Sie engen die durchströmte Flussbreite bei Niedrigwasser etwas ein. Dadurch werden in der Mitte höhere Strömungsgeschwindigkeiten erzielt. Das hält die Flussmitte tief genug für die Schifffahrt und macht Baggerungsarbeiten überflüssig. Auf Hochwasser haben Buhnen keinen Einfluss, wie Untersuchungen belegen.

Stückrath sieht nur eine Möglichkeit, Politiker und (andere) Laien zu überzeugen: sein Flussmodell von einer Elbschleife bei Coswig, an dem sich unterschiedliche Wasserstände demonstrieren lassen. So wird auch deutlich, dass die Buhnen, die schon bei mittleren Abflussmengen kaum noch aus dem Fluss ragen, bei Hochwasser irrelevant sind. Das Elbmodell dient nur der Demonstration. „Normalerweise würden wir so etwas rechnen und im Computer simulieren“, sagt Stückrath. Doch eine Demonstration ist überzeugender. Veränderte Strömungsgeschwindigkeiten lassen sich mittels kleiner farbiger Schwimmer sichtbar machen. Wer also nicht blind auf physikalische Grundlagen vertrauen will, kann in der nächsten „Langen Nacht der Wissenschaften“ das Problem sehend begreifen.

Mehr im Internet unter:

www.tu-berlin.de/fb9/iwawi/

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