Wissen : „Bund gefährdet Archäologen“

Wissenschaftsrat sorgt sich um Berliner Institut

Amory Burchard

Hermann Parzinger verlässt das Deutsche Archäologische Institut (DAI) Anfang März mit Rückenwind aus dem Wissenschaftsrat. Das Gremium bescheinigt dem scheidenden Präsidenten, der an die Spitze der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wechselt, „exzellente Arbeit“. Das DAI, das Parzinger seit 2003 leitet, bewältige nunmehr auch „in der Vergangenheit vernachlässigte Aufgaben“. So bearbeite das Institut mittlerweile „kulturwissenschaftliche, fachübergreifende Fragestellungen“ und tausche sich mehr als bisher mit den Universitäten aus.

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats Peter Strohschneider lobte insbesondere die zahlreichen Außenstellen des DAI, „ohne die es in vielen Ländern keine Archäologie gäbe“. Allerdings seien diese Erfolge massiv gefährdet – durch das Auswärtige Amt (AA), den Geldgeber des DAI. Angesichts fehlenden Personals und einer mangelnden IT-Ausstattung könne das DAI weder sein Forschungsniveau halten noch neue Gebiete etwa in Eurasien erschließen. So plant das DAI neue Projekte in Kasachstan.

Finanzielle Engpässe sieht das Gremium auch bei der privaten „Jacobs University Bremen“, die 1999 als International University gegründet wurde. Zwar habe sich durch die 200-Millionen-Euro- Spende der Jacobs-Foundation – gestiftet von dem Bremer Kaffeeproduzenten – die finanzielle Basis der Uni konsolidiert. Gleichwohl bleibe es „schwierig, die Universität mittelfristig finanziell stabil zu halten“, sagte Strohschneider.

Die Bremer Privathochschule wurde erstmals 2001 vom Wissenschaftsrat akkreditiert; damit wurden ihre wissenschaftlichen Leistungen in Forschung und Lehre anerkannt. Bei der jetzt erfolgten Reakkreditierung gab es gute Noten für die Bachelor-Studiengänge. Die Studierenden würden früh an Forschungsprojekte herangeführt und lernten in einer „internationalen Atmosphäre“ und unter „vorzüglichen Betreuungsverhältnissen“, heißt es. Auch die Forschungsleistungen seien beachtlich, aber der Weg zu einer „Internationalen Forschungsuniversität“ sei noch weit. Positiv bewertet wurde auch die Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

Damit Bildung und Wissenschaft besser finanziert werden können, macht sich auch der Wissenschaftsrat für einen neuen Investitionsbegriff stark. Nach einem Modell, das schon von Wissenschaftsorganisationen und von der SPD gefordert wird, sollen auch Ausgaben für Personal in Kitas, Schulen und Unis künftig als „Zukunftsinvestitionen“ gelten. Bislang umfasst diese Definition nur Ausgaben für Infrastrukturen wie Gebäude und Geräte. Ein neuer Investitionsbegriff würde die Zuwendungen für Bildung und Wissenschaft privilegieren und es möglich machen, sie „nennenswert und dauerhaft zu erhöhen“, heißt es in einer Resolution des Gremiums. Amory Burchard

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben