Bundesforschungsbericht : So viel Wissenschaft wie nie

Die Bundesregierung lobt die deutsche Forschung. So werden in Deutschland so viele wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlicht wie in keinem anderen Land. Doch in anderen Bereichen sind andere Länder trotzdem weiter.

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So viele Menschen wie nie zuvor schaffen in Deutschland einen Hochschulabschluss. In keiner anderen Nation werden werden so viele weltmarktrelevante Patente entwickelt. Das sind Erkenntnisse aus dem „Bundesbericht Forschung und Innovation 2012“, den die Regierung am Mittwoch verabschiedete. Der Bericht zeige, dass die Hochschulen und Institute ihre Leistungsfähigkeit „erheblich gesteigert haben“, sagte Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) bei der Präsentation des Berichts in Berlin: „Der Forschungs- und Innovationsstandort Deutschland ist deutlich attraktiver geworden.“

294 000 Studierende schafften 2010 ihren Abschluss, fast 30 Prozent des Altersjahrgangs. Gegenüber 2005 sind das fast 100 000 Absolventen mehr, die Quote lag damals bei 20 Prozent des Jahrgangs. Die Zahl der Ingenieurabsolventen stieg um fast die Hälfte auf jetzt 16 800, noch einmal so viele machten einen Abschluss in Mathematik und den Naturwissenschaften. Schavan lobte die Technischen Universitäten dafür, dass sie nicht mehr nur Forschung und Lehre, sondern auch die Übertragung von Forschungserkenntnissen in die Wirtschaft als Kernauftrag begreifen würden.

Ein Indiz für die Leistungsfähigkeit eines Landes ist, wie groß der Anteil des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ist, der für Forschung und Entwicklung (F & E) ausgegeben wird. Dort hat Deutschland noch nicht das Lissabon-Ziel der EU erreicht, drei Prozent des BIP für Forschung und Entwicklung auszugeben. 2010 lag Deutschland wie 2009 bei 2,82 Prozent. Im Jahr 2005 waren es noch 2,51 Prozent. In Europa liegt Deutschland derzeit hinter Finnland, Schweden und Dänemark auf Platz vier.

Schavan zeigte sich mit der Entwicklung gleichwohl zufrieden. Die gestiegenen Forschungsausgaben zumal des Bundes zahlten sich aus. Seit 2005 stiegen die Bundesausgaben um 4,7 Milliarden Euro auf jetzt 13,7 Milliarden Euro. Die deutschen Unternehmen erhöhten ihre F&E-Ausgaben seit 2005 um gut zehn Milliarden auf 47 Milliarden Euro. Schavan sagte, Deutschland solle sich nicht nur an der Drei-Prozent-Marke orientieren, sondern an „noch dynamischeren Nationen“ wie Israel oder Südkorea, die mehr als 3,5 Prozent des BIP für die Forschung ausgeben.

Schavan hob hervor, dass Deutschland in Relation zur Einwohnerzahl inzwischen mehr wissenschaftliche Arbeiten veröffentliche als die USA. Befragt zu ihrer Doktorarbeit – der Ministerin wird vorgeworfen, in ihrer Dissertation plagiiert zu haben –, sagte Schavan Bekanntes: Die Uni Düsseldorf werte die Arbeit nun aus. „Sie wird sich dafür die Zeit nehmen, die sie braucht.“

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