Campus-Zeitschrift : Studieren und recherchieren

FU-Studenten haben eine neue Zeitschrift ins Leben gerufen: Die „Furios“ will unabhängig sein.

Laura Wieland
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Uni-intern. „Furios“ wird von der Alumni- Vereinigung gefördert. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Protest, Rebellion, Kritik – dafür ist die Freie Universität Berlin (FU) seit nunmehr 60 Jahren bekannt. Was der Elite-Uni bislang jedoch fehlte: seriöser Campusjournalismus. Diese Lücke zu schließen hat sich nun die unabhängige Studentenzeitschrift „Furios“ zur Aufgabe gemacht. „Denn an der FU gehört es zum guten Ton, alles zu kritisieren“, sagt Tin Fischer von der Gründungsredaktion. „Wir dachten, es sei an der Zeit, mal wieder zuzuhören“, sagt der 25-jährige Nordamerikanistikstudent, der bereits seit einem Jahr in seinem satirischen Blog „Silberlaube“ über das Unileben schreibt.

Im neuen Campusmagazin, das im Dezember erstmals erschienen ist, soll nun über das Lebensgefühl an der „Kleinstadt FU“ berichtet werden – zweimal pro Semester, mit einer Auflage von 5000 Exemplaren. Anders als die „Unaufgefordert“, die Studentenzeitschrift der Humboldt-Universität, wird die „Furios“ nicht vom Studierendenparlament (Stupa) getragen. Das Magazin finanziert sich über Anzeigen und einen Druckkostenzuschuss der Ernst-Reuter-Gesellschaft, der Ehemaligenvereinigung an der Freien Universität. Die sei laut Fischer zwar an das Präsidium angegliedert, aber nicht in die Grabenkämpfen zwischen Asta und Präsidium involviert. „Die Furios ist auch ein Medium für die Uni-interne Kommunikation“, sagt Tin Fischer. Diese liege nämlich zwischen Asta und Präsidium brach – und das sei nicht zugunsten der Studierenden.

„Wir sind ein unabhängiges Magazin – und nicht ideologisch verpflichtet“, sagt Redaktionsmitglied Claudia Schumacher, 21 Jahre alt, Literaturstudentin. „Wir wollen die Studenten aus allen Fachbereichen ansprechen.“

Entsprechend breit gefächert sind die Themen: Die Redaktion hat die Nachbarschaft erkundet und bei Bewohnern der Dahlemer Villen angeklopft; sie hat Experten gefragt, wie die FU der Zukunft aussehen könnte; und sie hat – weniger originell, aber für eine Studentenzeitung offenbar unerlässlich – einen Mensamagen unter die Lupe genommen. Hinzu kommt ein kritisches Porträt des „FU-Phantoms“ Asta: ein Bericht über fehlende Transparenz, einen binnen fünf Minuten beschlossenen Haushaltsplan und einen Allgemeinen Studierendenausschuss, der nicht einmal auf die simple Frage „Wer seid ihr?“ Auskunft gibt.

Sechs Monate – auch die Semesterferien hindurch – hat die Redaktion an der ersten Ausgabe gearbeitet: ein Heft zum 60. Jubiläum, in dem es zwangsläufig um die 68er geht (etwa in einem Beitrag über die Mao-Bibel, ein „Plastikprodukt made in China“), aber auch um jene 68er, die keine waren (ein Ehemaliger, der sich der Studentenbewegung vergnüglich in den Weg stellte). Auch Themen, die weniger angesagt sind, werden aufgegriffen, beispielsweise die Situation studentisch organisierter Christen.

Bislang sind die Reaktionen sehr unterschiedlich ausgefallen. Von wütenden E-Mails bis hin zu Liebesbekundungen hat es alles gegeben: „Eben typisch FU“, sagt Tin Fischer. Laura Wieland

Mehr im Internet:

www.furios-campus.de

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