Cannabis : Weiche Droge, harte Folgen

Für viele Jugendliche ist gelegentliches Kiffen nur eine vorübergehende Episode. Doch für einige steht es am Beginn einer Drogenkarriere oder seelischer Probleme. Allerdings sind manche gefährdeter als andere.

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Berliner Pflanze. Bei der alljährlichen „Hanfparade“ wird für die Freigabe des Cannabiskonsums demonstriert. Foto: picture-alliance/dpa
Berliner Pflanze. Bei der alljährlichen „Hanfparade“ wird für die Freigabe des Cannabiskonsums demonstriert. Foto:...Foto: picture alliance / dpa

Es ist ein weites Feld, das Wissenschaftler beackern müssen, die sich um die Wirkungen der Hanfpflanze kümmern. An einem Ende geht es darum, wie wohltuende Effekte der darin enthaltenen Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) Schmerzen und Appetitlosigkeit bekämpfen können; am anderen um schädliche Wirkungen des Kiffens auf den weiteren Lebenslauf Jugendlicher.

Vor allem dieser Aspekt ist keine Lappalie. Forscher schätzen, dass in aller Welt 200 bis 300 Millionen Menschen regelmäßig Cannabis rauchen, essen oder schnupfen. In Deutschland hat laut Suchtstatistik jeder vierte Erwachsene Erfahrungen damit gemacht. In einer repräsentativen Erhebung zur Drogenaffinität aus dem Jahr 2005 gaben 6,6 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen an, dass sie in den letzten zwölf Monaten Cannabis konsumiert hatten. Bei einem Prozent der männlichen Jugendlichen und fünf Prozent der jungen Männer gehört das Kiffen über längere Zeit zu den Alltagsgewohnheiten. Cannabis gilt zwar als „weiche“ Droge. Ob ihr Konsum illegal oder legal ist, hängt trotzdem von Ländergrenzen ab. Argumente für und wider eine Freigabe wurden in den letzten Jahrzehnten reichlich ausgetauscht.

Für einen Überblicksbeitrag in der Fachzeitschrift „Neuropharmacology“ haben Psychiater aus New York und Montreal nun mehr als 120 Studien analysiert, die die Auswirkungen des THC-Konsums auf das Gehirn Heranwachsender untersuchen. Sie sind denkbar unterschiedlich und reichen von Experimenten mit Nagern über Genanalysen und Gehirn-Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren bis zu Studien, in denen der Zusammenhang zwischen dem Kiffen und der Entwicklung von psychischen Krankheiten, Psychosen, ermittelt wird – abermals ein weites Feld.

Wer in jungen Jahren Cannabis raucht, trägt ein größeres Risiko, eine psychische Störung zu bekommen

Das Ergebnis wirkt nur auf den ersten Blick einheitlich. Zwar stellt das Team um die Psychiaterin Yasmin Hurt vom Krankenhaus Mount Sinai in New York und ihren kanadischen Kollegen Didier Jutras-Aswad von der Universität Montreal klar fest: Wer in jungen Jahren unter dem Einfluss von Cannabis steht, trägt langfristig ein größeres Risiko, eine Suchterkrankung oder eine psychische Störung zu bekommen.

Allerdings gelte das vor allem für eine besonders anfällige Untergruppe der Konsumenten, die ungefähr ein Viertel der regelmäßigen Nutzer ausmache. Die Herausforderung bestehe darin, diese Jugendlichen zu identifizieren, um sie vor Schaden zu bewahren.

Epidemiologische Studien belegen außerdem: Fast jeder, der harte Drogen nimmt, hat zuvor mit Cannabis Erfahrungen gesammelt. Damit ist allerdings noch längst nicht gesagt, dass die pharmakologische Substanz THC die „Schuld“ an einer solchen Entwicklung trägt. Gene, Persönlichkeitsstruktur, Zeitfenster der Entwicklung und nicht zuletzt das soziale Umfeld spielen dafür eine viel zu bedeutsame Rolle. Jedenfalls beim Menschen.

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