Casting für einen Flug zur ISS : Deutschland sucht die erste deutsche Astronautin

Ab sofort können sich Frauen mit deutschem Pass für einen Flug zur Internationalen Raumstation bewerben. 2020 soll dann die erste Deutsche in den Weltraum.

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Womöglich mit einer russischen Sojus-Trägerrakete von Roskosmos könnte die erste deutsche Astronautin 2020 ins All zur ISS starten.
Womöglich mit einer russischen Sojus-Trägerrakete von Roskosmos könnte die erste deutsche Astronautin 2020 ins All zur ISS...Foto: AFP

Elf Deutsche wurden schon ins All geschossen, eine Frau mit deutschem Pass war bislang nicht dabei. Auch bei der letzten Auswahlrunde der Weltraumbehörde Esa 2008 hat es keine Deutsche bis ins Finale geschafft. 2018 wird zwar ein Deutscher aber eben keine Frau zur ISS reisen. Die Initiative „Die Astronautin“ will das ändern. Frauen mit geeigneter Qualifikation und deutscher Staatsangehörigkeit sind ab sofort aufgerufen, sich zu bewerben, um spätestens 2020 zur Internationalen Raumstation ISS zu fliegen.

Sind Frauen anders schwerelos als Männer?

Die ausgewählte Astronautin soll dort die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den weiblichen Körper untersuchen und ob Frauen anders mit Enge und Isolation umgehen als ihre männlichen Raumfahrtkollegen. „Bislang liegen zu wenige Untersuchungen zur Physiologie von weiblichen Astronauteninnen vor“, sagt Hanns-Christian Gunga vom Institut für Physiologie der Charité Berlin, der die medizinische Leitung des Projekts übernommen hat.

US Astronautin Sally Ride, inzwischen an Krebs verstorben, war die erste Amerikanerin, die ins All flog.
US Astronautin Sally Ride, inzwischen an Krebs verstorben, war die erste Amerikanerin, die ins All flog.Foto: picture alliance / dpa

Die Mission einer deutschen Astronautin solle dazu beitragen, das Ausmaß der Veränderungen bei einem Raumflug besser zu erforschen, insbesondere im Hinblick auf die Veränderungen im Herz-Kreislaufsystem, bei der Temperaturregulation und dem Salz-Wasserhaushalt sowie im Skelettsystem und in der Muskulatur. „Unter anderem aufgrund des unterschiedlichen Hormonhaushalts bei Männern und Frauen ist es wahrscheinlich, dass es diesbezüglich Unterschiede zwischen Astronautinnen und Astronauten beim Aufenthalt im All gibt.“

Deutschland sucht die erste deutsche Astronautin

Das Projekt mit dem Slogan "Deutschland sucht die erste deutsche Astronautin" wurde von der Luft- und Raumfahrtingenieurin Claudia Kessler iniitiert, die Geschäftsführerin des Personaldienstleisters HE Space Operations, der Fachkräfte für die Raumfahrt rekrutiert. Bewerberinnen sollten unter anderem ein abgeschlossenes Studium in Naturwissenschaften oder im Ingenieurswesen oder eine vergleichbare Ausbildung im militärischen Bereich mitbringen, Berufserfahrung in der Wissenschaft, der Raumfahrt, der Technik, der Medizin oder in einem anderen relevanten Bereich haben und neben guter physischer und psychischer Kondition auch ein fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis vorweisen können. Auch "Medienerfahrung" setzt die Firma voraus, für die "Teilnahme an medienwirksamen Sponsoren- sowie Medienauftritten vor, während und nach dem Flug zur ISS". Das Astronautentraining im Sternenstädtchen bei Moskau oder in Houston soll schon 2017 beginnen.

Die erste Raumfahrerin der Welt, die Russin Valentina Tereschkowa nach ihrer Rückkehr aus dem All und im Jahr 2007
Die erste Raumfahrerin der Welt, die Russin Valentina Tereschkowa nach ihrer Rückkehr aus dem All und im Jahr 2007Foto: picture alliance / dpa


Welches Raumfahrtunternehmen die ausgewählte Astronautin zur ISS transportieren soll, ist allerdings noch offen. Zurzeit werde mit der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos und dem privaten Anbieter SpaceX in den USA verhandelt.

Unterstützung vom DLR

„Das DLR unterstützt das Vorhaben, eine deutsche Astronautin auszubilden und auf eine Mission ins All zu schicken“, sagte die neue Chefin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt Pascale Ehrenfreund dem Tagesspiegel. Das könne nicht nur die Raumfahrt in Deutschland populärer machen, sondern fördere auch die Wahl von naturwissenschaftlichen Studienrichtungen zur Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte – gerade auch beim weiblichen Nachwuchs.“ Ob das DLR das Vorhaben, das durch private Sponsoren und durch Crowdfunding finanziert werden soll, bezuschussen könne, sei aber noch offen. Es gebe noch keine endgültigen Absprachen. Ein Flug zur ISS kostet mindestens 55 Millionen Euro.

Als erste Frau flog 1963 die russische Kosmonautin Valentina Tereschkowa ins All.

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