CERN : Ein neuer Computer für das größte Experiment der Welt

Drei Wochen nach Beginn des größten Experiments der Welt hat das Teilchenphysiklabor Cern einen weiteren Meilenstein gesetzt.

Europäisches Teilchenphysiklabor CERN
Kabalsalat. Die Leistung des CERNs soll verbessert werden.Foto: dpa

Genf - Die Physiker nahmen in Genf einen weltweiten Verbund von Rechnern und Rechenzentren mit dem Namen Grid (englisch für Netz) in Betrieb, der die benötigte Computerleistung für die Auswertung des Experiments zur Verfügung stellen soll. Die riesigen Datenmengen, die man sich vom Betrieb des neuen „Large Hadron Collider“ (LHC) erhofft, werden so überall auf der Welt verteilt und ausgewertet. Mit ihrem Experiment sind die Forscher dem Urknall bei der Entstehung des Universums sowie unbekannten Atomteilchen auf der Spur.

Wenn der Teilchenbeschleuniger LHC, der bis Frühjahr wegen einer Panne im Kühlsystem ausfällt, erst einmal läuft, wird er rund 5000 Wissenschaftlern in 500 Forschungsinstituten weltweit Daten liefern. Diese unvorstellbar große Zahl – 15 Millionen Gigabytes im Jahr, was etwa 20 Millionen CDs entspricht – soll in 33 Ländern mit etwa 100 000 Computern ausgewertet werden, da das Cern dies weder bewältigen noch speichern kann. Sogar private Computer sollen bei Interesse mit einbezogen werden. Dennoch ist Grid kein neues Worldwideweb (www), wie es Ende der 80er Jahre ebenfalls vom Cern erfunden wurde. Sondern es nutzt das Internet, um Daten zu transportieren.

Es sei das erste Mal, dass ein Experiment weltweit ausgewertet wird, erklärten Physiker in Genf. „Man hört viel über die negativen Auswirkungen der Globalisierung“, sagte Cern-Generaldirektor Robert Aymar. Doch die Inbetriebnahme des Grid sei ein „herausragendes Beispiel für die positiven Vorteile, die globales Denken hervorbringen kann“.
Bei einer Betriebstemperatur von minus 271,3 Grad rasen bei Genf unterirdisch fast mit Lichtgeschwindigkeit Atomkerne auf einer 27 Kilometer langen Kreisbahn aufeinander zu. Beim Aufprall auftretende Phänomene werden von vier riesigen Detektoren aufgezeichnet und die Informationen über Grid an das Rechennetz weitergeleitet werden.

Die Zahl der Kollisionen im LHC – ob Bleikerne oder Protonen – ist so hoch, dass sich bei Weitem nicht alle Daten speichern lassen. Die Detektoren am LHC produzieren jede Sekunde etwa eine Milliarde Schnappschüsse der Natur, hatte Bernd Panzer vom CERN-Rechenzentrum erläutert. „Wir suchen aber nach nur einer guten Aufnahme in zehn Billionen Schnappschüssen.“ Die Datenflut wird daher von spezialisierter Elektronik noch im Detektor vorgefiltert, etwa eine CD-ROM pro Sekunde muss dann tatsächlich gespeichert werden. (dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben