Charles Darwin : Natürliche Auslese statt göttlichem Plan

An Charles Darwin führt kein Weg vorbei, wenn es um die grundsätzliche Frage des Lebens geht: Wo kommen wir her? Seine Theorie über die Entstehung der Arten bewegt die Welt bis heute. Und im Jahr 2009 ganz besonders.

Darwin Foto: dpa
Charles Darwin -Foto: dpa

Vor 150 Jahren warf ein Theologe und Naturforscher das Weltbild seiner Zeit komplett über den Haufen. Der Brite Charles Darwin legte 1859 ein schlüssiges Konzept für die Entwicklung des Lebens vor - von den Ursprüngen bis zur fantastischen Vielfalt, wie wir sie heute kennen. Seine Evolutionstheorie fußt auf Reisen und Beobachtungen bei Tierzüchtern, umfassender Lektüre, einer großen Korrespondenz sowie eigenen Experimenten.

Gleich zwei wichtige Darwin-Jubiläen fallen ins Jahr 2009: Der 12. Februar ist der 200. Jahrestag von Darwins Geburtstag. Und am 24. November jährt sich die Veröffentlichung seines epochalen Werkes "Von der Entstehung der Arten" zum 150. Mal. Eine Flut neuer Bücher, Ausstellungen und Vorträge begleitet das inoffizielle Darwin-Jahr. Die britische Post legt mehrere Briefmarken mit Darwin-Motiven auf, Denkmäler werden neu errichtet, viele Lesungen und Festivals kommen hinzu.

Jede Generation muss sich neu auf wandelnde Umstände einrichten

Darwins Theorie ruht auf drei Pfeilern: Jede Generation bringt leicht variierende Nachkommen zur Welt. Diese sind damit unterschiedlich gut an die Bedingungen ihrer Umgebung angepasst. Die natürliche Auslese lässt in der Folge die am besten ausgestatteten Individuen überleben und sich vermehren. Die neuen Nachkommen stellen sich erneut dem Wettbewerb.

Dies alles trägt sich vor dem Hintergrund beständig veränderter äußerer Bedingungen zu. Jede Generation ist also aufs Neue durch die sich wandelnde Umwelt herausgefordert. Mal wird er heißer oder kälter, mal wandern neue Räuber ein, mal kommen neue Parasiten hinzu oder verschwinden wieder.

"Darwin unterwarf die Entstehung des Menschen wie auch der gesamten übrigen Lebensfülle dem blinden Wechselspiel von Zufällen und der Auslese", erklärt der Leiter der Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung in München, Professor Josef Reichholf.

"Die natürliche Auslese hat kein Ziel"

Selbst heute gebe es noch manche Mythen zu Darwins Theorie, berichtet der Evolutionsbiologie Professor Axel Meyer von der Universität Konstanz. In vielen Büchern stehe, dass Darwin durch die ­ erst heute sogenannten ­ Darwinfinken der Galápagos-Inseln auf die entscheidenden Ideen gekommen sei, sagt Meyer auf seiner hervorragenden CD, die zum Darwin-Jahr erschienen ist (supposé- Verlag). "Ich glaube, es ist historisch korrekter zu sagen, dass Darwin erst nach seiner Rückkehr nach England, und durch das Besuchen der landwirtschaflichen Shows, (...) den Eindruck bekam, (...) dass es im Prinzip keinen Unterschied zwischen der künstlichen und natürlichen Auslese gibt." Eine der ganz wichtigen Erkenntnisse Darwins ist laut Meyer: "Die natürliche Auslese hat kein Ziel."

Dennoch gebe es bis in die heutigen Tage bei vielen Menschen ein teleologisches Denken ­ diese Auffassung unterstellt, dass es bei Naturphänomenen einen inneren Zweck gibt. Dazu gehört die Meinung, dass die Evolution einen Plan verfolge, nach dem es eine immer größere Komplexität gibt, an dessen Ende der Mensch entstehen musste. "Dem ist natürlich nicht so." Die Evolution wolle nicht den perfekten Organismus schaffen, "es überleben einfach einige besser als andere, und das war's", sagt Meyer. Die natürliche Auslese habe kein Ziel, könne aber dennoch über Generationen hinweg dazu führen, dass Trends entstehen, etwa größere Huftiere oder schnellere Geparden.

Darwin war nicht der erste und bei weitem nicht der einzige Forscher, der sich mit der Herkunft der Arten befasste. Dem Lamarckismus zufolge werden Flossen durch schnelles Schwimmen größer oder Hälse bei Giraffen länger, wenn sie sich nur oft genug strecken. Irgendwie müssen diese neuen Eigenschaften dann vererbt werden. Diese Theorie von Jean-Baptiste Lamarck spielt heute keine Rolle mehr. Alfred Russel Wallace (1823-1913) entdeckte unabhängig von Darwin die Entstehung neuer Arten und wird mit ihm häufig in einem Atemzug genannt ­ Darwins Korrespondenz mit Kollegen weist ihn selbst aber als jenen aus, der die Idee von der Abstammung mit Abänderung zuerst hatte.

Darwin stand in Kontakt mit vielen Wissenschaftlern

Darwin stammte aus wohlhabenden Verhältnissen, interessierte sich früh für die Natur. Es schloss ein Theologiestudium ab, knüpfte aber schon währenddessen Kontakte zu Naturwissenschaftlern und erhielt in jungen Jahren, noch schlecht ausgebildet, die Einladung zur Reise mit der Beagle ­ als unbezahlter Forscher, und anfällig für die Seekrankheit.

Der Wissenschaftler bewältigte mit kaum vorstellbarer Energie eine riesige Korrespondenz und unternahm auch im Alter tägliche Spaziergänge auf einem inzwischen berühmten Sandweg hinter dem Haus. Aus der Heirat mit seiner Cousine Emma Wedgwood gingen vier Töchter und sechs Söhne hervor, sieben Kinder überleben die Eltern. Darwin starb am 19. April 1882 im Kreis der Familie und wurde in der Westminster Abbey in London beigesetzt. Ein Chor sang Händels Hymne "His body is buried in peace but his name liveth evermore" ­ etwa: "Sein Körper ruht in Frieden aber sein Name lebt ewig fort". (sp/dpa)

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