Chemie-Nobelpreis : Höchste Ehre für drei Nano-Bastler

Ein Schotte, ein Niederländer und ein Franzose werden mit dem Nobelpreis geehrt. Ihre Forschung hat die Tür zum Mikrokosmos aufgestoßen.

Ralf Nestler
Moment der Wahrheit. Die Preis-Verkündung durch das Stockholmre Nobelpreis-Komitee.
Moment der Wahrheit. Die Preis-Verkündung durch das Stockholmre Nobelpreis-Komitee.Foto: AFP

Rund um die Nobelpreise gibt es allerhand Riten, einschließlich des Anrufs bei den Preisträgern. Es ist schon auffällig, dass praktisch alle Geehrten dann erklären, wie überrascht sie seien und dass sie damit – also wirklich – nicht gerechnet hätten. So äußerte sich auch Bernard Feringa, als die frohe Botschaft aus Stockholm eintraf: „Ich wusste nicht, was ich sagen sollte und war ein bisschen geschockt, weil das so eine große Überraschung war.“

Basteltrieb. Der Niederländer Bernard Feringa beim molekularen Origami.
Basteltrieb. Der Niederländer Bernard Feringa beim molekularen Origami.Foto: REUTERS

Indes, die Chancen standen nicht so schlecht. Der 65-jährige Niederländer gilt als Weltklasse-Chemiker, er hat maßgeblich zur Entwicklung molekularer Maschinen beigetragen – einschließlich des ersten „Autos“ (s. Infografik) im Nanomaßstab – und wurde bereits vielfach ausgezeichnet.

Geboren am 18. Mai 1951 in Barger-Compascuum, studierte und promovierte er in Chemie. Nach einem Job bei Shell kehrte er zurück an die Universität Groningen, wo er 1988 Professor wurde. Er hält mehr als 30 Patente und ist an mehr als 650 Publikationen beteiligt. 2008 wurde er von Königin Beatrix geadelt. Er erhielt unter anderem den Spinoza-Preis, die Van’t-Hoff-Medaille (die nur alle zehn Jahre verliehen wird), den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft und den Humboldt-Forschungspreis.

Viel gefragt. Jean-Pierre Sauvage von der Universität Straßburg nach der Bekanntgabe.
Viel gefragt. Jean-Pierre Sauvage von der Universität Straßburg nach der Bekanntgabe.Foto: REUTERS

Den mit acht Millionen Kronen (830 000 Euro) dotierten Nobelpreis teilt er sich mit Fraser Stoddart und Jean-Pierre Sauvage. Letzterer wurde am 21. Oktober 1944 in Paris geboren. Er promovierte in Straßburg, ging nach Oxford und kehrte 1971 nach Straßburg zurück, um am CNRS (Centre national de la recherche scientifique) zu arbeiten, wo er später Forschungsdirektor wurde. 2009 wurde er emeritiert.

Extrem kleines Karo. Der Schotte Fraser Stoddart war einer der ersten, der molekulare Maschinen konstruierte.
Extrem kleines Karo. Der Schotte Fraser Stoddart war einer der ersten, der molekulare Maschinen konstruierte.Foto: REUTERS

Fraser Stoddart wurde am 24. Mai 1942 in Edinburgh geboren, wo er auch studierte und promovierte. Neben seinen Leistungen in der Chemie ist er für seine Darstellung molekularer Strukturen bekannt. Üblicherweise sind Gebilde aus vielen Atomen wilde Knäuel. Um sich dennoch zurechtzufinden, führte Stoddart Farben ein, die wichtige Strukturen kennzeichnen. Das fand bald Nachahmer. Auch er ist vielfach ausgezeichnet worden und unter anderem Mitglied der Deutschen Nationalakademie Leopoldina. nes

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