Chemie : Schwere Jungs aus Hessen

Nun ist es offiziell: Das chemische Element mit der Ordnungszahl 112, das 1996 am Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung Darmstadt erstmals nachgewiesen wurde, wird ins Periodensystem der Elemente aufgenommen.

Ralf Nestler

Der zuständige Verband Iupac (International Union of Pure and Applied Chemistry) teilte jetzt dem Leiter des Entdeckerteams, Sigurd Hofmann, die frohe Kunde mit. „Wir freuen uns sehr, dass nun auch das sechste und somit alle bei uns in den vergangenen 30 Jahren entdeckten Elemente offiziell anerkannt sind“, sagt Hofmann. Dazu zählen etwa Meitnerium, Darmstadtium und Roentgenium.

Das neue Element hat bislang nur den systematischen Namen „Ununbium“, was so viel wie 1-1-2 heißt und auf seine Ordnungszahl verweist. Ein griffiger Gebrauchsname fehlt noch. Sein Team hat bereits Vorschläge gemacht, sagt Hofmann, neben Orten vor allem namhafte Wissenschaftler. Welche das sind, will er aber nicht verraten: „In rund zwei Wochen werden wir einen, und nur einen, Namen präsentieren.“ Wenn dieser die Prüfung der Iupac besteht, wird er im Periodensystem festgeschrieben.

Solange heißt die Substanz Unumbium oder schlicht „Element 112“. Es ist 227-mal schwerer als Wasserstoff und somit das schwerste Element im Periodensystem. In die Hand nehmen und betrachten kann man es allerdings nicht. Die Darmstädter Wissenschaftler sowie zwei Forschergruppen aus Japan und Russland haben bisher nur einzelne Atomkerne herstellen können. Zwischen einer Tausendstel und vier Sekunden hatten diese Bestand, bevor sie in leichtere Elemente zerfielen: Zunächst zu Darmstadtium (Ordnungszahl 110), dann Hassium (108), was für Hessen steht, Seaborgium (106) – bis hin zu Nobelium (102).

Weil die Atomkerne so instabil sind, ist das Element in der Natur nicht zu finden und muss künstlich erzeugt werden. „Wir haben dazu die Atomkerne von Blei und Zink miteinander verschmolzen“, sagt Hofmann. Das ist allerdings sehr schwierig, weil die Kerne positiv geladen sind und sich gegenseitig abstoßen. Die Darmstädter Forscher haben es dennoch geschafft, indem sie in ihrem Beschleuniger Zinkionen mit einer Geschwindigkeit von rund 30 000 km/h auf eine Bleifolie schossen. Jede Sekunde trafen dort sechs Billionen Projektile auf, berichtet der Kernphysiker. „Im Durchschnitt entstand dabei ein Atomkern des Elements 112 – pro Woche.“

Über die Eigenschaften ist wenig bekannt. „Es steht im Periodensystem nahe bei Quecksilber und wird ebenfalls flüssig, vielleicht auch gasförmig sein“, sagt Hofmann.

Wissenschaftler suchen weltweit superschwere Elemente. Hofmann zufolge haben Kernforscher im russischen Dubna bereits Elemente mit den Ordnungszahlen 113, 114, 115, 116 und 118 hergestellt. Diese sind aber noch nicht anerkannt. Ralf Nestler

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