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Computer-Panne bei Flug zur ISS : Astronauten stecken in Sojus-Kapsel fest

Wegen einer Computer-Panne ist die Ankunft von drei Raumfahrern aus Russland und den USA an der Internationalen Raumstation ISS vorerst gescheitert.

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Da war noch alles in Ordnung. Am Dienstagabend starteten von Baikonur aus drei Astronauten an Bord einer Sojus-Rakete in Richtung Internationale Raumstation.
Da war noch alles in Ordnung. Am Dienstagabend starteten von Baikonur aus drei Astronauten an Bord einer Sojus-Rakete in Richtung...Foto: AFP

Beim Flug von drei Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS hat es eine Panne gegeben. Am Mittwoch um 4.04 Uhr (MEZ) sollte das „Sojus“-Raumschiff nach sechsstündiger Reise an der Station festmachen, doch der Anflug musste abgebrochen werden. Nun sitzen die drei Raumfahrer in der engen Kapsel fest, das nächste Andockmanöver ist für Freitagmorgen um 0.58 Uhr geplant.

Alexander Skworzow, Oleg Artemjew sowie Steve Swanson waren am Dienstagabend vom Weltraumbahnhof Baikonur abgehoben. Doch dann gab es Probleme. Das Raumschiff änderte seine Flugbahn nicht wie geplant, vermutlich wegen eines Computerfehlers. Was genau schiefging ist noch nicht geklärt, die Daten des Raumschiffs werden zurzeit ausgewertet.

"Der Besatzung geht es gut"

„Der Besatzung geht es gut“, heißt es aus dem Flugleitzentrum bei Moskau. Sie verfüge über ausreichend Trinkwasser und Nahrung für den zweitägigen Flug. Die Männer wurden angewiesen, ihre dicken Raumanzüge abzulegen. Das gerät in der engen Kapsel zur Akrobatik. In den Raumschiffen sitzen die drei Mitflieger dicht gedrängt, sind umgeben von Bildschirmen, Schaltern und Hebeln. Als persönliches Gepäck darf jeder nur einen 1,5 Liter großen Beutel mitnehmen. Kleidung und Essen für den Aufenthalt auf der ISS wird mit unbemannten Transportraumschiffen nach oben gebracht.

Auch Alexander Gerst hat sein Gepäck bereits aufgegeben. Der Deutsche soll am 28. Mai ebenfalls von Baikonur aus zur ISS fliegen. Ihm und seinen beiden Crewkollegen Maxim Surajew und Reid Wiseman könnte das Gleiche passieren wie der Mannschaft, die jetzt auf den nächsten Kopplungsversuch wartet. Über Twitter versuchte Gerst, allzu große Aufregung zu vermeiden: „Soyuz hat Manöver 3 nicht durchgeführt, docken an ISS nun erst in 2 Tagen (was bis letztes Jahr sowieso Standard war).“ Und „der Crew geht’s prima. Jetzt erst mal Fehlersuche…“.

Solche Notfälle werden monatelang trainiert

In solchen Situationen sei es wichtig, nicht in Panik zu geraten, hatte Gerst vor Kurzem im Moskauer Kosmonautentrainingszentrum vor Journalisten gesagt. „Denn dann macht man Fehler.“ Um vorbereitet zu sein, simulieren die Raumfahrer monatelang alle erdenklichen Notfälle wie Feuer, Sauerstoffverlust – oder den Abbruch eines Andockmanövers.

Wenn die Kopplung am Freitag gelingt, werden die drei Astronauten bis September auf der Raumstation bleiben. 400 Kilometer über der Erde sollen sie Experimente und Wartungsarbeiten ausführen.

Kooperation im Weltraum bisher nicht von Ukraine-Krise betroffen

Die ISS wird gemeinsam von Russland, den USA, Europa sowie Kanada und Japan betrieben. Trotz einer angespannten Lage zwischen den Staaten infolge der russischen Aktivitäten auf der Krim gibt es bisher keine Auswirkungen auf das gemeinsame ISS-Programm. Der Nasa-Chef Charles Bolden hatte Anfang März erklärt, „die Partnerschaft im Weltall bleibt intakt und normal“. Nach dem Einmarsch in Georgien 2008 sei die Kooperation auch nicht beendet worden.

„Bislang verläuft das ISS-Geschäft planmäßig“, sagte gestern Volker Schmid, der beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt für den ISS-Betrieb verantwortlich ist, dem Tagesspiegel. Bester Beweis sei der aktuelle gemeinsame Flug von zwei Russen und einem Amerikaner. „Wir erwarten keine Störungen, denn die will am Ende keiner der beteiligten Partner, sie wären selbst die Leidtragenden.“ Auch was den Flug von Gerst betrifft, sieht Schmid aktuell keine Anzeichen dafür, dass es Probleme geben könnte.

Es stünde auch viel auf dem Spiel: Die ISS-Kooperation ist durch Verträge streng geregelt. Und es geht um viel Geld. Die Nasa zum Beispiel gibt jedes Jahr drei Milliarden Dollar dafür aus, Europa 300 Millionen Euro.

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