DAAD-Alumna : Minister made in Germany

Amel Karboul, Unternehmensberaterin, Autorin und ehemalige Ministerin der tunesischen Übergangsregierung, über ihr DAAD-Stipendium.

Amel Karboul
Amel Karboul
Amel KarboulFoto: Nikki Hill

Ich hätte 1991, als ich nach Heidelberg ging, niemals gedacht, dass Deutschland zu meinem Adoptionsland wird. Mein DAAD-Stipendium hat mir nicht nur ermöglicht, eine neue Sprache zu lernen, sondern gab mir eine zweite, erweiterte Identität. Ich lernte mich selbst kennen, denn nichts war mehr selbstverständlich. Ich kämpfte täglich mit der eigenen Haltung schwankend zwischen Ablehnung und Begeisterung wie ein Boot in einem Sturm. Als die See ruhiger wurde, konnte ich mich umsehen, den Schaden betrachten, aber auch das neue Ich entdecken. Ich lernte, dass ich mehr Fragen habe als Antworten und dass dies gar keine schlechte Nachricht sei. Die deutsche Tugend der kritischen Auseinandersetzung mit mir selbst und meiner Umgebung hat mich 2014 über viele Umwege zu meinem Ursprungsland Tunesien als „Minister made in Germany“ zurück gebracht. 2014 war auch ein Jahr der Stürme. Ich war nach fast 24 Jahren zurück in Tunesien und wieder konfrontiert mit vielen Unterschieden. Die See war sogar höher und rauer als damals, denn nun ging es nicht mehr um mich in meinem Ein-Personen-Boot, sondern um die Mammut-Aufgabe, dabei zu helfen, die erste Demokratie der arabischen Welt Wirklichkeit werden zu lassen. Diesmal hatte ich aber den Vorteil, schon mal gesegelt zu haben. Danke DAAD.

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