Das bunte Treiben der Farne : Sex wie in der Kreidezeit

Pferd plus Esel gleich Maultier. Bei Tieren sind hybride Nachkommen bestenfalls zwischen eng verwandten Arten möglich. Bei Farnen machen es sogar Arten verschiedener Gattungen miteinander.

In der Natur bringen mitunter Angehörige verschiedener Arten erfolgreich Nachwuchs hervor. Auf diese Weise können große entwicklungsgeschichtliche Zeiträume überbrückt werden, belegt ein in Frankreich gefundener Farn-Hybrid. Dessen Eltern gehören zwei Linien an, die seit gut und gerne 60 Millionen Jahren getrennte Wege gehen.

Als ob Menschen mit Lemuren Sex haben

„Das ist ungefähr so, als würden Elefant und Seekuh einen Hybrid hervorbringen – oder Mensch und Lemur“, erläutern die Biologen um Carl Rothfels von der amerikanischen Duke University. Zwar könne sich der Farn-Mischling nur vegetativ durch die Bildung von Ablegern vermehren. Gleichwohl verweise seine Existenz auf einen neuen Erklärungsansatz für die geringe Zahl von Farnspezies auf der Erde, schreiben die Forscher im Fachblatt „American Naturalist“.

Farne sind unter Botanikern und Naturfreunden ohnehin bekannt für ihre Neigung zur Hybridisierung. Ein Grund dafür wird in ihrem Fortpflanzungszyklus gesehen, der zwei unterschiedliche Pflanzen umfasst: Der „eigentliche“ Farn hat kein Geschlecht und streut lediglich Sporen aus. Erst aus diesen Sporen erwachsen unscheinbare geschlechtliche Pflänzchen, aus deren Befruchtung wieder ein großer Sporenbildner hervorgeht.

Eltern aus verschiedenen Gattungen

Welche Flexibilität dabei möglich ist, belegt der in den französischen Pyrenäen gefundene Farn. Rothfels und Kollegen ermittelten, dass der Cystocarpium roskamianum getaufte Hybrid auf eine Befruchtung zwischen einem Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris) und einem Zerbrechlichen Blasenfarn (Cystopteris fragilis) zurückgeht. Die beiden Eltern gehören somit nicht nur verschiedenen Spezies an, sondern auch verschiedenen Gattungen, manche Fachleute ordnen sie gar verschiedenen Familien zu. Anhand der genetischen Unterschiede schätzen die Forscher, dass sich die beiden Linien vor mindestens 40 Millionen Jahren und höchstens 76 Millionen Jahren voneinander getrennt haben. (jkm)

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