Wissen : Das neue Lehrkonzept

Ein Interview mit TU-Vizepräsident Jörg Steinbach

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Seit Juni 2002 sind Sie als 1. Vizepräsident zuständig für Lehre und Studium. Sie haben angekündigt, das Studienangebot international auszurichten. Was wollen Sie ändern?

Bislang bieten wir einige weiterbildende Studiengänge als Masterstudiengänge und ab diesem Wintersemester auch Elektrotechnik mit Bachelor und Masterabschlüssen an. Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden wir bei den meisten der rund 75 Studiengänge diese international üblichen Abschlüsse einführen. Voraussetzung dafür ist die Modularisierung der Studiengänge.

Was heißt Modularisierung?

Dahinter steht eine andere Lehrkonzeption. Bisher stand die einzelne Lehrveranstaltung im Mittelpunkt. Künftig wird man sich an einem Lehr- und Lernziel orientieren. Dafür müssen aufeinander abgestimmte, zu einem Modul zusammengefasste Veranstaltungen besucht werden. Aus mehreren Modulen entsteht ein Studiengang.

Werden dafür bestehende Lehrveranstaltungen einfach nur zusammengefasst?

Das macht keinen Sinn. Die Studieninhalte müssen überarbeitet und gegebenenfalls neu gestaltet werden. Auch, weil neue Lehrinhalte hinzukommen, ohne dass die Gesamtstundenzahl steigen darf: zum Beispiel praxisorientierte und fremdsprachliche Elemente sowie soziale Kompetenzen, wie beispielsweise Teamfähigkeit und kritisches Denken – aber auch die Fähigkeit zur selbstständigen Weiterbildung.

Was bedeutet das für die Studierenden?

Es wird für Studierende einfacher, an eine andere Hochschule zu wechseln und sich anderswo absolvierte Module anerkennen zu lassen, da sie mit international anerkannten Credit Points bewertet sind. Bei diesem System erhält man für eine Lehrveranstaltung Leistungspunkte. Für den Abschluss ist eine bestimmte Punktzahl notwendig.

Wie wollen Sie die Pläne umsetzen?

In zwei Jahren soll die Hälfte aller Studiengänge modularisiert sein. Das wird ein enormer Kraftakt. Den werden wir nur in enger Zusammenarbeit mit den Fakultäten bewältigen. Mit zwei Fakultäten sind bereits Zielvereinbarungen abgeschlossen worden. Diese beinhalten zum Beispiel Termine über die Einführung der Credit Points. Halten sich die Fakultäten nicht an das Vereinbarte, wird es beim nächsten Mal weniger Gelder geben. Ein wesentlicher Teil ist zudem die Evaluierung der Studiengänge. In der Informatik hat sie dazu geführt, dass neben der Einführung von Bachelor und Master eine neue Studien- und Prüfungsordnung für das Diplomstudium erstellt wird. Bis 2004 sollen die Evaluierungen soweit abgeschlossen sein, dass 90 Prozent der Studierenden erreicht wurden.

Das Interview führte Christian Hohlfeld.

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