Wissen : Das Spiel mit dem Sonnenfeuer

Frank Schubert

Im Jahr 1995 sorgten die Schweizer Astronomen Michel Mayor und Didier Queloz für eine Sensation. Sie entdeckten den ersten echten Exoplaneten – also den ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist. Damit war klar, dass unser Planetensystem nicht das einzige ist. Heute ist so eine Entdeckung keine Sensation mehr: Rund 270 Exoplaneten wurden bereits aufgespürt, und fast täglich kommen neue hinzu. Sie sind mit Teleskopen nicht zu sehen und verraten sich nur durch die Wirkung auf ihre Umgebung. Die meisten Exoplaneten wurden entdeckt, weil sie mit ihrem Gewicht an ihrem Zentralstern zerren. Der gerät dadurch ins Torkeln. Wenn die Forscher das Lichtspektrum des Sterns untersuchen, können sie erkennen, wie sehr er taumelt. Daraus lässt sich ableiten, wie viel Masse der Exoplanet besitzt und in welchem Abstand er den Stern umkreist.

Viele davon kreisen extrem eng um ihren Stern – manche in einem Abstand von wenigen Millionen Kilometern (zum Vergleich: Die Erde ist von der Sonne etwa 150 Millionen Kilometer entfernt). Derart nahe an ihrem gleißenden Zentralstern werden die Exoplaneten auf mehrere 1000 Grad erhitzt, weshalb man sie Heiße Jupiter nennt.

Das wirft die Frage auf, wie dicht ein Gasplanet seinem Stern kommen kann, ohne zu verdampfen. Ein Team um Tommi Koskinen vom University College London hat das jetzt berechnet und das Ergebnis im Fachmagazin „Nature“ (Band 450, Seite 845) veröffentlicht. Die Forscher fanden eine scharf begrenzte „Todeszone“ um Sterne herum. Kreisen die Planeten außerhalb dieser Region, bleiben ihre Atmosphären – und damit sie selbst – intakt. Bewegen sie sich in der Zone, erhitzt sich ihre Atmosphäre dramatisch, bläht sich auf und verdampft, wodurch der Planet schrumpft. Die Grenze liegt bei 0,16 astronomischen Einheiten, das entspricht 24 Millionen Kilometern.

Koskinen und sein Team gingen von einem jupiterähnlichen Planeten aus, dessen Atmosphäre aus Wasserstoff und Helium besteht – die übliche Zusammensetzung solcher Gasriesen.Frank Schubert

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