Das Wetter : Warum die Prognosen irren

Große Wärme war angesagt, aber sie kam nicht: So ging es in den vergangenen Tagen vielen. Meteorologen sagen, dass nur drei- bis viermal im Jahr die Prognose richtig danebengeht.

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Eingeschlagen. Bei dem derzeit herrschenden Wetter gibt es viele Gewitter. Wo genau sich diese Energiebündel bilden und welche Orte verschont bleiben, können Meteorologen aber nicht vorhersagen. Foto: dpa
Eingeschlagen. Bei dem derzeit herrschenden Wetter gibt es viele Gewitter. Wo genau sich diese Energiebündel bilden und welche...Foto: dpa

Der Sommer kommt, und zwar richtig. Mit viel Sonne und Temperaturen von teils deutlich mehr als 30 Grad Celsius, sagten verschiedene Wetterdienste in den vergangenen Tagen voraus. Doch wer morgens allzu dünn gekleidet aus dem Haus trat, den fröstelte. Nicht mal 20 Grad zeigte das Thermometer in Berlin am Vormittag, erst gegen Nachmittag wurde es wärmer, örtlich gab es heftige Gewittergüsse, während wenige Kilometer weiter kein Tropfen niederging. Stoff genug für das beliebteste Gesprächsthema: Das Wetter und die schlechten Vorhersagen.

Detlef Schulz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Potsdam redet nicht drumherum und sagt ehrlich „Fehlprognose“. Die Warmfront von Südwesten kam nicht so gut durch, wie die Computermodelle vorhergesagt hatten. Demnach hätte sie in Richtung Ostsee ziehen sollen, gefolgt vom heißen Sommerwetter. Wider Erwarten sei von der Nordsee kühle Luft bis in den Berliner Raum vorgedrungen und habe die Warmfront vor den Toren der Stadt blockiert, erläutert der Meteorologe. Statt Sonne sah man vielerorts eine dicke Wolkendecke, die Temperaturen bleiben entsprechend unter den prognostizierten Werten. „Bis nach Sachsen und Südbrandenburg war die warme Luft bereits gekommen, dort gab es schon am Dienstag richtige Sommertage“, sagt Schulz. Erst gestern Mittag hatte die Warmfront auch Berlin hinter sich gelassen, wo es dann den verspäteten Bilderbuchsommer gab.

„Fehlprognosen gibt es immer wieder, das muss man sich klar machen“, sagt Schulz. Drei bis viermal im Jahr, schätzt er, geht die Vorhersage richtig daneben. Daran ändern auch die immer besseren Wettermodelle nichts. Die beschriebene „Grenzwetterlage“, bei der zwei Luftmassen um die Vorherrschaft in einem Gebiet kämpfen, sei schwer zu handhaben, sagt der DWD-Meteorologe. Je nachdem, ob man sich auf der einen oder der anderen Seite der Grenze befindet, kann das Wetter sehr unterschiedlich sein. „Den Verlauf dieser Linie vorherzusagen ist sehr schwer.“

Das ist allerdings nicht das einzige Problem, mit dem die Meteorologen derzeit zu kämpfen haben. Je wärmer und feuchter die Luft ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich Gewitter bilden. Das machen die Wetterdienste auch deutlich, indem sie „örtlich Gewitter“ ansagen lassen. Aber wo genau Blitz und Donner wüten, ist ein Spiel mit vielen Unbekannten. Zu vielen Unbekannten.

Alles beginnt damit, dass infolge der Hitze viel Luft nach oben steigt. Oben wird es kühler, Feuchtigkeit kondensiert, Wolken entstehen. Zum Ausgleich strömt in der Nähe Luft nach unten, es entsteht ein Kreislauf, der teilweise auch benachbarte Luftmassen mitreißt. „Gewitterzellen“ sagen Fachleute dazu. Von oben gesehen sind sie meist nur wenige Kilometer groß, vor allem aber bilden sie sich sehr schnell. „Manchmal dauert es nur 20 Minuten“, sagt Gerhard Lux, Sprecher beim DWD in Offenbach. Wo sie entstehen, könne keiner vorhersehen, sie folgten dem Chaosprinzip. „Das ist, als ob man in einen Kochtopf schaut und vorhersagen will, wo die nächste Blase aufsteigt“, erläutert er. „Man wird ziemlich sicher danebenliegen.“

Deshalb versuchen die Meteorologen, jene Gebiete zu identifizieren, in denen es prinzipiell zu Gewittern kommen kann und sprechen dann eine allgemeine Warnung aus. „Es kann sein, dass das Gewitter direkt über einen hinwegzieht, es kann aber auch sein, dass es 20 Kilometer entfernt entsteht, das bekommt man gar nicht mit“, sagt Lux.

Die einen würden sagen, „der Wetterbericht stimmt nicht“, die anderen „stimmt aber sehr wohl.“ Wer hat recht? Und wann reden Meteorologen eigentlich von einer zutreffenden Vorhersage? Das ist eine Wissenschaft für sich. Allein der DWD beschäftigt acht Forscher, die ständig Vorhersage und Wirklichkeit vergleichen. „Gemessen an den Standards, die für nationale Wetterdienste in Mitteleuropa gelten, haben wir eine Trefferquote von 92 Prozent bezogen auf die nächsten anderthalb Tage“, sagt Lux. Dieser Wert sinkt bis auf 78 Prozent für den siebten Tag. Als gute Vorhersagen gelten solche, bei denen die gemessene Temperatur um weniger als 2,5 Grad von der Prognose abweicht oder die Windrichtung um höchstens 30 Grad auf dem Kompass abweicht. Würde man eine größere Fehlertoleranz erlauben, hätte man eine höhere Trefferquote.

Insgesamt haben die Meteorologen in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte erzielt. Ende der 60er Jahre lagen die Prognosen der Tageshöchsttemperatur für den nächsten Tag in sechs Prozent der Fälle um mehr als fünf Grad daneben. Dieser Wert ist binnen 30 Jahren auf 0,6 Prozent gesunken. Eine hundertprozentige Trefferquote für ihre Vorhersagen werden sie aber nie erreichen.

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