Wissen : Daten für die Welt

Internet-Pionier erhält Preis in Potsdam

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„Zwei Milliarden Menschen sind bereits Internetnutzer, die übrigen viereinhalb kriegen wir auch noch.“ Mit solchen Sprüchen gewinnt Vint Cerf das Publikum. Auch gestern in Potsdam hatte der Amerikaner, der als einer der Väter des Internets gilt, leichtes Spiel. Während seines Vortrags am Hasso-Plattner-Institut (HPI) rief er immer wieder Gelächter hervor. Etwa mit der Idee, die Flaschen in seinem Weinkeller mithilfe von Funkchips auf dem Etikett oder im Korken auszustatten, die sofort Alarm schlagen, wenn sich Unbefugte an seinen Schätzen vergreifen.

Cerf kam aber nicht nur zum Scherzen nach Potsdam. Der 67-Jährige wurde vom Institutsdirektor Christoph Meinel als HPI-Fellow ausgezeichnet. In den Vorjahren ging die Medaille unter anderem an Angela Merkel, Manfred Stolpe sowie Robert Kahn, der gemeinsam mit Cerf das Internetprotokoll TCP/IP entwickelt hat. Auch Stanford-Präsident John Hennessy wurde mit dem undotierten Preis dekoriert. Man kann also durchaus fragen, welche Seite mehr von der Auszeichnung hat.

Den Zuschauern war das egal, sie erlebten einen Vortrag, in dem Cerf binnen einer halben Stunde Anfang, Gegenwart und Zukunft des Internets skizzierte. „Das Besondere ist, dass es eine freiwillige Kooperation ist, es gibt keine zentrale Steuerung“, sagte Cerf. Das habe große Vorteile, aber auch negative Folgen wie an Sicherheitsproblemen zu erkennen sei.

Diese sollen zumindest teilweise durch einen neuen Standard zur Datenübertragung gelöst werden. IPv6 heißt das Zauberwort, es steht für Internet Protocol Version 6. Die ist dringend nötig, denn mit der gegenwärtigen Version 4 (Version 5 kam nicht zum Einsatz) können nur vier Milliarden Internetadressen vergeben werden. Im Lauf dieses Jahres werden sie aufgebraucht sein. IPv6 ermöglicht 340 Sextillionen IP-Adressen. Das ist eine Zahl mit 39 Stellen. Sie verschafft den Entwicklern für eine ganze Weile Luft. Am 8. Juni wollen Firmen wie Google, Facebook und Yahoo versuchsweise ihre Inhalte parallel im neuen Format anbieten. Bei diesem gewaltigen Experiment wird sich zeigen, ob die zahlreichen Geräte der Nutzer damit klarkommen.

Was das Internet alles möglich macht, illustrierte Cerf mit einer kleinen Anekdote. Der Vizepräsident von Google hat in seinem Haus mehrere Klimasensoren angebracht, natürlich auch im Weinkeller. Steigt dort die Temperatur über 15 Grad Celsius, bekommt er eine SMS. Neulich sei er drei Tage in Chicago gewesen, erzählte Cerf und machte sein Achtung-Pointe-Gesicht. „Gleich am Anfang erhielt ich so eine Botschaft.“ Seine Frau war nicht zu Hause, um die Klimaanlage neu zu starten. „Seitdem bekam ich alle fünf Minuten eine Nachricht, und das drei Tage lang!“ Wieder Gelächter.

Die nächste Gelegenheit, den Google- „Chief Internet Evangelist“ zu erleben, gibt es heute um 16 Uhr an der Uni Potsdam. Oder im nächsten Jahr. Denn er musste HPI-Direktor Meinel versprechen, als Preisträger jedes Jahr hier einen Vortrag zu halten. Ralf Nestler

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