Wissen : DDT könnte zu Alzheimer beitragen Das Pestizid wäre aber nur ein Faktor von vielen

Obwohl in den meisten Ländern seit langem verboten, könnte das Pestizid DDT weiterhin die Gesundheit vieler Menschen beeinflussen. Möglicherweise erhöhe es das Alzheimer-Risiko, berichten Forscher um Jason Richardson von der Medizinischen Hochschule der Universität Rutgers in Piscataway (USA) im Fachblatt „Jama Neurology“.

Sie hatten die Blutwerte von 86 Alzheimer-Patienten mit denen von 79 gesunden Menschen verglichen. Bei 70 Prozent der Gesunden und 80 Prozent der Kranken fanden sie Spuren von Dichlordiphenyldichlorethen (DDE), ein langlebiges Abbauprodukt des DDT. Die Konzentration lag bei den Alzheimer-Patienten im Schnitt um den Faktor 3,8 höher. In Tests ergab sich ein statistischer Zusammenhang zwischen der Hirnfunktion und der DDE-Konzentration im Blut.

Lutz Frölich vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim ist skeptisch: Es sei eine sehr kleine Studie. Das Ergebnis sei interessant, aber keineswegs sicher belegt. Man könne es lediglich als Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang werten. Denkbar sei, dass die Substanzen ganz allgemein die Anfälligkeit für Hirnerkrankungen – also zum Beispiel auch für Schlaganfall oder Parkinson – erhöhen. „Wenn, dann ist das aber nur ein Faktor von vielen, die das Risiko beeinflussen“, sagt Frölich.

Versuche mit Zellkulturen zeigten die mögliche Wirkungsweise: Wurden Nervenzellen hohen DDT- oder DDE-Konzentrationen ausgesetzt, entstand darin verstärkt ein Vorläufer-Protein für das Beta-Amyloid, das sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten findet. dpa

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