Debattierclub : Im Tagesspiegel streiten lernen

Der Debattierclub für Schüler und Studenten erfreut sich großer Beliebtheit und stärkt die eigene Fähigkeit zum Diskutieren. Obendrein tauchen die Teilnehmer in interessante Themen ein.

Stephan Struve

Der Volksmund sagt: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Er irrt. Speziell das Debattieren ist durchaus nützlich – für Schule, Studium und Beruf. Aus diesem Grunde treffen sich Schüler und Studierende einmal monatlich im Debattierclub des Tagesspiegels und diskutieren Fragen, die vielen jungen Leuten unter den Nägeln brennen. Beim letzten Termin ging es um die Frage, ob Universitäten in allen Fächern Eignungsprüfungen einführen sollen: Reicht die Abiturnote, um die Befähigung zum Studium nachzuweisen – oder sollen die angehenden Studenten ihre Eignung in speziellen Tests und Gesprächen nachweisen, wie es in einigen Fächern und Universitäten bereits praktiziert wird?

Als auswärtiger Gast war Sebastian Czaja geladen, bildungspolitischer Sprecher der FDP und das jüngste Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus. Bissig begann er seine Einführung: „Die Situation an deutschen Universitäten ist katastrophal“, sagte der Abgeordnete. Viele Studenten würden den Anforderungen nicht gerecht und brächen ihr Studium ab. Czajas Folgerung: „Die Hochschulen müssen selbstständig entscheiden und testen, wen sie zulassen.“

Das Feld der Redner im Alter zwischen 17 und 22 Jahren teilte sich daraufhin in zwei Lager: pro und contra Eignungsprüfungen. Als sich die Gruppen an den Tischen formiert hatten, durchbrach Simon Wendroth die anfängliche Aufregung: „Die deutschen Schulen schaffen für die angehenden Studenten kein einheitliches Niveau. Eignungsprüfungen sind notwendig, damit die Unis wissen, ob die Studenten den Anforderungen entsprechen.“

Benjamin Singer entgegnete, ein solcher Test sei nur ein „Verschiebebahnhof“, da er eigentlich schon am Ende der Schule stehen müsste. „Um die Abbrecherquote im Studium zu reduzieren, muss vielmehr das Abitur bundesweit vereinheitlicht werden“, rüttelte der Jura-Student an der bildungspolitischen Hoheit der Länder. Die Debatte nahm Fahrt auf. Im Anschluss gab Ursula Weidenfeld, stellvertretende Chefredakteurin des Tagesspiegels, den Rednern eine Rückmeldung: Wer zum Beispiel beim Reden hin und her wackelt, vermittele den Zuhörern das Gefühl, dass er nicht voll und ganz hinter seiner Meinung stehe, sagt sie. Selbstbewusstes Auftreten sei unabdingbar in einer Debatte. Und: „Sie hätten ruhig noch stärker Ihre eigene Lebenssituation einfließen lassen können“, rät sie allen Rednern, „das wirkt überzeugend.“

Weidenfeld und Sebastian Czaja lobten die gute Stimmung und die freudigen Gesichter während der Debatte. „Manchmal wünschte ich mir einen solch netten Ton und diese Begeisterung auch in der Politik“, sagt der Abgeordnete. Stephan Struve

Der Tagesspiegel-Debattierclub steht allen Schülern ab 16 und Studierenden offen. Das nächste Treffen ist am 1. November (18 Uhr, Verlagsgebäude Potsdamer Straße 87), das Thema: Sollen mehr politische Fragen per Volksentscheid entschieden werden? Anmeldung erbeten an rhetorik@tagesspiegel.de. Informationen über den Club und die Rhetorik-Seminare des Tagesspiegels unter www.tagesspiegel.de/rhetorik

0 Kommentare

Neuester Kommentar