Demenz : Geistiger Abbau beginnt schon mit 45

Hilfe, wie heißt du denn?! Erste geistige Abbauerscheinungen beginnen viel früher als gedacht. Eine neue Studie unterstreicht das Potenzial der Vorbeugung.

von
Erinnerungsbücher können Demenzpatienten helfen.
Erinnerungsbücher können Demenzpatienten helfen.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Das Gesicht kenne ich doch – aber der Name dazu fällt mir nicht ein! Mit aller zu Gebote stehenden Lebenserfahrung lässt sich die Gedächtnislücke überspielen. Aber viele Menschen, die im Alltag unter Schusseligkeit leiden, fragen sich nach solch einer Episode, ob ihnen nicht der vorzeitige geistige Verfall droht. Nahrung für solche Sorgen liefert nun eine britisch-französische Studie, die online im British Medical Journal veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass anders als gedacht erste geistige Abbauerscheinungen sich bereits vom 45. Lebensjahr an zeigen können. Bisher hatte man angenommen, dass von Ausnahmen abgesehen die meisten Menschen erst ab dem 60. Lebensjahr zunehmend mit entsprechenden Problemen zu kämpfen haben.

An der als „Whitehall II“ bezeichneten Untersuchung nahmen 5200 Männer und 2200 Frauen aus dem öffentlichen Dienst teil. Über einen Zeitraum von zehn Jahren wurde das Denkvermögen der Teilnehmer jeweils drei Mal getestet. Geprüft wurden Gedächtnis, Wortschatz sowie akustische und optische Auffassungsgabe. So mussten die Versuchspersonen sich zum Beispiel an 20 zweisilbige Wörter erinnern, die sie in kurzem Abstand gehört hatten. Bei den Männern der Altersgruppe zwischen 45 und 49 war das Denkvermögen nach zehn Jahren im Mittel um 3,6 Prozent zurückgegangen (Frauen: ebenfalls 3,6), in der Gruppe der 65- bis 70-jährigen Männer lag der Schwund schon bei 9,6 Prozent (Frauen 7,4). Lediglich der Wortschatz blieb über die Jahre unangetastet.

Man schätzt, dass es 20 bis 30 Jahre dauert, bis sich ein geistiger Abbau so weit ausprägt, dass er sich als Demenz bemerkbar macht. Ein früherer Beginn des allmählichen Verfalls macht nach Ansicht der Forscher um Archana Singh-Manoux vom Inserm-Zentrum in Villejuif Cedex (Frankreich) das rechtzeitige Vorbeugen umso wichtiger.

Zwar gibt es gegen die Demenz vom Alzheimer-Typ kein gesichertes Rezept, um den Ausbruch hinauszuzögern. Anders sieht es bei Demenz infolge von Gefäßverkalkung aus (vaskuläre Demenz). Sie steht bei der Häufigkeit an zweiter Stelle und tritt oft zusammen mit Alzheimer auf. Gegen die vaskuläre Demenz hilft im Prinzip, was auch dem Herz bekommt: gesunder Lebensstil, das Vermeiden oder Verringern von Fettsucht, Bluthochdruck und zu hohen Blutfetten. Je eher, desto besser.

7 Kommentare

Neuester Kommentar