• Demokratie lernen: Politikunterricht mobilisiert Jugendliche aus politisch desinteressierten Familien

Demokratie lernen : Politikunterricht mobilisiert Jugendliche aus politisch desinteressierten Familien

Wer in der Schule Demokratie lernt, hat mehr Lust aufs Wählen. Eine neue Studie fordert mehr Fachlehrer

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Ansprechend. Bundespräsident Joachim Gauck diskutiert mit Berliner Schülern.
Ansprechend. Bundespräsident Joachim Gauck diskutiert mit Berliner Schülern.Foto: dpa

Jugendliche, die in der Schule regelmäßig Politikunterricht haben, sind eher am politischen Geschehen interessiert. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Studie im Auftrag der SPD-nahen Friedrich- Ebert-Stiftung hervor. Forscher der Universitäten in Hannover und Osnabrück haben dafür gut tausend Schüler und Berufsschüler von 15 bis 25 Jahren befragt.

Gerade Jugendliche, die in ihren Familien und im sozialen Umfeld nicht mit politischen Themen in Berührung kommen, profitieren vom Sozialkundeunterricht, berichten die Wissenschaftler. Für sie sei die Schule oftmals der einzige Ort, an dem sie an politische Debatten herangeführt werden. Ein regelmäßiger Sozialkundeunterricht könne ihre politische Beteiligung steigern, etwa die Bereitschaft, ihr Wahlrecht wahrzunehmen.

Schüler aus Familien mit einem besseren Einkommen und höheren Bildungsabschlüssen, die ein Studium anstreben, sind von vornherein stärker zu politischem Engagement bereit. Sie führen häufiger politische Diskussionen, informieren sich in den Medien und nutzen den Politikunterricht vor allem dazu, ihre Kenntnisse zu vertiefen, heißt es.

Durchschnittlich gaben 29 Prozent der Befragten an, eine hohe Bereitschaft zu politischer Partizipation zu haben. Unter den Schülern, die die studieren wollen, waren es 38 Prozent, unter jenen, die eine Ausbildung machen, nur 17 Prozent. Gut die Hälfte der Befragten, die über wenig politisches Wissen verfügen, nannten den Politikunterricht als wichtige Informationsquelle. Und 41 Prozent der Schüler, die mehr als zwei Wochenstunden Unterricht haben, erklären eine hohe Bereitschaft, sich zu beteiligen, bei zwei Stunden und weniger waren es 23 Prozent.

Die Autoren sehen vor allem in Schulformen, die zu mittleren und unterdurchschnittlichen Abschlüssen führen, Handlungsbedarf für die politische Bildung. Generell müsse der Sozialkundeunterricht in allen Schularten fest im Curriculum verankert und von Fachlehrern unterrichtet werden. Gleichzeitig sollten Schulen mehr Mitbestimmung gewähren und Demokratielernprojekte anbieten. -ry

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