Der Bund und die Hochschulfinanzierung : Schavan will Uni-Institute übernehmen

Neben Zusammenschlüssen wie dem von Charité und Max-Delbrück-Centrum will der Bund künftig auch einzelne Uni-Institute finanzieren. Die Länder dürften das allerdings nicht als "Nullsummenspiel" betrachten, sagt Ministerin Schavan.

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Bundesforschungsministerin Annette Schavan.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan.Foto: dpa

Der Bund will einen Zusammenschluss der Charité und des Max-Delbrück-Centrum (MDC) finanziell unterstützen. Diese Initiative, mit der der Bund in die eigentlich auf die Länder beschränkte dauerhafte Finanzierung von Universitäten einsteigen will, ist bekannt. Über die Details des Berliner Pilotprojekts verhandeln die Politiker noch. Jetzt hat Bundesforschungsministerin Annette Schavan in einem Interview mit der „Zeit“ erneut ihr Engagement für das Berliner Vorhaben bekräftigt – und den nächsten Vorschlag gemacht, wie sich der Bund nach dem Auslaufen der Exzellenzinitiative im Jahr 2017 an Universitäten beteiligen könnte.

Neben „Leuchttürmen mit internationaler Ausstrahlung in gemeinsamer Trägerschaft von Bund und Ländern“ à la Charité und MDC strebe sie eine „zweite Form der Bundesförderung“ für Universitäten an, sagte die Ministerin. Sie denke dabei an die Finanzierung von einzelnen wichtigen Instituten bestimmter Hochschulen. Es wäre „psychologisch verheerend, wenn man die Botschaft vermittele, universitäre Spitzenforschung sei nur noch an wenigen Standorten möglich“. Politik und Wissenschaft sollten daher „gemeinsam Forschungsfelder definieren, die für uns von nationaler Bedeutung sind, und schauen: Wo sind Institute innerhalb von Universitäten, die aufgrund ihrer Exzellenz eine Ko-Förderung durch den Bund verdienen?“

Themen könnten etwa die Meeresforschung und der Klimawandel sein, sagte Schavan. Als Beispiel für ein Institut nannte sie das Marum der Universität Bremen. Das Zentrum für Meeresforschung sei ein „echtes Juwel“, Bremen gehe dagegen „finanziell schwierigen Zeiten entgegen“. Entscheidend sei gleichwohl, dass die Länder sich weiterhin „auf hohem Niveau“ für die Wissenschaft engagierten. Der Einstieg des Bundes dürfe nicht zum Ausstieg des jeweiligen Landes „und damit zum Nullsummenspiel“ führen. Kriterien für die Auswahl solcher Institute und Themen sollte der Wissenschaftsrat im Rahmen seiner Vorschläge für die künftige Zusammenarbeit von Bund und Ländern machen.

Schavan warb erneut dafür, das Kooperationsverbot von Bund und Ländern im Bereich der Wissenschaft abzuschaffen. Eine Mehrheit dafür scheine ihr „greifbar nahe“. Alle Beteiligten sollten sich jetzt auf das konzentrieren, was „möglich“ sei, anstatt „ewig über die große Föderalismusreform zu diskutieren“. Schavan hatte bereits vorgeschlagen, den Artikel 91b des Grundgesetzes dahingehend anzupassen, dass der Bund künftig nicht nur Vorhaben an Hochschulen fördern darf, sondern auch ganze Einrichtungen.

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