Wissen : Der Mensch und das Meer

Eine neue Weltkarte zeigt: Kaum ein Fleckchen Ozean ist noch unberührt

Roland Knauer

Nachdem sie einen Weltatlas der Meere erstellt haben, schlagen Benjamin Halpern von der Universität von Kalifornien und Kollegen jetzt im Fachblatt „Science“ Alarm: Die Karte zeigt in den Farben Rot, Orange, Gelb und Grün die Gebiete in den Ozeanen, die von Menschen beeinträchtigt werden. Die weitgehend unbeeinflussten Gebiete - in Blau – machen nur noch vier Prozent der Fläche aus.

Zunächst entwickelten die Forscher Messmethoden für den Einfluss auf das Meer – denn in jeder Region wirken verschiedene Faktoren. So wäscht zum Beispiel Regen Kunstdünger in die Flüsse, die ihn ins Meer tragen. Dort schädigt er Korallenriffe stark, beeinflusst aber die Unterwasserwälder aus Seetang kaum. Also müssen die Forscher für jeden Einfluss die Wirkung auf die Ökosysteme kennen und beurteilen. Im zweiten Schritt stellten sie fest, welche Einflüsse die Regionen betreffen und welche Lebensgemeinschaften dort vorkommen. Anschließend kombinierten sie beide Schritte, um für jeden Quadratkilometer Meer den Einfluss zu bestimmen.

Genau diese Kombination enthüllt erst das wahre Ausmaß. Bisher zeigten Karten nur einzelne Faktoren wie Überfischung, Erdölförderung oder Schiffsverkehr, erklärt Halpern: „Wenn wir alle berücksichtigen, sieht das große Bild viel schlimmer aus.“ Die am stärksten beeinträchtigten Gebiete – auf der Karte rot – liegen in der Nordsee, im Süden und Osten des chinesischen Meeres, in der Karibik, an der Ostküste Nordamerikas, im Mittelmeer, im Roten Meer, im Persischen Golf, in der Beringsee und im westlichen Pazifik. Hier kommen Überfischung, Erdölförderung oder Einleitung von Schadstoffen meist zusammen. Auch im Westen Afrikas tauchen an der Atlantikküste rote Flecken auf. Dort werfen die Fangflotten der Europäischen Union, Chinas und Russlands ihre Netze aus. Der Leiter des WWF-Zentrums für Meeresschutz, Alfred Schumm, fordert die EU daher auf, die Fischerei dort auslaufen zu lassen.

Nur an die Pole reicht der lange Arm des Menschen noch nicht. Dort scheint sich aber der Klimawandel sehr stark auszuwirken. Doch auch für andere Regionen stellt Schumm fest: „Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits sehr stark, dadurch werden auch die Meere zunehmend saurer.“ Ab einen bestimmten Säurewert können viele Organismen nicht mehr überleben. Roland Knauer

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