Der Sternenhimmel im Monat Mai : Saturn im Süden – und ewig kreist der Große Wagen

In den Nächten tritt Saturn auf. Und natürlich der Große Wagen samt Polarstern. Der ist allerdings nicht der ewige Himmelspol, bald ist "Wega" dran.

Peer Schröder
Quelle: Planetarium Stuttgart/dpa

In diesem Monat ist Saturn gut zu sehen. Er taucht am Abend im Südosten auf, schafft es aktuell bis in 20 Grad Höhe und verlässt den Horizont im Südwesten. Im oberen Teil des Sternbilds Skorpion ist der Planet bei ausreichender Dunkelheit zu finden. Mit einem guten Teleskop sind sogar die Staubringe auszumachen.

Über den Ursprung der Ringe sind sich die Forscher uneins. Entweder sind es Trümmer, die aus dem Zusammenstoß eines Saturnmondes mit einem Asteroiden hervorgingen. Oder die Ringe gab es doch schon seit der Entstehung des Planeten. Einen größeren, eigenständigen Himmelskörper hätten sie wahrscheinlich nicht bilden können, denn so nah an Saturn sind die Gezeitenkräfte enorm: Jeden größeren Mond würden sie alsbald wieder zerreißen.

Der Große Wagen ist das ganze Jahr über zu sehen

Ohne Hilfsmittel ist, wie das ganze Jahr über, der Große Wagen zu erkennen. Eigentlich ist er Teil des Sternbildes „Großer Bär“, er wird von sieben besonders hellen Sternen des Bären gebildet. In einer etwas dunkleren Umgebung – vorzugsweise jenseits der Stadt – sind alle sieben zu sehen. Beim Großen Wagen handelt es sich um ein zirkumpolares Sternbild. Das heißt, dass es von der Nordhalbkugel aus gesehen nie unter den Horizont taucht.

Mit Hilfe des Großen Wagens ist der Polarstern leicht zu finden. Er steht in 5-facher Verlängerung der Polweiser: der beiden Sterne, die die Rückwand des Wagens bilden. Der Polarstern spielte und spielt in der Seefahrt eine große Rolle beim Ermitteln der Himmelsrichtung Nord. Er steht immer in der Höhe über dem Horizont, die dem Breitengrad des Beobachters entspricht. In Berlin wären das 53 Grad, in Flensburg 55 Grad. Schaut man nur lange genug nach oben, so bewegen sich im Lauf der Nacht alle Sterne scheinbar um den Polarstern. Er steht – mit einer minimalen Abweichung von 0,7 Grad - über dem Nordpol, in Verlängerung der Erdachse.

Und die ist ganz schön lang: 431 Lichtjahre ist der Stern von uns entfernt. Ob folgender Vergleich wirklich hilft, das zu begreifen, sei dahingestellt. Beeindruckend ist er trotzdem: Wenn man einen Spinnenfaden nimmt und ihn einmal um die Erde legt, so wiegt der Faden rund 400 Gramm. Würde man einen solchen Faden bis zum Polarstern ziehen, hätte dieser ein Gewicht von rund 40 Millionen Tonnen.

Ein taumelnder Kreisel

Langfristig ist der Polarstern, gelegentlich auch Polaris genannt, jedoch nicht der unverrückbare Himmelspol. Das liegt daran, dass die Erde ein taumelnder Kreisel ist: Die Gezeitenkräfte von Sonne und Mond versuchen ständig, die Erdachse aufzurichten. Das führt dazu, dass die Achse selbst einen Kreis beschreibt, Physiker nennen das „Präzession“. Bei der Erde dauert das rund 25.700 Jahre. In dieser Zeit nehmen verschiedene Sterne die Position des Himmelspols ein. In 12.000 Jahren zum Beispiel wird die Wega der neue Polarstern sein.

Zur Zeit der Alten Ägypter war es Thuban im Sternzeichen Drachen. Schon damals hatte der mutmaßliche Himmelspol eine große Bedeutung. An seiner Position wurden die Eingänge der Pyramiden ausgerichtet, die für die Vorstellung vom Leben im Jenseits besonders wichtig waren. Arabische Astronomen hingegen sahen im Stern Kochab den Polarstern, türkischen Gelehrten war es Yildun.

Der Große Wagen könnte auch ein Sarg, ein Löffel oder eine Pfanne sein

Das Sternbild Großer Wagen ist der Menschheit bereits seit langem vertraut, wenn auch mit unterschiedlichen Bezeichnungen. Auch die nordamerikanischen Indianer sahen in dem Kasten des Wagens einen Bären, während andere Kulturen in die Anordnung der Sterne wahlweise Wölfe, einen Sarg, einen Löffel oder gar eine Pfanne hineininterpretierten.

Etwas geübte Himmelsbeobachter können zu fortgeschrittener Stunde im Nordosten die Galaxie Andromeda M31 finden: Im gleichnamigen Sternbild, zwischen Pegasus und Kassiopeia. Es ist die einzige Galaxie, die mit bloßem Auge zu sehen ist. Sie ist schwer vorstellbare 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt. Das heißt, als sich das Licht auf den Weg machte, war an den modernen Menschen Homo sapiens noch lange nicht zu denken.

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