Deutsche Forschungsgemeinschaft : Strohschneider wird neuer DFG-Präsident

Ein Altgermanist führt künftig Deutschlands größte Forschungsfördergemeinschaft. Auf der Jahresversammlung ruft Bundespräsident Joachim Gauck Wissenschaftler auf, sich einzumischen.

von
Peter Strohschneider.
Peter Strohschneider.Foto: dpa

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat den Münchner Altgermanisten Peter Strohschneider zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Der 56-Jährige, der von 2006 bis 2011 Vorsitzender des Wissenschaftsrats war, setzte sich am gestrigen Mittwoch bei der Mitgliederversammlung der DFG in Dortmund gegen die Bielefelder Chemikerin Katharina Kohse-Höinghaus und gegen den Würzburger Pharmakologen Martin Lohse durch. Es war das erste Mal in der Geschichte der DFG, dass die Findungskommission des DFG-Senats ihren Mitgliedern drei Kandidaten zur Auswahl angeboten hat. In Insiderkreisen wird darin eine Reaktion auf öffentliche Kritik von Professoren gesehen, die der DFG im vergangenen Herbst „Kungeleien“ vorgeworfen hatten.

Strohschneider löst den jetzigen DFG-Präsidenten, den Ingenieur Matthias Kleiner, am 1. Januar 2013 ab. Dann endet für Kleiner seine zweite dreijährige Amtsperiode. Zu Vizepräsidenten wurden die Freiburger Dermatologin Leena Kaarina Bruckner-Tudermann und der Stuttgarter Systemtheoretiker und Regelungstechniker Frank Allgöwer gewählt.

Bei der DFG-Versammlung forderte Bundespräsident Joachim Gauck die Wissenschaftler auf, sich in öffentlichen Debatten über die Zukunft Deutschlands lauter zu Wort zu melden. „Auch als hoch spezialisierte Forscher und Forscherinnen sind und bleiben Sie der Gesellschaft verpflichtet“, sagte Gauck. „Warum, frage ich mich, sind in den öffentlichen Debatten über unsere Zukunft die Stimmen aus Physik, Ökonomie, aus den Ingenieur-, Lebens- oder Kulturwissenschaften nicht prominenter zu hören?“, sagte Gauck laut Redemanuskript. Schließlich sei die Wissenschaft „vielfach öffentlich organisierte – und finanzierte – Erkenntnissuche“. Und auch die Forscher könnten „von Fragen und Erwartungen“ aus Politik und Gesellschaft profitieren. akü/dapd

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben