Deutscher Herzbericht : Weniger Herztote zu beklagen

In Deutschland sterben weniger Menschen an Herzkrankheiten. Die kardiologische Versorgung hat ein ausgezeichnetes Niveau erreicht.

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GrafiK Fabian Bartel/Tagesspiegel

So fasste der Giessener Herzspezialist Christian Hamm die zentralen Aussagen des „Deutschen Herzberichts 2013“ zusammen. Die Deutsche Herzstiftung stellte jetzt den Bericht gemeinsam mit den Fachgesellschaften der Kardiologen, der Herzchirurgen und der Kinderkardiologen in Berlin vor.

Die absoluten Zahlen bleiben hoch. Die Lebenserwartung steigt, somit werden Altersleiden wie Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) und bestimmte Herzklappenkrankheiten häufiger. Auch Herzrhythmusstörungen nehmen zu, vom mittleren Alter an. Das heißt jedoch nicht, dass wir kränker werden, sagte Hamm. „Wir widmen kardiologischen Krankheiten inzwischen mehr Aufmerksamkeit.“ Die Diagnosemethoden haben sich ebenfalls verbessert.

Andere Herzleiden werden hingegen seltener, vor allem die koronare Herzkrankheit. Dabei sind die Herzkranzarterien verengt und versteift – das kann bis zum akuten Herzinfarkt führen. Die Sterbeziffern gehen kontinuierlich zurück, allerdings mit regionalen Unterschieden. Die niedrigste Herzsterblichkeit haben Berlin (125 Tote pro 100 000 Einwohner) und Bremen (112). Weit über dem Bundesdurchschnitt von 155 liegen Sachsen-Anhalt (266), Sachsen (244) und das Saarland (207).

Solche Statistiken suggerieren Genauigkeit. Dabei beklagt selbst der Herzbericht Datenunsicherheit und legt seine Quellen offen, an der Spitze das Statistische Bundesamt. Das stützt sich beim Thema Sterblichkeit auf die notorisch unzuverlässigen Totenscheine.

Für Hamm ist die bessere kardiologische Versorgung ausschlaggebend für den Rückgang der Herzsterblichkeit. Die Erfolgsmeldungen der Kardiologen und Herzchirurgen bei der Vorstellung des differenziert wirkenden Berichts waren imposant. „In der gesamten Herzmedizin zeigen angeborene Herzfehler den prozentual stärksten Rückgang der Sterbeziffer“, sagte Brigitte Stiller, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie. Von fast 22 000 Patienten, die in Kliniken behandelt wurden, starben zuletzt nur 483; seit 1990 gingen die Todesfälle somit um 60 Prozent zurück.

In diesem Bereich gibt es sicher keine Überversorgung, wie sie in der Öffentlichkeit zum Beispiel bei Herzschrittmachern häufig kritisiert und in Studien zu überflüssigen Katheteruntersuchungen nachgewiesen wird. Im Herzbericht wird sogar die hohe Zahl der Eingriffe bei Herzrhythmusstörungen offen diskutiert. Hamm klagte indes über Unterversorgung, etwa bei Prävention und Rehabilitation. Sie seien zu schlecht honoriert.

Die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten sind seit langem bekannt: Bewegungsmangel, Rauchen, Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, aber auch Stress und Depression. Teilweise hat sich bereits etwas getan. Es wird weniger geraucht, dafür nimmt die körperliche Aktivität der Deutschen zu. Der Herzbericht zitiert eine Studie, nach der in einer Region schon ein Jahr nach Einführung der Nichtraucherschutzgesetze 8,6 Prozent weniger Infarkt- und 13,3 Prozent weniger Angina-pectoris-Patienten ins Krankenhaus mussten. Außerdem gibt es zur Rehabilitation über 6000 Herzgruppen mit Bewegungstherapie, an denen jeder fünfte Infarktpatient teilnimmt.

Vielleicht ist es also doch nicht allein die gute kardiologische Versorgung, die den Herztod reduziert. Jeder kann selbst etwas für sich tun – vorbeugend wie heilungsfördernd. Besonders wichtig bleibt eines: Bei Verdacht auf Herzinfarkt 112 wählen! Ohne Umweg und ohne Zögern. Denn beim Herzinfarkt kommt es auf jede Minute an. Wer zu spät kommt, der bezahlt mit dem Leben.

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